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11.04.2013

19:30 Uhr

Bitcoin

Panik-Verkäufe bei digitaler Kunstwährung

Erst Rekordjagd, dann der Crash: Nachdem der Kurs der Internetwährung Bitcoin zuletzt auf Rekordhöhen gestiegen war, ging es jetzt steil bergab. Die Achterbahnfahrt verstärkt die Sorge vor einer Spekulationsblase.

Sieht aus wie Spielgeld: ein Bitcoin ap

Sieht aus wie Spielgeld: ein Bitcoin

BerlinDie digitale Kunstwährung Bitcoin sollte so sein wie das Internet: dezentral, keiner Kontrolle unterworfen, selbstregulierend und anonym. Lange Zeit als „Hacker-Währung“ belächelt, fanden Bitcoins unter dem Eindruck der Eurokrise zuletzt zunehmend die Beachtung der internationalen Finanzwelt.

Der Wert der dezentral verwalteten Geldeinheit an den internationalen Online-Börsen stürzte binnen weniger Stunden um 60 Prozent in die Tiefe, konnte sich dann aber wieder etwas erholen. Erstmals kam es zu Panik-Verkäufen. Der Betreiber der Online-Börse Mt. Gox, über die nach eigenen Angaben der größte Teil des Bitcoin-Handels abgewickelt wird, sprach von einem stark Anstieg der Handelsaktivität, was die Systeme überfordert habe. Jetzt sollen zusätzliche Server installiert werden, um den Andrang zu bewältigen. Der Handel wurde am Donnerstag für zwölf Stunden eingestellt.

Mit Bitcoins zahlen – so funktioniert es

1. Konto eröffnen

Zunächst lädt der Nutzer den Bitcoin-Client aus dem Netz und installiert ihn auf seinem Computer. Persönliche Angaben müssen nicht gemacht werden. Beim ersten Öffnen lädt die Software die gemeinsame Datenbank des Netzwerks herunter – ein Verzeichnis aller Zahlungen im Bitcoin-Netzwerk. Die Datenbank stellt sicher, dass niemand Falschgeld überweisen kann: Sie weist jeden Bitcoin einer Bitcoin-Adresse zu und damit einem Nutzer. Die eigene Bitcoin-Adresse, einen kryptischen Buchstabencode, bekommt der Nutzer automatisch mit dem Installieren der Software. Außerdem speichert die Software eine Datei namens wallet.dat auf dem Computer. Sie enthält kryptografische Schlüssel, mit denen der Nutzer gegenüber dem Bitcoin-Netzwerk ausweist, dass ihm die entsprechende Bitcoin-Adresse gehört.

2. An Bitcoins gelangen

Börsenhandel: Diverse Internetseiten bieten Bitcoins gegen Euro oder andere Währungen an. Dazu muss sich der Nutzer einmalig registrieren und den Geldbetrag etwa per Banküberweisung oder Zahlsysteme wie Dwolla an die Börse senden. Wie an einer Aktienbörse lassen sich dann Bitcoin-Kauforder platzieren. Eine Order, die über dem aktuellen Preisangebot an der Börse liegt, wird sofort erfüllt. Die Börse schickt die Bitcoins schließlich an die Bitcoin-Adresse des Nutzers. Die Börse ist auch der Ort, um Bitcoins wieder in Euro umzuwandeln. 

Bitcoins schürfen: Bitcoin-Nutzer können auch selbst neue Bitcoins errechnen. Dieses sogenannte Mining erfordert leistungsstarke Computer und ist Computer-Laien nicht zu empfehlen.

Bargeld-Eintausch: Privatpersonen bieten Bitcoins gegen Bargeld – Wohnort und Telefonnummern oder E-Mailadressen der Bitcoin-Händler sind auf der Seite Bitcoin local gelistet.

3. Mit Bitcoins bezahlen

Hat jemand Bitcoins an der Börse erworben, so ist die entsprechende Summe in seinem Bitcoin-Client aufgeführt. Um nun einen Geldbetrag zu überweisen, reicht die Angabe der Summe und der Adresse des Empfängers in der Software. Nach etwa zehn Minuten ist das Geld beim Empfänger angekommen. Eine Liste der Geschäfte, die Bitcoin akzeptieren, gibt es hier.

4. Sicherheit

Um dem Verlust der virtuellen Bitcoin-Geldbörse etwa durch Beschädigung der Festplatte vorzubeugen, sollte die wallet.dat-Datei kopiert werden - zum Beispiel auf einen USB-Stick. Da sich Hacker über das Internet Zugriff auf den Computer verschaffen und die Datei stehlen können, sollte sie zudem mit Hilfe eines speziellen Programms verschlüsselt werde. Eine Anleitung dazu gibt es hier.

5. Bitcoins fürs Handy

Wer häufiger mobil ins Internet geht, kann sich inzwischen auch Android-Apps herunterladen. Sie machen das Handy zur Bitcoin-Geldbörse. Zum Bezahlen generiert die Software des Empfängers eine Rechnung in Form eines QR-Codes. Sobald der Sender diesen Code mit der Handykamera einscannt, verschickt die Software via Internet das Geld zur Bitcoin-Adresse des Empfängers. Vorsicht: Die Programme sind noch in der Entwicklung und können fehlerhaft sein. Darum sollten sie allenfalls zur Übertragung kleiner Geldsummen genutzt werden. Für das iPhone gibt es bisher noch keine Bezahl-Apps, aber Programme wie Bitcoin App, die aktuelle Kursverläufe darstellen.

