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17.03.2011

11:39 Uhr

BNP-Chefstratege Redeker

„Es gibt eine starke Hand, die den Euro kauft“

VonRalf Drescher

Die Devisenmärkte sind in Aufruhr, der starke Yen bedroht Japan. Hans Redeker, Chef-Devisenstratege der BNP Paribas, erklärt, wie der Anstieg gestoppt werden kann und was hinter der überraschenden Stärke des Euros steht.

BNP-Devisenchef Redeker: "Wir brauchen eine koordinierte Intervention."

BNP-Devisenchef Redeker: "Wir brauchen eine koordinierte Intervention."

Herr Redeker, der Yen ist heute Nacht massiv gestiegen und ist so teuer wie nie. Was passiert am Devisenmarkt im Moment?

Wir haben bereits in den vergangenen Tagen gesehen, dass japanische Retail-Investoren, die über Carry-Trades sehr starke Long-Positionen in US-Dollar und australischen Dollar gehalten haben, diese Positionen zurückfahren. Heute Morgen hat sich diese Verkaufwelle zu einer regelrechten Panik verstärkt.

Was ist passiert?

Als die Japaner heute an ihren Schreibtisch kamen, lasen sie alarmierende Äußerungen aus dem Ausland. Vor allem die Aussage von EU-Energiekommissar Günther Oettinger, dass die Lage in der Reaktoranlage Fukushima außerhalb einer fachmännischen Kontrolle sei und alles nun in Gottes Händen liege, hat die Investoren verängstigt. 80 Prozent der Kursverwerfungen gehen auf seine Kappe.

Wie bewerten Sie diese Aussagen?

Es ist sicher alles andere als hilfreich, wenn offizielle Stellen außerhalb Japans die Dramatik verschärfen. Und womöglich sind die Aussagen angesichts der aktuellen Situation auch nicht angemessen. Die japanische Regierung hat sich heute Morgen zuversichtlich gezeigt, dass sie den Energiekreislauf in den Griff bekommen kann und von der Notkühlung der Reaktoren wegkommen kann. Der Kraftwerksbetreiber Tepco hat die Fortschritte bestätigt. Insofern ist Panikmache mehr als kontraproduktiv.

Hat die Beruhigung der japanischen Regierung auch zur Stabilisierung des Devisenmarktes im Handelsverlauf geführt?

Es war ein Faktor. Entscheidend ist aber auch, dass die oben erwähnten Positionen der spekulativen Anleger inzwischen laut Daten der Tokioter Börse glattgestellt sind. Von dieser Seite drohen also keine weiteren Gefahren.

Dafür drohen jetzt massive Repatriierungen japanischer Auslandsanlagen, beispielsweise von Versicherern, die infolge des Erdbebens massive Schadenszahlungen leisten müssen.

Das Repatriierungspotenzial in Japan ist riesig, 55 Prozent des japanischen Bruttosozialprodukts sind im Ausland investiert, sei es in Aktien oder Anleihen. Aber die akute Gefahr halte ich für gering. Die Regierung hat klargemacht, dass es keine groß angelegten Repatriierungen geben wird.

Und darauf kann man sich verlassen?

Japan hat kein Interesse an einem hohen Yen, da dies signifikante Probleme nach sich ziehen würde. Die Inlandsnachfrage wird unter der Katastrophe stark leiden, da kann es sich das Land nicht erlauben, über eine Verteuerung der Exporte auch die Auslandsnachfrage abzuwürgen. Außerdem muss Japan sorgfältig auf die Credit Default Swaps, also die Kosten für Kreditausfallversicherungen achten. Diese sind bereits von 78 auf 117 Basispunkte gestiegen. Japan ist in diesem Punkt sehr sensibel…

Warum?

Das Land hat eine Verschuldung von brutto 223 Prozent des Bruttosozialproduktes. Die Gesamtsumme beläuft sich auf 701 Billionen Yen, was mehr als sechs Billionen Euro entspricht. Wenn sich die gestiegenen CDS auf die Renditen von Staatsanleihen übertragen und das werden sie auf kurz oder lang tun, würde sich das Defizit jährlich um 2,8 Billionen Yen erhöhen. Eine solche Zusatzbelastung wäre fiskalisch kaum zu stemmen und würde gravierende konjunkturelle Einbußen nach sich ziehen. Entscheidend für Japan ist jetzt, dass sie die Risikowahrnehmung der Märkte senken, um die CDS wieder einzufangen und die Aktienmärkte zu stützen, deren Verfall in die Gegenrichtung wirkt.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

17.03.2011, 12:42 Uhr

Jeder hatte gehofft, mit dem Abschieben des Herrn Oettinger zur EU kann er keinen Schaden anrichten. Nun werden wir eines besseren belehrt.
Einfach mal still sein, wenn man nichts zu sagen hat (und das ist bei ihm oft der Fall) ist bei ihm nicht drin.
Da wird gequatscht nur um sich ins Rampenlicht zu stellen.

Er überzieht gar nicht, welchen Schaden er anrichtet. Er hat das Niveau eines Hauptschülers, leider nicht nur was sein Englisch betrifft.

Offensichtlich hat die CDU ein echtes Personalproblem...

Syma

17.03.2011, 12:42 Uhr

Es ist bemerkenswert, dass Herr Oettinger schuld sein soll, wenn ein AKW ohne Steuerteam am in die Luft fliegen ist. Es ist in meinen Augen kein qualifizierter Beitrag diese Situation anders als Herr Oettinger einzuordnen. Er ist doch der einzige, der hier die Wahrheit sagt. Dies ist keine Panikmache, sondern qualifiziert. Es anders zu sehen, ist in meinen Augen wenig qualifiziert.

Account gelöscht!

17.03.2011, 13:17 Uhr

Es geht darum, daß Oettinger die Aussage machte, daß die Katastrophe unabwendbar sei, alles in Gottes Hand liegt.

Und wenn das jemand in so einer Position sagt, hat das natürlich Gewicht. Später gab seine Sprecherin an, daß es seine Meinung ist und er die Infos nur aus den Medien hat.
Dies zu einer Zeit, da dort unten Menschen ihr Leben opfern, um Japan vor Verstrahlung zu retten.

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