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08.01.2016

14:24 Uhr

Börsenpläne für Saudi Aramco

Ein Konzern, der Exxon, Shell und BP in den Schatten stellt

VonJulian Trauthig

Das Königreich Saudi Arabien erwägt, den staatseigenen Ölgiganten Saudi Aramco zu privatisieren. Der Börsengang des wertvollsten Unternehmens der Welt wäre eine Sensation für die Finanzmärkte.

Eine Öl-Lagerstätte mit Verladeterminal im saudischen Ras Tanura am Persischen Golf. (Foto: Saudi Aramco via Instagram)

Saudi Aramco

Eine Öl-Lagerstätte mit Verladeterminal im saudischen Ras Tanura am Persischen Golf.
(Foto: Saudi Aramco via Instagram)

DüsseldorfWerden die Pläne des saudischen Vize-Kronprinz Muhammad bin Salman wahr, wäre selbst Apple ein Zwerg. Der Konzern mit Sitz im kalifornischen Cupertino ist mit 560 Milliarden Dollar der nach Marktkapitalisierung derzeit wertvollste Konzern der Welt. Doch jetzt erwägt das Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien einen Börsengang des weltgrößten Ölproduzenten Saudi Aramco.

Selbst bei einer konservativen Schätzung, die lediglich die Ölreserven mit einem Preis von 10 Dollar pro Fass als Basis nimmt, wäre das Unternehmen 2,5 Billionen Dollar wert – und damit fast fünfmal so viel wie Apple und acht mal so viel wie Exxon Mobil, der bislang an der Börse teuerste Ölkonzern.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Aramco bestätigte am Freitag die Aussagen von bin Salman, der in einem Interview mit dem britischen Wirtschaftsblatt „Economist“ (Donnerstag) zuvor gesagt hatte, dass eine Entscheidung über einen Börsengang in den kommenden Monaten fallen werde. Aramco teilte nun mit, dass man prüfe, ob man einen Teil des gesamten Unternehmens an die Börse bringen werde oder einzelne Unternehmensparten. Bin Salman zeigte sich begeistert von dem Schritt. „Ich denke, es ist im Interesse des saudischen Markts, und es ist im Interesse von Aramco.“

Saudi Aramco gilt als das wertvollsten Unternehmen der Welt, aber auch als sehr verschwiegen. Unternehmenszahlen werden nicht veröffentlicht. Der Konzern kontrolliert rund 15 Prozent der globalen Öllagerstätten. Die bekannten Reserven von 261 Milliarden Barrel (159 Liter) sind über zehn Mal so hoch wie diejenigen des US-Konkurrenten Exxon-Mobil, des größten privaten Ölkonzerns der Welt mit einem Börsenwert von 322 Milliarden Dollar. Zudem gilt saudisches Öl als besonders lukrativ, weil die Förderkosten sehr gering sind.

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Wegen der über Jahrzehnten hohen Einnahmen aus dem Ölgeschäft hat Saudi Arabien seiner Bevölkerung weitreichend am Wohlstand des Landes Teil haben lassen. Die Finanzierung des aufgeblähten Wohlfahrtstaates wird wegen des seit vergangenem Jahr stark gesunkenen Ölpreises nun immer kostspieliger.

2015 verbuchte das Land ein Haushaltsdefizit von 15 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Ende des Jahres könnte die Bevölkerung Mehrwertsteuern zahlen müssen – zumindest auf Produkte jenseits des täglichen Bedarfs. Der Tadawul All-Share Index, der führende Aktienindex Saudi-Arabiens, stand an diesem Freitag mit 6191 Punkten zwischenzeitlich auf dem tiefsten Stand seit 2011. „Wir haben ein klares Sparprogramm für die kommenden fünf Jahre“, sagte bin Salman der Zeitschrift. Er betonte allerdings, dass sich das Land nicht in einer Krise befinde.

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