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29.08.2013

19:12 Uhr

Bergbauboom in Chile

Die neureichen Kumpel von Esperanza

In Chile lassen es sich die Bergarbeiter aus den Kupferminen gut gehen. Sie fahren Sportwagen, tragen teure Uhren und Hugo Boss. Zu verdanken haben sie das dem Rohstoffhunger Chinas. Der Boom birgt jedoch Risiken.

Kupfer für den Export: Vom Hafen in Valparaiso geht es nach Asien. Reuters

Kupfer für den Export: Vom Hafen in Valparaiso geht es nach Asien.

Erick Moreno arbeitet in einer Kupfermine. Vor zwei Jahren fing er im Bergwerk Esperanza im Norden Chiles an. Seitdem hat sich sein Gehalt verdreifacht. Er denkt darüber nach, sich ein Haus zu kaufen. Seine Kollegen fahren Sportwagen. Die chilenischen Bergarbeiter freuen sich über einen unverhofften Reichtum.

Die Gründe dafür liegen im Fernen Osten. Sie haben damit zu tun, wie sich die Gewichte in der Weltwirtschaft verschieben. Früher führte der Weg zu Wohlstand nur über die USA. Heute ist es der Rohstoffhunger Chinas, der den Förderländern gute Geschäfte beschert. Die Chinesen sorgten in den vergangenen Jahren dafür, dass die Kupferminen am anderen Ende der Welt ausgelastet sind - und die Bergarbeiter von einem besseren Leben träumen durften.

„Ich werde in dieser Branche alt werden, ich sehe mich nirgendwo anders“, sagt Erick Moreno, der aus Antofagasta kommt. „Wenn man in einem Kupferbergwerk anfängt, ändert sich alles sehr schnell.“

Der 27-Jährige hat seine Ausbildung zum Ingenieur an der Universität von Antofagasta, einer Stadt am Rande der Atacama-Wüste, abgeschlossen. Viele seiner Kollegen hatten weniger Geduld. Sie brachen das Studium ab, um noch schneller einen Job im Bergbau zu bekommen. Die meisten besäßen bereits ein Haus, berichtet Moreno, die Älteren sogar mehrere Immobilien. Schnelle Autos seien ebenfalls sehr begehrt.

Die Nachfrage nach Kupfer ist in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, ebenso der Preis. In diesem Zeitraum hat er sich vervierfacht. Aktuell kostet eine Tonne Kupfer knapp 7300 Dollar. Allerdings ist keineswegs sicher, ob sich der Boom im selben Tempo fortsetzt.

Chiles Wirtschaft in Zahlen

Bruttoinlandsprodukt

2010: 291,7 Milliarden Dollar

2011: 308,9 Milliarden Dollar

2012: 325,8 Milliarden Dollar (Platz 43 in der Welt)

Wirtschaftswachstum

2010: 5,8 Prozent

2011: 5,9 Prozent

2012: 5,5 Prozent

2013: 4,9 Prozent (Schätzung)

Arbeitslosenquote

2011: 6,6 Prozent

2012: 6,4 Prozent (Platz 66 in der Welt)

Staatsverschuldung

2011: 11,1 Prozent des BIP

2012: 11,9 Prozent des BIP (Platz 141 in der Welt)

Inflationsrate

2011: 3,3 Prozent

2012: 3 Prozent (Platz 95 in der Welt)

Export - Import

Exporte
2011: 81,46 Milliarden Dollar

2012: 78,28 Milliarden Dollar

Importe
2011: 70,91 Milliarden Dollar

2012: 74,86 Milliarden Dollar

Handelspartner

Exporte
China 23,9 Prozent, USA 12,2 Prozent, Japan 10,6 Prozent, Süd Korea 5,8 Prozent, Brasilien 5,5% (2012)

Importe
USA 21,9 Prozent, China 18,2 Prozent, Argentinien 6,7 Prozent, Brasilien 6,5 Prozent (2012)

Quelle

Der Rohstoff wird in großen Mengen von der Industrie verbraucht, für Stromleitungen, in der Automobilherstellung oder auf dem Bau. Die weltweite Nachfrage liegt bei gut 20 Millionen Tonnen, davon entfallen 8,3 Millionen Tonnen auf China. Das ist ein Anteil von mehr als 40 Prozent.

Chile wiederum verfügt über die größten bekannten Kupfervorkommen der Welt, ebenfalls etwa 40 Prozent. In dem schmalen Landstreifen zwischen Anden und Pazifik liegen die größten Minen der Welt. Im Jahr 2010 nahm die gesamte Welt Anteil am Schicksal von 33 Bergarbeitern, die nach einem Grubenunglück nahe der Stadt Copiapo verschüttet worden waren. Sie mussten wochenlang unter Tage aushalten, am Ende wurden alle gerettet. Das Selbstverständnis Chiles als Bergbaunation erschütterte das Unglück nicht.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

29.08.2013, 19:22 Uhr

Wenn die dann noch fleissig Aktien dieses Superkonzerns Antofagasta gekauft haben oder damit bezahlt werden, gehts denen bestimmt bald entscheidend schlechter.

Rohstoffboom war und ist ein sehr, sehr wackeliges Ding. Der Ruhrpott zeigt das heute überdeutlich - von Reichtum keine Spur.

ottissimo

29.08.2013, 19:56 Uhr

Ja, wer denn sonst, als die Kumpels aus den Minen, haben sich den verdienten Luxus zu leisten? Etwa die nichtsnutzigen Aktionäre?

Account gelöscht!

29.08.2013, 20:23 Uhr

Selten so was Dummes gelesen. Aktionäre geben ihr Geld gegen Anteile und gehen das volle Risiko eines idR nicht durch sie steuerbaren Unternehmens ein.

Ein bisschen mehr Bildung kann Ihnen sicher nicht schaden.

Geld und Neid muß man sich halt verdienen.

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