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15.04.2013

09:47 Uhr

Bitcoin

Geplatzt wie eine Seifenblase

VonChristof Kerkmann, Jörg Hackhausen

Das Vertrauen in Dollar und Euro ist erschüttert. So ist es kein Wunder, dass abseits des Papiergeldes eine Alternative entsteht: der Bitcoin. Der Hype um die virtuelle Währung ist riesengroß - der Absturz umso heftiger.

Seit vier Jahren kann man im Internet mit dem elektronischen Geld Bitcoin bezahlen. ap

Seit vier Jahren kann man im Internet mit dem elektronischen Geld Bitcoin bezahlen.

DüsseldorfAlle Zutaten für eine Spekulationsblase waren da. Ein schwindelerregender Kursanstieg, ein riesengroßer Hype in den Medien, Experten, die das Ganze anheizten. Jetzt ist die Blase geplatzt. Der Bitcoin ist abgestürzt. Aber heißt das, dass die virtuelle Währung damit schon am Ende ist? Oder ist Geld, das sich dem staatlichen Zugriff entzieht, trotzdem eine ernsthafte Alternative – gerade in Zeiten, in denen die Notenbanken die Kapitalmärkte überfluten und Anleger in Zypern enteignet werden?

Der Bitcoin (Abkürzung BTC) ist so etwas wie der Gegenentwurf zu unserem Papiergeld. Er funktioniert ohne das Zutun von Zentralbanken oder Politikern. Die Geldmenge ist fest, abgewickelt werden alle Transaktionen (fast) ganz anonym über das Internet. Das hat bis auf ein paar Nerds und Anarchisten kaum jemanden interessiert – bis jetzt. Der Wechselkurs des Bitcoin ist in den vergangenen Wochen zuerst unfassbar schnell gestiegen, von zehn Dollar auf 266 Dollar, bevor er in einem Rutsch unter 100 Dollar krachte. Die Kritiker sehen sich bestätigt: Vom „Gold der Dummen“ und einem Schneeballsystem spricht etwa der amerikanische Jura-Professor Eric Posner.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Dennoch lohnt es sich, über die Idee hinter dem alternativen Geld nachzudenken. Das liegt an der Finanzkrise und an der Geldpolitik. Weltweit versuchen die großen Notenbanken die Krise zu bekämpfen, indem sie Banken möglichst viel Geld möglichst billig zur Verfügung stellen. Besonders intensiv betreiben das die Zentralbanken in den USA, Großbritannien oder Japan – die EZB nicht ganz so schamlos, aber die Abstufungen sind graduell.

Wechselkurs des Bitcoin: Sieht so eine Blase aus?

Wechselkurs des Bitcoin: Sieht so eine Blase aus?

Vermutlich bleibt den Notenbankern kaum eine andere Wahl. So verhindern sie den unmittelbaren Kollaps des Finanzsystems, setzen aber gleichzeitig das Vertrauen in Euro, Dollar, Pfund oder Yen aufs Spiel. Doch mehr Geld sie drucken, desto mehr verliert das Geld, das sich im Umlauf befindet, an Wert. Ein schleichender Prozess, an dessen Ende zwar die Banken saniert, aber die Sparer ruiniert sind. Hinzu kommen die Kosten durch höhere Steuern und andere Abgaben, durch die die Bürger an den Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise beteiligt werden.

Es ist kein Zufall, dass der Höhenflug des Bitcoin in jenen Tagen einsetzte, als die Krise auf Zypern hochkochte.

Kommentare (33)

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15.04.2013, 10:17 Uhr

Also Blase würde ich nicht sagen: Es waren ein paar Wochen mit Übertreibung - KLAR, aber der Wert ist immer noch höher als vor 6 Wochen. Absturz wäre ein Wert von 20 Dollar gewesen.

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15.04.2013, 10:22 Uhr

Was bringt mir denn eine alternative Währung wenn ich deren Wert über genau jene Scheinblüten definiere, gegen welche ich die Alternative und echte Wertanlage sein möchte? Einen Bitcoin auf und abzuwerten wie der gegenüberliegende Dollar oder Eurokurs steht grenzt an einem Witz.

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15.04.2013, 10:28 Uhr

korrekt! Das ist auch genau die Ansicht, die alle verinnerlichen, auch die Weltverbesserer, die Bitcoins als neues Geldsystem für die Globale Wirtschaft zu identifizieren glauben. Allein der Grundsatz einer Deflation verbietet diese Denkweise schon.

Die verinnerlichte Umrechnung in Fiatgeld tut sein übriges. Die ganze Sache ist eine reine Blase, ausgelöst durch die Medien und der Glaube an einen Zerfall des Geldsystems. Dabei hätten wir in diesem Fall, ganz ganz andere Probleme, als den Stromapparat am laufen zu halten um mit dieser Währung auch nur irgendetwas anzufangen.

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