Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.07.2017

14:57 Uhr

Bitcoins

Volatil wie ein börsengehandelter Fonds auf Steroiden

Plötzliche Kurseinbrüche und eine Reihe von Lösegeld-Trojanern werfen Schatten auf die Legitimation des Bitcoin-Markts. Experten bezweifeln, dass Bitcoins jemals eine etablierte Währung werden.

Im bisherigen Jahresverlauf hat die virtuelle Währung um 167 Prozent zugelegt. AP

Bitcoins

Im bisherigen Jahresverlauf hat die virtuelle Währung um 167 Prozent zugelegt.

New YorkEs gibt Volatilität und es gibt Bitcoin-Volatilität. Plötzliche Kurseinbrüche und jüngst eine Reihe von Lösegeld-Trojanern haben die zunehmende Stabilität der digitalen Währung wieder ausradiert – es ist schwierig geworden, eine vergleichbare Anlage zu finden. Naheliegend wäre tatsächlich nur ein börsengehandelter Fonds (ETF) auf gehebelte Steroiden, der höchst volatil sein soll.

Die anziehende Volatilität wirft Schatten auf den gesamten Markt. Die Kryptowährung hatte sich stabilisiert, seit 2014 eine Preisblase platzte. Die realisierte Zwei-Monats-Volatilität erreichte ihr niedrigstes Niveau im April 2016. Doch die jüngsten Kursausschläge führen schmerzlich vor Augen, dass Bitcoins noch einen weiten Weg vor sich haben, bevor sie sich wie eine etablierte Währung verhalten.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

Verbreitung

Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.

Vorteil 1

Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.

Vorteil 2

Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

Nachteil 1

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Nachteil 2

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Vielleicht jedoch ist das auch überhaupt möglich, meint Dave Nadig, Chief Executive Officer der Research-Firma ETF.com aus San Francisco: „Es hat eine Menge Fortschritte gegeben und Bitcoins wurden von Investoren und Institutionen ernster genommen. Doch vielerlei Schritte sind nötig, um einen Markt zu legitimieren, und Bitcoins sind ihrer Gestaltung nach grundsätzlich unreguliert“, sagt Nadig. „Zum Teil ist die Volatilität auch darauf zurückzuführen, dass es an einer Marktstruktur mangelt.“

In Anbetracht dessen, dass einige renommierte Investoren ihre Hoffnungen an eine Bitcoin-Stabilisierung geknüpft haben, sieht die Rückkehr der Kurskapriolen nicht gut aus. Der ehemalige Hedgefondsmanager Michael Novogratz hat zehn Prozent seines Kapitals in Kryptowährungen investiert. Sollte der Bitcoin-Preis unter 2000 Dollar fallen, will Novogratz zukaufen. Derzeit wird die digitale Währung über 2500 Dollar gehandelt.

Sparen in der digitalen Zukunft: In Bitcoins investieren

Sparen in der digitalen Zukunft

In Bitcoins investieren

Kryptowährungen locken Anleger mit hoher Wertsteigerung, gelten deshalb aber auch als Spekulationsobjekt. Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten in das Digitalgeld zu investieren. Was Anleger beachten müssen.

Im bisherigen Jahresverlauf hat der Bitcoin-Kurs um 167 Prozent zugelegt. Zuletzt korrelierten sie zunehmend mit einem kleineren, doch wachstumsstarken virtuellen Pendant, das auf der Ethereum-Blockchain beruht. Die als Ether bekannte Kryptowährung brach vergangene Woche von über 300 Dollar auf zehn Cent ein, bevor sie sich schlagartig erholte. Derzeit kostet Ether etwa 390 Dollar.

An den Edelmetallmärkten war die Volatilität zuletzt gering – das verhalf Bitcoins dazu, den Bergbauindex zu schlagen. Der CBOE/COMEX Gold Volatility Index ist in diesem Jahr 25 Prozent gefallen und hat im vergangenen Monat ein Allzeittief erreicht. Gold und Kryptowährungen werden an den Finanzmärkten oft als artverwandt betrachtet, schließlich gelten beide als eine Alternative zu Papiergeld. Das Edelmetall, das schon seit Ewigkeiten als solche genutzt wird, ist normalerweise stabiler als die erst 2009 entstandenen Bitcoins.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×