Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.03.2013

09:05 Uhr

Billiggold boomt

Hauptsache, es glänzt

Bei deutschen und französischen Juwelieren boomt das Geschäft mit Billiggold. Statt hochwertigen Schmuck kaufen die Kunden mehr günstige Legierungen. In anderen Ländern wäre das „Gold der Armen“ verboten.

Die Wirtschaftskrise hat Gold mit einem Reinheitsgrad von neun Karat nun zu neuem Glanz verholfen. dpa

Die Wirtschaftskrise hat Gold mit einem Reinheitsgrad von neun Karat nun zu neuem Glanz verholfen.

Der Goldpreis ist in jedem der vergangenen zwölf Jahre gestiegen. Damit sind auch die Preise für Goldschmuck beim Juweliere kräftig geklettert. Die Kunden kaufen zwar nicht unbedingt weniger Gold, aber sie weichen auf günstigere Alternativen aus. Die Nachfrage nach Goldschmuck mit niedrigerem Feingehalt nimmt zu.

Immer beliebter wird das sogenannte 333er oder 375er Gold, bei dem auf 1000 Gewichtsanteile nur 333 beziehungsweise 375 Anteile reines Gold kommen. Früher wurde es als „Gold der Armen“ verspottet. Doch das billigere Gold ist im Kommen, bestätigt Thilo Brückner vom Bundesverband Schmuck und Uhren in Pforzheim, der rund 180 Hersteller vertritt. Der steigende Goldkurs zwinge die Branche zudem zu mehr Kreativität: „Die Hersteller machen aus der Not eine Tugend und suchen nach neuen Legierungen.“

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Außerdem experimentieren die Designer mit neuen Materialien - Eisen, Bronze und Messing etwa in Kombination mit Gold und Silber. Aber auch Aluminium, Edelstahl und Farbsteine würden zunehmend von Gold- und Silberschmieden zu Schmuckstücken verarbeitet.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

„Aufgrund der Goldpreisentwicklung der vergangenen Jahres stellen wir durchaus eine Polarisierung im Kaufverhalten der Konsumenten fest. Ein Teil der preissensitiven Klientel geht in Richtung anderer Materialien wie Silber oder Stahl, durchaus auch mit Edelstein oder Brillantbesatz“, sagt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ).

Niedrige Goldlegierungen würden auch nachgefragt, jedoch nicht so stark wie im Ausland. „Die Kunden kaufen weiterhin überwiegend sehr wertorientiert und sind bereit, in werthaltigen Goldschmuck zu investieren“, meint Dünkelmann. Gold mit einem Feingehalt von 585 oder 750 sei bei deutschen Juwelieren nach wie vor erste Wahl.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.03.2013, 09:18 Uhr

Der Katzenjammer kommt, wenn man jemals Schmuck mit weniger als 18 Karat (750) zu Geld machen will. Dann gibt es nur mehr den Schrottwert oder der Juwelier verweigert die Annahme überhaupt. Solche Stücke sind auch nicht beleihungsfähig.

Account gelöscht!

06.03.2013, 09:25 Uhr

Schrottgold. Eine Legierung benennt man nach dem Hauptbestandteil. Daher sollte man es eine goldhaltiges Kupfer nennen. Und nicht Gold. Wie ich gelesen habe, sind diese Legierungen (um überhaupt nach Gold auszusehen) mit Zink versetzt. Dieses macht die Legierung brüchig. Gold fängt erst ab 585 an. Alles andere ist goldhaltiges Messing oder Kupfer. Es hat noch nicht einmal die reaktionsarmen (edlen) Eigenschaften. Das Gold setzt sehr schnell wegen dem vielen Kupfer Grünspan an.

Account gelöscht!

06.03.2013, 09:38 Uhr

Wo ist das Problem? Wenn ich kein Geld hab, kann ich mir auch Schmuck aus den Kaugummiautomaten ziehen. Ansonsten nur 750er

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×