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25.11.2013

11:46 Uhr

Banker auf Abwegen

Die privaten Wetten der Devisenhändler

Eigentlich sind sie zur Verschwiegenheit verpflichtet. Trotzdem haben Devisenhandler offenbar Informationen zum Handel an Day-Trader weitergeleitet. So lancierten sie private Wetten, um den großen Reibach zu machen.

Spekulationsobjekt: Mit Insiderwissen lässt sich am Devisenmarkt leicht Geld verdienen. ap

Spekulationsobjekt: Mit Insiderwissen lässt sich am Devisenmarkt leicht Geld verdienen.

Nicht alle Banker können den Versuchungen ihres Jobs widerstehen. Devisenhändler in London haben offenbar Informationen über Kunden-Orders an Day-Trader in Essex weitergegeben. Das bestätigen jedenfalls informierte Kreisen der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Händler sollen dann entsprechende Deals im Auftrag der Banker platziert haben. Beschränkungen zum privatem Handel sollen so umgangen worden sein, schildern drei Personen mit Kenntnis der Praxis.

Bankmitarbeiter haben demnach ihre Mobiltelefone und Instant- Messages genutzt, um Einzelheiten über bevorstehende Orders an Einzelpersonen weiter zu leiten, die von angemieteten Handelsbereichen aus in Büros am Rande der britischen Hauptstadt arbeiteten. Die Day-Trader sind dann Wetten über die Tendenz von Währungen eingegangen. Die Profite wurden später in bar aufgeteilt.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Die Praxis zeigt, in welchem Ausmaß Händler bereit sind, Regeln zu umgehen, die eigentlich verhindern sollen, dass sie auf Kosten der Kunden profitieren. Es zeigt auch, dass sich die mutmaßlichen Missstände am Devisenmarkt über die Handelsabteilungen des Londoner Finanzdistrikts auf unregulierte Day-Trader in Essex und Kent ausweiten.

„Es ist fast unmöglich für Banken, dem einen Riegel vorzuschieben - es sei denn, sie fänden einen Weg, sämtliche Formen der Kommunikation vom Handelsbereich zu kontrollieren“, sagt Tom Kirchmaier von der London School of Economics.

Aufsichtsbehörden weltweit haben mit Ermittlungen am Devisenmarkt, an dem täglich 5,3 Billionen Dollar umgesetzt werden, begonnen. Im Juni berichtete Bloomberg bereits, dass Mitarbeiter mehrerer Firmen sagten, sie hätten über Instant Messages Informationen über ihre Positionen mit Kollegen ausgetauscht und versucht, die als Benchmark dienenden WM/Reuters-Sätze zu manipulieren.

Die britische Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority hat seitdem ihre Ermittlungen ausgeweitet und untersucht nun, ob Händler auch Wetten auf Devisenbewegungen über ihre persönlichen Konten abgegeben haben, berichtet eine andere informierte Person, die um Anonymität bat.

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