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11.01.2018

14:54 Uhr

Bitcoin und Co.

Südkorea droht mit Krypto-Handelsverbot

VonMartin Kölling, Sha Hua

Wie kein anderes Land der Welt ist Südkorea im virtuellen Währungsfieber. Die Regierung will die Spekulation beenden. Nach mehreren Warnungen droht sie erstmals mit einem Handelsverbot – und verschreckt so die Anleger.

Bitcoin: Südkorea droht mit Handelsverbot für Bitcoin und Co. Bloomberg

Südkoreas Hauptstadt Seoul

Die Regierung sieht den Krypto-Boom schon seit längerem kritisch.

Tokio/PekingEigentlich war Südkoreas größte Börse für Kryptowährungen, Bithumb, mit großen Plänen ins neue Jahr gestartet: 400 Jobs wollte man schaffen, um den Hunger nach virtuellen Münzen im drittgrößten Markt der Welt zu befriedigen. Doch jetzt bedroht der Regulierungseifer von Südkoreas Regierung alle ambitionierten Visionen. Erst am Mittwoch hatten die Behörden Bithumb auf der Suche nach Steuerhinterziehern und Geldwäsche gefilzt, andere Finanzinstitute mussten ähnliche Durchsuchungen über sich ergehen lassen.

Am heutigen Donnerstag folgt ein noch härterer Schlag: Südkoreas Justizminister Park Sang Ki sagte, die Regierung hege „große Sorgen“ wegen des Krypto-Booms im Land. Das Justizministerium bereite daher ein Gesetz vor, das ein Verbot der Krypto-Handelsplattformen enthält. Details zu den Planungen nannte der Minister nicht.

Die Nachricht erreicht den Markt zur Unzeit. Seit Anfang dieser Woche befinden sich die Kurse praktisch aller wichtigen Kryptowährungen im Sinkflug. Nach der Warnung aus Seoul schmierten die Kurse der zwölf auf Bithumb gehandelten virtuellen Währungen prompt um 20 Prozent und mehr ab. Auch weltweit war die Reaktion der Investoren auf die Pläne des Ministers zu spüren. Denn im Bitcoin-Universum ist Südkorea mit seinen gerade einmal 51 Millionen Einwohnern eine finanzielle Großmacht.

Bitcoin und Co.: Südkorea will Handel mit Kryptowährungen verbieten

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Südkorea will Handel mit Kryptowährungen verbieten

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Für die Kryptowährung ist Südkorea nach Japan und den USA der drittgrößte Markt. Bei Ether, der Währung des Ethereum-Konsortiums, führte das Land laut dem amerikanischen Technikmagazin Technology Review Ende 2017 mit einem Handelsanteil von 33 Prozent sogar die Liga der Umschlagplätze an. Daher beobachten die Investoren sehr genau, mit welch drakonischen Mitteln Südkoreas Regierung den Wildwuchs zähmen will.

Im günstigsten Fall eifert Südkorea letztlich dem Nachbarn Japan nach. Dort versucht die Regierung, mit einer frühen Regulierung von Börsen und Währungen die Innovationswelle so zu lenken, dass die Banken des Landes die globalen Trends mitbestimmen. Im schlechtesten Fall schließt sich Südkorea der Haudrauf-Mentalität Chinas an.

Peking kritisiert den Bitcoin-Boom schon seit längerem und will private Spekulation mit harten Verboten unterbinden. Viele chinesische Anleger umgehen mit Bitcoin und Co. die herrschenden Kapitalverkehrskontrollen, was der Regierung ein Dorn im Auge ist. Schon im September haben die Behörden die Krypto-Börsen auf dem Festland geschlossen. Doch damit nicht genug: Jetzt haben sie die Produzenten, die sogenannten Miner ins Visier genommen. Diese pflegen die Bitcoin-Datenbank und werden dafür mit neuen Münzen belohnt. Da das viel Energie verschlingt und Strom günstig ist, sitzen laut der in New York ansässigen Marktforschungsfirma Chainalysis fast 80 Prozent der Miner in China. Doch ihre Tage könnten gezählt sein. Vergangene Woche ordnete eine Task Force unter Führung der Zentralbank einen „ordentlichen Abzug“ an. Die Minen sollen von lokalen Behörden geschlossen werden. Eine konkrete Frist setzt das Schreiben aber nicht.

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Minen-Besitzer Xie Jinning gibt sich in einem Telefonat mit dem Handelsblatt gelassen: Er habe von der lokalen Verwaltung noch nichts gehört, seine Strompreise seien aber gestiegen – von 0,03 Cent auf 0,05 Cent pro Kilowattstunde. Die fehlende Frist gebe den örtlichen Behörden viel Freiraum, die Schließung der Minen hinauszuzögern, glaubt Xie.

Noch halten diese die schützende Hand über viele Betreiber. Schließlich profitierten sie von den Pachteinnahmen der Minen-Grundstücke und den geschaffenen Jobs, sagt Marktanalyst Xiao Lei aus Peking. Im chinesischen Untergrund floriere der Bitcoin-Handel. „Wenn mein Geschäft tatsächlich geschlossen wird, dann wandere ich einfach ins Ausland ab“, erklärt Minenbesitzer Xie Jinning trotzig.

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