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20.04.2014

15:49 Uhr

Bitcoin

Bankenvertreter fordern besseren Verbraucherschutz

Die Digitalwährung Bitcoin soll unabhängig machen von Banken. Doch die jüngsten Pleiten zeigten, wie riskant die Idee sein kann. Bankenvertreter dringen auf internationale Regeln zum Schutz der Verbraucher.

Bitcoins zählen zu den digitalen Währungen. Bankenvertreter fordern auf diesem Gebiet jetzt einen besseren Verbraucherschutz. AFP

Bitcoins zählen zu den digitalen Währungen. Bankenvertreter fordern auf diesem Gebiet jetzt einen besseren Verbraucherschutz.

BerlinVerbraucher müssen nach Ansicht der öffentlichen Banken Deutschlands weltweit besser vor Risiken der Digitalwährung Bitcoin geschützt werden. Aus Sicht des Bankenverbandes VÖB sind dringend internationale Regeln nötig. „Eine deutsche Lösung dafür ist nur schwer möglich, es müsste eine internationale Lösung sein“, sagte die Hauptgeschäftsführerin Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), Liane Buchholz, bei einem Redaktionsbesuch bei der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

„Das Thema ist lange Zeit völlig unterschätzt worden, es war ja sehr abstraktes Kapital“, sagte Buchholz. „Aufmerksam wurde man erst, als es Verluste gab.“ Mehrere Internetbörsen für Bitcoins waren in den vergangenen Wochen Opfer von Hackern geworden, zum Teil hatten Anleger dabei viel Geld verloren.

Die VÖB-Chefin sieht in einer internationalen Regulierung vor allem eine gesellschaftspolitische Aufgabe: „Es geht um Verbraucherschutz“, sagte sie. „Das Vertrauen der Bürger in Internetaktivitäten - egal ob es um Bitcoins, Facebook oder Whatsapp geht - ist, oder besser war, ja recht groß. Da braucht es Aufklärung und Regeln.“

Bitcoin-Börse: Mt. Gox beantragt die Auflösung

Bitcoin-Börse

Mt. Gox beantragt die Auflösung

Zuerst hieß es, ein gerichtlicher Aufseher sollte die Bitcoin-Börse Mt. Gox verwalten und sanieren – doch die Pläne haben sich offenbar zerschlagen. Laut „Wall Street Journal“ hat der Betreiber die Auflösung beantragt.

Bitcoins gibt es seit 2009. Sie werden in komplizierten Rechenprozessen auf den Computern der Nutzer erzeugt, können aber auch im Internet mit etablierten Währungen wie Dollar oder Euro gekauft werden. Bitcoins sollen einen Zahlungsverkehr ermöglichen, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert.

Die Deutsche Bundesbank hat bereits mehrfach vor Bitcoins gewarnt. „Bitcoins sind kein Zahlungsmittel, sondern ein hoch spekulatives Finanzinstrument“, hatte Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele vor kurzem gesagt. Nutzer setzen nach Einschätzung der Bundesbank häufig darauf, dass das Bezahlen im Internet mit Bitcoins billiger ist als eine internationale Überweisung oder das Zahlen mit Kreditkarte. Risiken, wie starke Kursschwankungen, würden dabei übersehen.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Ende 2013 war der Kurs auf mehr als 1150 Dollar in die Höhe geschnellt, nachdem ein Bitcoin ein Jahr zuvor lediglich 13 Dollar gekostet hatte. Mitte April lag der Kurs nach rasanter Talfahrt unter 400 Dollar, kletterte vor Ostern dann aber wieder auf rund 500 Dollar.

International wird noch über Regeln diskutiert. In Europa kümmert sich die europäische Bankenaufsicht EBA um das Thema. Weltweit ist die New Yorker Finanzaufsicht NYDFS am weitesten. Sie will bis Ende des zweiten Quartals 2014 einen Entwurf für ein Regelwerk vorlegen. New York wäre damit der erste US-Bundesstaat auf dem Weg zu einem kontrollierten Handel mit digitalen Währungen.

Von

dpa

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