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02.02.2011

08:19 Uhr

Bonität Irlands schwindet

Neue Belastungsprobe für den Euro

Die Ratingagentur Standard & Poor's senkt die Kreditwürdigkeit Irlands weiter herab. Das könnte nicht der letzte Schritt sein, Irland steht bei S&P auf der Beobachtungsliste. Der Euro fällt und auch der US-Dollar schwächelt.

HB FRANKFURT. Der Euro steht vor einer neuen Belastungsprobe. Die Herunterstufung der Kreditwürdigkeit Irlands durch die Ratingagentur S&P hat den Euro am Mittwoch in Mitleidenschaft gezogen. Nach dem Anstieg der vergangenen Tage ging der Gemeinschaftswährung die Puste aus, sie hielt sich noch knapp über 1,38 Dollar. Im frühen Geschäft hatte es der Euro noch auf 1,3861 Dollar geschafft und damit auf den höchsten Stand seit drei Monaten.

S&P stufte das Rating für Irland auf A-/A-2 zurück und bekräftigte den negativen Ausblick. Es sei weiter unsicher, wie viel zusätzliches Kapital die Banken der Inselrepublik noch brauchen. "Das hat jetzt erst einmal für etwas Ernüchterung gesorgt", sagte ein Händler. "Einige nutzen es auch für Gewinnmitnahmen."

Seit der jüngsten EZB-Ratssitzung Mitte Januar hat der Euro rund fünf Cent oder knapp vier Prozent gewonnen. Damals hatte Zentralbankchef Jean-Claude Trichet erstmals deutlich auf Inflationsgefahren hingewiesen. In der Folge belebten Zinserhöhungsfantasien den Euro. Nun warten Investoren darauf, wie sich Trichet am Donnerstag nach Bekanntgabe des Zinsentscheids äußert. "Er wird bellen, aber nicht beißen", sagte ein Händler: Trichet werde wieder auf Inflationsgefahren hinweisen, aber die Zinsen nicht erhöhen.

Am Rentenmarkt hinterließ die Irland-Skepsis der Ratingagentur kaum Spuren. Der von Investoren geforderte Renditeaufschlag für zehnjährige irische Anleihen verringerte sich um 20 Basispunkte auf 562 Basispunkte, der niedrigste Stand seit Mitte Januar. Händlern zufolge war mit einer Herunterstufung gerechnet worden, einige Investoren seien froh, dass der Schritt nicht noch schärfer ausgefallen sei. Auch die Risikoaufschläge für Anleihen aus schuldengeplagten Euroländern wie Spanien oder Portugal verringerten sich weiter.

"Die Politiker scheinen inzwischen begriffen zu haben, dass ein umfassendes und überzeugendes Programm installiert werden muss", sagte Marktstratege Charles Diebel von Lloyds Bank. "Wenn das passiert, dann verringert sich das Risiko erheblich, und die Staaten mit hohen Renditen werden zunehmend attraktiv." Der Bund-Future lag 22 Ticks höher bei 123,23 Zählern. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 3,206 Prozent.

Seit den politischen Verhandlungen um eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF hatte sich der Blick der Investoren verstärkt auf die USA gerichtet. Das belastete den Dollar. "Zunächst hatten wir tatsächlich eine Euro-Stärke, als alle anfingen daran zu glauben, dass die Euro-Krise bald gelöst sein wird", erläuterte Analyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. "Aber inzwischen sehen wir eher eine Dollar-Schwäche, die dem Euro zugute kommt. Hauptthema am Markt ist inzwischen die Fed." Die US-Notenbank konzentriere sich zu sehr auf den Arbeitsmarkt und halte deshalb zu lang an ihrer lockeren Geldpolitik fest, kritisierte Leuchtmann. Die große Frage sei nun, wann die Wende komme.

Den Aussagen des Fed-Präsidenten von Kansas-City, Thomas Hoenig, zufolge kann das noch dauern. Hoenig hat eine Ausweitung des Anleihenankaufprogramms der Fed ins Gespräch gebracht

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