Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.08.2015

17:19 Uhr

Bitcoin-Plattform

Chef von Mt-Gox bleibt in Untersuchungshaft

Im Februar 2014 scheiterte die Bitcoin-Plattform Mt. Gox, Anfang August wurde der in Japan lebende französische Chef der Plattform, Mark Karpelès, festgenommen. Er soll Daten manipuliert und Kundengelder veruntreut haben.

Mt-Gox Chef Mark Karpelès bleibt in U-Haft. dpa

Gescheiterte Bitcoin-Plattform

Mt-Gox Chef Mark Karpelès bleibt in U-Haft.

TokioDer Anfang August festgenommene Chef der gescheiterten Bitcoin-Plattform Mt. Gox, Mark Karpelès, bleibt in Japan weiter in Untersuchungshaft. Die japanische Polizei entschied am Freitag, ihn in Gewahrsam zu behalten. Ihm wird inzwischen nicht nur Datenmanipulation, sondern auch Veruntreuung von Geldern seiner Kunden in Höhe von 321 Millionen Yen (2,3 Millionen Euro) vorgeworfen. Berichten zufolge soll der Franzose ein Großteil der Summe für Software-Lizenzen ausgegeben haben – aber auch für ein Luxus-Bett im Wert von 43.000 Euro.

Der 30-Jährige war Anfang August festgenommen worden. Mit der Verlängerung der Untersuchungshaft haben die Ermittler nun noch 20 zusätzliche Tage Zeit, das Mysterium rund um das Scheitern von Mt. Gox zu klären, das tausende Anleger um ihr Geld brachte. Mt. Gox hatte im Februar 2014 den Tausch von Bitcoins in reale Währungen ausgesetzt, kurze Zeit später meldete die Handelsplattform Konkurs an.

Die Ermittler versuchen derzeit das Verschwinden von 850.000 Bitcoins im vergangenen Jahr mit einem Wert von damals 480 Millionen Dollar aufzuklären. Karpelès soll 2013 Daten auf der Handelsplattform verändert und so künstlich eine Million Dollar geschaffen haben. Nun steht er auch im Verdacht, 321 Millionen Yen veruntreut zu haben, wie ein Polizei-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP bestätigte.

Tausende Dollar Umsatz: Bitcoins sind der Hit im dunklen Internet

Tausende Dollar Umsatz

Bitcoins sind der Hit im dunklen Internet

Auf anonymen Marktplätzen in den Tiefen des Internets werden in Spitzenzeiten rund 650 000 Dollar pro Tag illegal umgesetzt. Bitcoins sind die bevorzugte Währung für die virtuellen Händler. Die Waren sind jedoch echt.

Karpelès weist die Vorwürfe Berichten zufolge zurück. Nach seinen Angaben ist Mt. Gox Opfer von Hackerangriffen geworden. Dem Franzosen drohen fünf Jahre Gefängnis. Karpelès lebt seit einigen Jahren in Japan und hatte im Jahr 2011 die Mehrheit an Mt. Gox gekauft.

Er wird häufig als Nerd beschrieben, der tagelang vor seinem Computer sitzen kann. Karpelès selbst hat sich schon als asozial bezeichnet. Er wurde bereits im Alter von 18 Jahren von einem Online-Spieleentwickler in Paris als Programmierer eingestellt. 2015 wurde er auf Betreiben seines Arbeitgebers wegen Piraterie – in Abwesenheit – zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Die virtuelle Währung Bitcoin war 2009 als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden. Geschaffen wurde sie von einem unbekannten Programmierer, der eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung wollte. Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet - der Wechselkurs zu echten Währungen schwankt stark.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×