Die Zahl der Transaktionen habe sich innerhalb von 24 Stunden verdreifacht, erklärte Mr. Gox am Donnerstag in einem Facebook-Eintrag. Jeden Tag würden 20.000 neue Konten bei der Online-Börse eingerichtet.

„Diese deutlichen Kursschwankungen sind schädlich für die Akzeptanz von Bitcoins als Zahlungsmittel“, sagt Ulrich Leuchtmann, Leiter der Devisenanalyse bei der Commerzbank, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Wenn diese Schwankungen so hoch bleiben, werden Bitcoins nie als Transaktionsmittel taugen und langfristig keine Zukunft haben.“

Alle wollten am Mittwochabend so schnell wie möglich ihre Bitcoins abstoßen, um die befürchteten Verluste zu begrenzen. Die Transaktionen lassen sich im Internet beobachten, auf der Webseite blockchain.info. „Da gab es riesige Verkäufe, oft in Paketen von 50.000 oder 60.000 Dollar“, beobachtete der britische Analyst und Technik-Blogger Matt Baxter-Reynolds. Die Zeit für die Abwicklung einer Transaktion habe immer länger gedauert. „Das ist sehr Besorgnis erregend, ich kann da kein Vertrauen haben“, sagte Baxter-Reynolds.

Die technische Plattform der größten Bitcoin-Börse Mt. Gox war zeitweise so überlastet, dass manche wie schon im März einen neuerlichen Hacker-Angriff vermuteten – bei einer solchen DDoS-Attacke werden Webseiten mit Unmengen von Datenanfragen geflutet, dass sie nicht mehr erreichbar sind. „Wir waren gestern abend nicht Opfer einer DDoS-Attacke, sondern Opfer unseres eigenen Erfolgs“, erklärte jedoch der Betreiber von Mt. Gox in einem Facebook-Eintrag. Die Zahl der Bitcoin-Transaktionen habe sich innerhalb von 24 Stunden verdreifacht. Jetzt sollen neue Server installiert werden, um die Bitcoin-Geschäfte stabiler abwickeln zu können.

Kommentare (29)

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Account gelöscht!

11.04.2013, 11:06 Uhr

Das eigentliche Problem liegt in der Gemeinschaftswährung. Der Euro und der Rettungsschirm ESM müssen weg!

Eine Lösung wäre die Parallelwährung. Wie könnte eine Parallelwährung aussehen?

Der jetzige Euro wird als Valuta-Euro gewandelt. Mit dem Valuta-Euro, den es überall in den Euro-Ländern geben wird, wird der internationale Zahlungsverkehr als Verrechnungseinheit festgelegt. Über den Valuta-Euro laufen auch sämtliche Bankgeschäfte. Der US Dollar richtet sich nach dem Valuta-Euro.

Zu dem Valuta-Euro wird eine Parallelwährung die D-Mark für Deutschland eingeführt. Die D-Mark gilt als Zahlungsmittel innerhalb Deutschland.

Griechenland würde die Drachme als Zahlungsmittel für den Binnenmarkt als Parallelwährung ebenfalls zusätzlich einführen.

Mit diesem Beispiel möchte ich die Wirkungsweise des Wechselkurses zum Valuta-Euro zeigen. Der D-Mark Wechselkurs zum Valuta-Euro beträgt 1:1. Der Drachme Wechselkurs zum Valuta-Euro beträgt 4:1.

Das Prinzip lässt sich auf alle Euro-Staaten umsetzen. Was mit dem Valuta-Euro und den unterschiedlichen Wechselkursen geschieht, ist die Widerherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Länder untereinander. Kein Land muss auf seine Souveränitäten verzichten. Und der Euro bleibt als Valuta-Euro für den internationalen Zahlungsverkehr bestehen.

eksom

11.04.2013, 11:10 Uhr

Wie der Name schon sagt: KUNSTWÄHRUNG.
Alles, was künstlich in einer virtuellen Welt von einigen wenigen er- bzw. geschaffen wurde, kann auch künstlich schnell vernichtet (manipuliert oder umgewidmet) werden.

Account gelöscht!

11.04.2013, 11:13 Uhr

Nice try. Aber eine Währung (wenn sie für den Realgütertausch benützt wird oder werden muss), die von vornherein begrenzt ist, führt mit mathematischer Gewissheit in eine Deflationspirale und ist damit als Währung untauglich, Sammlerobjekt, Spekulationsobjekt, Spielzeug.

In einem Zinseszinssystem müssen sich Geldmenge, realwirtschaftliches Wachstum und Zinsen gegenseitig die Waage halten, sich analog entwickeln. Sonst bricht das System - ebenfalls mathematisch zwingend - früher oder später zusammen. Die Geldmenge muss mitgehen können. Aber eben nicht dauerhaft überschießen.

Und das führt zu der hochaktuellen Frage: Wer ist für die Geldmenge verantwortlich, wer kann Geld drucken, wem kann man das Schöpfen von Geld aus dem Nichts anvertrauen. Staat? Private Unternehmen/Geschäftsbanken? Zentralbank?

Momentaner Status : ca. 90% Private Unternehmen/Geschäftsbanken
Ca. 10% Zentralbank
Die Banken schaffen 90% des Geldes und spekulieren damit auf den globalen Finanzmärkten

Wohin das führt is inwzischen bekannt...das Ende absehbar

Es ist die alles entscheidende Frage....

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