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29.01.2014

16:45 Uhr

Bitcoin

„Ein Verbot wäre ein kolossaler Rückschritt“

Bitcoins sorgen bei russischen Politikern für Nervosität. Sie befürchten den Missbrauch der virtuellen Währung durch Terroristen und wollen den Gebrauch einschränken. Sherbank-Chef Herman Gref will das nicht hinnehmen.

Bitcoins sind der neueste Trend auf den Finanzmärkten. Behörden ist das ein Dorn im Auge. dpa

Bitcoins sind der neueste Trend auf den Finanzmärkten. Behörden ist das ein Dorn im Auge.

Die Verfechter von Bitcoins haben in Herman Gref, CEO der Sberbank, einen Unterstützer gefunden. Der Chef der staatlichen Bank hat den Kreml dazu aufgefordert, die russischen Abgeordneten davon abzuhalten, die Nutzung der virtuellen Währung einzuschränken.

Bislang könnten Bitcoin-Geschäfte in Russland mit Antiterrorgesetzen kollidieren. Davor warnte am Montag die Zentralbank des Landes, nachdem der Chef der OAO Sberbank für die virtuelle Währung eine Lanze gebrochen hatte. Mit dem Gesetzentwurf zielt das Parlament darauf ab, die Finanzierungsquellen von Terroristen trockenzulegen, und könnte zu Einschränkungen des Bitcoin-Handels führen.

Transaktionen wie der Kauf von Rubel, Gütern und Dienstleistungen mit Bitcoins dürften nach den Gesetzen gegen Geldwäsche und Finanzterrorismus als „dubiose“ Geschäfte eingestuft werden, hieß es in einer Erklärung der Zentralbank vom Montag. Die Ausgabe von „Geld-Ersatzmitteln“ sei in Russland illegal.

Bestenfalls würden die Bitcoin-Nutzer mit dem Risiko konfrontiert, dass die virtuelle Währung an Wert verliert. Schlimmstenfalls könnten sie „auch ohne Absicht in illegale Aktivitäten involviert werden, wie die Legalisierung (Geldwäsche) von Erträgen aus Straftaten und Terrorismusfinanzierung“, hieß es.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Herman Gref, der das größte Kreditinstitut Osteuropas seit 2007 leitet, ist dennoch von den Vorteilen der virtuellen Währung überzeugt. „Es ist ein sehr interessantes globales Experiment, das mit dem Paradigma der Ausgabe von Währungen bricht“, sagte der Sherbank-Chef im Interview mit Bloomberg News. Ein Verbot würde einen „kolossalen Rückschritt“ bedeuten, fügte der ehemalige Wirtschaftsminister an.

„Es sollte definitiv nicht verboten werden“, sagte Gref. „Es muss studiert und vielleicht ordentlich reguliert werden.“

Entwickelt wurden Bitcoins von einem Programmierer oder einer Gruppe von Programmierern unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Ihre maximale Anzahl ist auf 21 Millionen begrenzt, die Geldschöpfung läuft über Rechnernetze, die komplexe mathematischer Aufgaben lösen. Bitcoincharts.com zufolge befinden sich derzeit etwa 12,2 Millionen Bitcoins im Umlauf.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

30.01.2014, 10:35 Uhr

Und wo bleibt das übliche bitcoin bashing?

Wann kommt die nächste Warnung vor der Blase?

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