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10.02.2016

16:15 Uhr

BP Energy Outlook

Öl und Gas bleiben noch lange wichtig

VonMatthias Streit

Kohle ist unbeliebt, der Ölpreis fällt – auf den ersten Blick geht es fossilen Brennstoffe schlecht. Doch die Nachfrage wird auch künftig deutlich steigen, behauptet eine neue Energieprognose.

Im Jahr 2035 werden noch vier Fünftel der Primärenergie aus fossilen Brennstoffen stammen, schätzt der aktuelle BP Energy Outlook. Um die Nachfrage zu sättigen, werden dazu wohl auch Quellen in arktischen Wässern angezapft. dpa

Russische Öl- und Gasförderung

Im Jahr 2035 werden noch vier Fünftel der Primärenergie aus fossilen Brennstoffen stammen, schätzt der aktuelle BP Energy Outlook. Um die Nachfrage zu sättigen, werden dazu wohl auch Quellen in arktischen Wässern angezapft.

DüsseldorfMan könnte meinen, das Ende der fossilen Brennstoffe sei eingeläutet. Der Ölpreis laviert im Dauertief und während Energieunternehmen Gaskraftwerke wegen zu hoher Kosten abschalten, produziert Windkraft an vielen Standorten schon den günstigsten Strom. Doch weit gefehlt, sagen nun die Experten des BP Energy Outlooks.

Der Bericht findet wegen seiner treffsicheren Prognosen regelmäßig internationale Anerkennung. Wie gewohnt schauen die Analysten dabei nicht nur auf das laufende Jahr, sondern auch weit darüber hinaus, bis 2035. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse des Ausblicks:

1. Die Welt dürstet nach mehr Energie

Der weltweite Bedarf an Primärenergie wird bis 2035 deutlich steigen – es geht dabei um Energie aus den ursprünglichen Ressourcen, also von Öl und Kohle bis hin zu Biomasse und Windkraft. Insgesamt soll sich die Nachfrage in den kommenden 19 Jahren um mehr als ein Drittel erhöhen. Das entspricht umgerechnet einem jährlichen Wachstum von 1,4 Prozent.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

2. Änderungen im Energiemix sind nötig

Dem immensen Anstieg müssen Veränderungen bei der Nutzung von Ressourcen folgen. „Der Energiemix wird weniger stark auf Kohlenstoffen basieren. Dennoch könnten politische Eingriffe nötig sein, um CO2-Emissionen zu reduzieren“, sagt Bob Dudley, Geschäftsführer von BP.

Über die nächsten 20 Jahre werde sich der Ausstoß von Kohlenstoff reduzieren. Jährlich, so schätzt BP, nehmen die CO2-Emissionen um 0,9 Prozent zu. In den zurückliegenden 20 Jahren waren es noch 2,1 Prozent pro Jahr. Damit verlangsame sich das Wachstum zwar – von Schrumpfen kann jedoch keine Rede sein.

Wegen des aktuellen Verfalls der Öl- und Gaspreise sei daher notwendig, sich nicht nur an die neuen Gegebenheiten anzupassen, sondern sich auch den kommenden Herausforderungen zu stellen.

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