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27.01.2012

09:44 Uhr

Boom in Schwellenländern

Die Mythen des Goldrauschs

VonJörg Hackhausen

Die Inder sind ganz verrückt nach Gold. Das treibt den weltweiten Goldpreis in die Höhe, sagen Experten. Aber wird das Edelmetall wirklich teurer, wenn in Indien die Hochzeitssaison beginnt? Ein Report

Getty Images

Mumbai, DüsseldorfSandhya muss eine Entscheidung treffen. Drei mit rotem Samt bezogene Schatullen liegen vor ihr ausgebreitet auf der Ladentheke, in jeder eine Halskette aus hochkarätigem Gold, verziert mit Ornamenten, Schnörkeln, ein paar Edelsteinen. Die Inderin ist 22 Jahre alt - in wenigen Wochen wird sie heiraten. Zusammen mit ihrer Mutter und zwei anderen Frauen aus der Familie sucht sie bei Mohanlal Otarma Jewellers, einem der unzähligen Goldläden auf dem Zaveri Bazaar in Mumbai, den Schmuck aus, den sie bei der Feier tragen wird.

In Indien heiraten jedes Jahr 15 Millionen Paare. Die Hochzeitssaison erreicht ihren Höhepunkt zwischen Oktober und Dezember, dann noch einmal von Mitte Januar bis April. In den Wochen vorher und währenddessen machen Goldhändler die besten Geschäfte. Experten schätzen, dass knapp die Hälfte der Goldnachfrage in Indien mit den Hochzeiten zusammenhängt. Manche meinen, der weltweite Goldpreis hänge davon ab, wie viel Gold Frauen wie Sandhya auf dem Zaveri Bazaar einkaufen. Jedenfalls wird der steigende Goldpreis gerne mit der Hochzeitssaison in Indien begründet.

In dem Läden rund um den Zaveri Bazaar gibt es jede Menge Gold und Klunker. Jörg Hackhausen

In dem Läden rund um den Zaveri Bazaar gibt es jede Menge Gold und Klunker.

Fakt ist: Indien ist der größte Goldmarkt der Welt; zumindest wenn von echtem Gold zum Anfassen die Rede ist, nicht von Goldzertifikaten oder anderem Papiergold. Nach Zahlen des World Gold Council, einem Lobbyverband der Goldförderer, lag die Nachfrage in Indien im vergangenen Jahr bei 1.059 Tonnen, davon entfielen 649,9 Tonnen auf die Schmuckindustrie, 409,1 Tonnen auf Münzen und Barren. Zum Vergleich: Die weltweite Nachfrage nach physischem Gold betrug 3.427 Tonnen. Die Inder besitzen insgesamt 18.000 Tonnen Gold, was einem Wert von mehr als 800 Milliarden Dollar oder elf Prozent der weltweiten Goldmenge entspricht.

Experten gehen davon aus, dass die Inder in den kommenden Jahren noch mehr Gold kaufen. Besonders weit lehnen sich die Analysten der britischen Standard Chartered Bank aus dem Fenster. Sie meinen, die Nachfrage in Indien und China könnte den Goldpreis bis zum Jahr 2020 auf knapp 5.000 Dollar je Feinunze treiben. Aktuell liegt er bei 1.700 Dollar.

Kommentare (9)

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mono

27.01.2012, 10:53 Uhr

Wenn man die offizielle Inflationsrate kritisch beäugt und sich die Wirklichkeit näher betrachtet, glänzt Gold auf einmal noch viel heller.
Da ich in meinem Alltag weder 6 billige preisstabile Fernseher brauche und auch die Verwendung von preisstabiler Steinkohle in meinem Alltag eine eher untergeordnete Rolle spielt, (wo nicht?), so banale Dinge wie Lebensmittel und Energie aber prozentual eine sehr grosse Bedeutung in meinem Dasein haben, (wo nicht?), kann man Meldungen über niedrige Inflation direkt auf die Müllhalde des Hintergrundrauschens entsorgen.

Ebenso ist es, aufgrund der planwirtschaftlichen Vorgehensweise von FED und EZB,
für den weiter steigenden Goldpreis völlig unerheblich wer wann wo heiratet.

Apollo

27.01.2012, 11:33 Uhr

Das habe ich schon immer vermutet und für pures Analysten-Blabla gehalten. Richtig ist vielmehr, dass der Preis auf den Terminmärkten gemacht wird. Diese juckt es nicht, ob die Inder heiraten oder ProAurum Lieferengpässe hat.

Außerdem hat die Prognose nie hingehauen. Wenn dann nur zufällig, weil Gold sowieso seit Jahren nur eine Richtung kennt...

yoski

27.01.2012, 11:43 Uhr

"Die Inder sind ganz verrückt nach Gold. Das treibt den weltweiten Goldpreis in die Höhe, sagen Experten."
Immer wieder diese "Experten". Die Wahrheit ist weniger das Gold im Preis steigt sondern das Geld in Kaufkraft verliert. Schaut man sich den Goldpreis gegen Oel, Kupfer, Baumwolle oder Schweinebaueche an dann sieht der Anstieg laengst nicht so eindrucksvoll aus wie von den Medien gerene glauben gemacht wird.

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