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27.02.2014

10:06 Uhr

Bitcoin-Börse

FBI ermittelt offenbar im Dunstkreis von Mt. Gox

Die Bitcoin-Tauschbörse Mt. Gox ist vom Netz gegangen. Berichten zufolge sollen Hacker mehrere Millionen Dollar gestohlen haben. Offenbar ermittelt jetzt nicht nur die Staatsanwaltschaft, sondern auch das FBI.

Geldautomat für Bitcoins in Barcelona. AFP

Geldautomat für Bitcoins in Barcelona.

New YorkDer US-Staatsanwalt von Manhattan, Preet Bharara, und das Federal Bureau of Investigation (FBI) untersuchen offenbar etwaige kriminelle Handlungen im Zusammenhang mit der Schließung der Bitcoin-Tauschbörse Mt. Gox. Das erfuhr Bloomberg News von zwei mit dem Vorgang vertrauten Personen.

Zuvor hatten japanische Behörden mitgeteilt, dass sie die Einstellung des Betriebs bei Mt. Gox unter die Lupe nehmen. Die Bitcoin-Börse in Tokio - einst weltgrößte Handelsplattform für die virtuelle Währung - war am Dienstag vom Netz gegangen, nachdem schon Anfang des Monats alle Abhebungen aufgrund eines technischen Problems gesperrt worden waren.

Das Büro von Bharara habe Geschäftsunterlagen von Unternehmen angefordert, die Bitcoin-Dienste anbieten, sagte eine der Personen, die namentlich nicht genannt werden wollte. Eine andere Person erklärte, dass sich die Ermittlungen noch in einem frühen Stadium befänden.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Berichten zufolge sollen Hacker mehr als 390 Millionen Dollar in Bitcoins von Mt. Gox gestohlen haben. Ein unlängst ins Netz gestelltes Dokument, bei dem es sich um ein internes Strategiepapier handeln soll, behauptet, dass 744.408 Bitcoins von dem Handelsplatz in Tokio entwendet wurden - und der Diebstahl über „mehrere Jahre nicht bemerkt” worden sei. Es ist unklar, ob das Dokument echt ist.

Angesichts der Unsicherheit wegen der Mt.-Gox-Schließung versicherten Unternehmen von San Francisco bis London sowie die Interessengruppe Bitcoin Foundation den Nutzern, dass ihre Gelder nicht einfach aufgrund von Misswirtschaft und Diebstahl verschwinden würden. „Das ist mit Sicherheit nicht das Ende von Bitcoins”, erklärte die Bitcoin-Stiftung.

Jennifer Queliz, eine Sprecherin von Bharara, wollte die bundesstaatlichen Ermittlungen weder bestätigen noch dementieren. Das Büro des Staatsanwalts hatte frühere Anklagen gegen die Betreiber von Silk Road und BitInstant erhoben.

In Japan sammelten Finanzaufsicht, Finanzministerium und Polizei Informationen über den Fall und würden gegebenenfalls Schritte einleiten, nachdem die Lage beurteilt wurde, sagte Kabinettssekretär Yoshihide Suga am Mittwoch in Tokio.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

27.02.2014, 11:27 Uhr

Hoffen wir, dass die Schuldigen von mtgox bestraft werden und lange ins Gefängnis gehen...

Account gelöscht!

28.02.2014, 10:59 Uhr

Wir sollten von Vorverurteilungen absehen, bis wir genaueres wissen. Mark Karpeles wird im Moment als inkompetenter Idiot dargestellt. Ich habe ihn aber ganz anders in Erinnerung.

Es gibt einiges was darauf hindeutet, dass MK unter einer Gag Order steht (9gag.com). Von da ist es zu der Vermutung nicht weit, dass es sich um ein abgekartetes Spiel der Dienste handelt.

Ich sage nicht, dass es so ist, nur, dass wir damit warten sollten Mark höher zu hängen. Wir könnten am Ende ziemlich dumm als nützliche Idioten der Dienste dastehen.

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