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05.09.2014

12:28 Uhr

Banken umgehen Regeln

Vergessen Sie den Kredit, wir leihen Ihnen Gold

China versucht die Kreditvergabe seiner Banken zu bremsen – aus Angst vor faulen Krediten. Doch die Banken wissen sich zu helfen: Sie leihen ihren Kunden Gold anstatt Geld. Unternehmen nehmen das Angebot gerne an.

Eine Mitarbeiterin nimmt einen zwölf Kilogramm schweren Goldbarren aus einem Tresor. Chinesische Unternehmen greifen auf die Gold-Leihe zurück. dpa

Eine Mitarbeiterin nimmt einen zwölf Kilogramm schweren Goldbarren aus einem Tresor. Chinesische Unternehmen greifen auf die Gold-Leihe zurück.

FrankfurtBei Chinas vier größten Banken ist der Wert der Edelmetallbestände in den letzten zwölf Monaten um mehr als die Hälfte gestiegen. Die Banken weiten die Gold- Leihe an Kunden aus, da strengere staatliche Regeln die klassische Kreditvergabe beschränken.

Die Edelmetallbestände von Industrial & Commercial Bank of China, China Construction Bank, Agricultural Bank of China und Bank of China verzeichneten einen Zuwachs von 66 Prozent auf 378 Milliarden Yuan (47 Milliarden Euro) zum Ende des zweiten Quartals. Das geht aus den Finanzberichten der Banken hervor. Die Zunahme übertrifft den Anstieg des Goldpreises, der in dem Zeitraum um 7,5 Prozent zugelegt hat.

China versucht die Kreditvergabe der Banken zu bremsen. So wurden die Finanzierungskosten erhöht und die Kreditvergabe an Sektoren beschnitten, die als riskant im Hinblick auf Zahlungsausfälle gelten, zumal der Immobilienmarkt schwächelt und die Zahl der Problemkredite zunimmt.

Das veranlasste die Banken, ihre Edelmetallbestände zu erhöhen, denn sie weiten ihr Gold-Leihe-Geschäft aus, das nicht der Kreditdeckelung unterliegt. Außerdem gilt es nach Angaben von Industrial Bank als eine außerbilanzielle Kredit-Transaktion.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 betrug 1079,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage nur um knapp 11 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 1089,9) gefallen.

Quelle: World Gold Council

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im ersten Quartal 2015 insgesamt 600,8 Tonnen und ist damit um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 620,2) gefallen.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 80,4 Tonnen und fiel, verglichen mit den 81,9 Tonnen im ersten Quartal 2014, um zwei Prozent.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen. Ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014 (Q1: 281,5).

EFTs und ähnliche Produkte

Die Nachfrage bei den Gold-EFTs betrug im ersten Quartal 2015 25,7 Tonnen. Im ersten Quartal des Vorjahres wurden noch Abflüsse in Höhe von 13,5 Tonnen verzeichnet.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im ersten Quartal 2015 119,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert damit nahezu gleich (Q1'14: 119,8).

Investment gesamt

Die Goldnachfrage im Investment belief sich im ersten Quartal 2015 auf 278,8 Tonnen. Das ist eine Steigerung von vier Prozent, im Vorjahresquartal waren es 268 Tonnen.

„Die auf Gold basierende Finanzierung hat in den letzten zwölf Monaten erheblich zugenommen“, sagt Duan Shihua, Partner bei Shanghai Leading Investment Management im Telefoninterview mit Bloomberg News aus Schanghai. „Aus den Statistiken der Banken geht klar hervor, dass viele Unternehmen in China immer noch nicht genug Finanzierungen bekommen können.“

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