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01.08.2016

12:32 Uhr

Bitcoin-Alternative Ethereum

Chaos im Wunderland

VonFrank Wiebe

Bei Ethereum, dem wichtigsten Konkurrenz-Projekt zu Bitcoins, kommt es zur Sektenbildung. Auf einmal existieren dort zwei Systeme nebeneinander. Der Vorgang wirft ein Schlaglicht auf die Tücken der hoch gelobten Technik.

Der Ethereum-Gründer wehrt sich gegen Kritiker. Getty Images

Vitalik Buterin

Der Ethereum-Gründer wehrt sich gegen Kritiker.

New YorkAnfang Mai war noch alles in Ordnung. Als sich die bunte Welt der Blockchain-Anhänger im Marriott Marquis am Times Square traf, gab es einen heimlichen Star – einen schlaksigen jungen Mann, der im weißen T-Shirt durch die Hallen schlenderte und auf Fragen mit schnell herunter geratterten Schachtelsätzen antwortete. Sein Name: Vitalik Buterin, Alter 22 Jahre, geboren in Moskau, aufgewachsen in Toronto, mit seiner Stiftung Ethereum zu Hause im Schweizer Kanton Zug.

Ethereum – schon der Name klingt esoterisch. Und das Konzept, das ein Kumpel von Buterin den Besuchern mit russischem Akzent erklärte, schien eine Art Wunderwerk zu sein. So wunderbar, dass sich Banker und Berater darauf stürzten. Accenture schloss bei der Gelegenheit eine Partnerschaft mit Ethereum.

Blockchain – genial einfach erklärt

Die Blockchain-Technik ...

... schreckt viele ab, dabei ist ihr Prinzip genial einfach. Mit dieser Erklärung in drei Schritten können Sie auf jeder Party glänzen.

Schritt 1

Melissa will einen Bitcoin an Steven überweisen. Dem Bitcoin-Netzwerk wird signalisiert, dass eine Überweisung von einer Bitcoin-Adresse an eine andere Adresse ansteht.

Schritt 2

Die Mitglieder des Bitcoin-Netzwerks fassen die jüngsten Transaktionen zusammen. Mit kryptografischen Berechnungen schaffen sie aus den Überweisungen einen neuen Datenblock für die Blockkette (Blockchain).

Schritt 3

Der neue Datenblock wird an die Blockkette angefügt. Damit ist auch die Überweisung von Melissa an Steven für die Ewigkeit festgehalten – der Bitcoin hat den Besitzer gewechselt.

Aber jetzt ist alles anders. Nach einem finsteren Hacker-Angriff auf Ethereum brach Buterin ein Tabu und ließ das System zum Teil neu programmieren, um den Angriff sozusagen ungeschehen zu machen. Einige seiner konsequentesten Fans sahen das nicht ein und verfolgen seither unter dem Namen Ethereum Classic das alte Programm weiter.

Jetzt gibt es zwei parallele Blockchains in Buterins Reich. Und das droht das Vertrauen in die gesamte Blockchain-Technik, die durch die Bitcoins bekannt wurde, zu untergraben. Denn die Idee hinter dieser Technik ist, eine dezentrale Buchhaltung zu schaffen, die nie mehr nachträglich geändert werden kann und unabhängig von einer zentralen Instanz und damit frei von menschlichen Streitigkeiten klar und objektiv existiert. Doch mit der Sektenbildung von Ethereum ist dieser Grundsatz nun in Frage gestellt.

Die Blockchain wurde zunächst als Basis der Bitcoins geschaffen, also als alternatives Bezahlsystem. Es handelt sich um eine Software, bei der jeder, der sich an das System andockt, automatisch identische Informationen bekommt. Jede Zahlung ist in dieser elektronischen Buchhaltung vermerkt und kann nachträglich nicht geändert werden. Um das System zu sprengen, müssten sich Hacker mit einer extrem hohen Rechnerkapazität zusammentun und damit die Kapazität der ehrlichen Teilnehmer in die Knie zwingen – was als sehr unwahrscheinlich gilt.

Aufbauend auf der Blockchain-Technik werden aber inzwischen von neuen Fin-Tech-Unternehmen, alten Beraterfirmen, EDV-Riesen wie IBM und Banken in Kooperation neue Anwendungen erprobt. Wertpapiergeschäfte etwa sind ein viel versprechender Bereich für die elektronische Buchhaltung, die keine zentrale Instanz benötigt.

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