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28.01.2011

09:43 Uhr

Brent gegen WTI

Warum die Ölpreise verrückt spielen

VonRalf Drescher

Am Ölmarkt schlagen die Preise Kapriolen. Amerikanisches WTI-Öl ist kräftig gefallen und wird zu einem rekordverdächtigen Preisabschlag zu europäischem Brentöl gehandelt. Dabei ist die Nachfrage nach Öl ungebrochen. Doch die Amerikaner können diese nicht bedienen.

Pipelines und Öllager in Cushing: Öl-Zentrum der USA. Pressebild

Pipelines und Öllager in Cushing: Öl-Zentrum der USA.

DÜSSELDORF. Der Nabel der amerikanischen Ölindustrie ist ein kleines Kaff im Mittleren Westen, in dem schon lange kein Öl mehr fließt. Im frühen 20. Jahrhundert war das noch anders, da wurde in Cushing und Umgebung Öl gefunden und das Dorf entwickelte sich schnell zu einem regionalen Zentrum für Öl-Förderung und-Verteilung.

Doch das Öl im Mittleren Westen versiegte schnell. Was blieb war ein Pipeline-Netz, in dem Cushing einen wichtigen Kreuzungspunkt bildete. Die New York Mercantile Exchange machte das Dorf daher in den 80er-Jahren zum offiziellen Auslieferungszentrum für leichtes Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI). Das Öl fließt seither über Pipelines nach Cushing, wird dort gelagert und auf die amerikanischen Raffinerien verteilt.

Im Moment fließt allerdings deutlich mehr Öl nach Cushing rein als raus. Allein in der vergangenen Woche stiegen die amerikanischen Lagerbestände nach Daten des Energieministeriums um fast fünf Millionen Barrel. Den Preis für WTI-Öl setzt das zunehmend unter Druck. Am Donnerstagabend notierte er zum Handelsschluss in New York mit 85,50 Dollar je Barrel. Mitte Januar hatte der Preis noch bei knapp 92 Dollar gelegen.

Verglichen damit hat sich der Preis für europäisches Brentöl sehr gut gehalten. Zwar gingen die Preise auch leicht zurück. Mit mehr als 96 Dollar liegt der Barrel-Preis aber nach wie vor im Bereich der 100-Dollar-Marke. Und die Differenz zwischen Brent- und WTI-Preis steigt kontinuierlich. Dabei wird WTI traditionell eigentlich sogar mit einem kleinen Aufschlag gehandelt.

Doch eine Mixtur aus verschiedenen Gründen macht das europäische Öl zurzeit für Verbraucher und Investoren attraktiver. Da ist zum einen der kalte Winter, der für einen erhöhten Verbrauch auf dem europäischen Kontinent sorgt. Hinzu kommt die große Nachfrage aus Asien. In der Region, allen voran in China, boomt die Wirtschaft. Den hohen Energiebedarf können die asiatischen Länder nur mit Importen decken, zumal die asiatischen Ölpreise bereits über 100 Dollar liegen.

Kommentare (2)

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Torsten Steinberg

28.01.2011, 14:59 Uhr

Der Artikel vergleicht die zuletzt unterschiedlich verlaufende Preisentwicklung für Erdöl der Marken brent (Nordsee) und West Texas intermediate (USA). beide Preise dienen als Orientierung zur Festsetzung der Preise im globalen Handel von Erdöl. So weit so gut.
Ganz neu ist mir aber die Erkenntnis, dass Europa über Rotterdam ein Expoteur von Nordseeöl sein soll und dass die USA eine Pipeline an den Golf von Mexiko deshalb planen, weil sich damit unabhängig von den Raffinerien um Cushing neue Absatzmärkte erschließen. Hier wird doch wohl die tatsächliche Richtung von Warenströmen in ihr Gegenteil verkehrt.
Zweifelhaft erscheint mir auch die Aussage, dass aus den Ölsänden in Alberta raffinertes Schweröl nach Cushing geleitet werden könnte und Preisdruck auf die dort schon gelagerten bestände der leichten Sorte WTi ausübt.
Gänzlich fragwürdig wird der Artikel, wenn auf den kalten, europäischen Winter abgehoben wird, der den Preis für hiesiges Öl auf einem höheren Niveau hält als in den USA. Da sehe man sich doch besser mal die Temperaturkurve der letzten Wochen in den Vereinigten Staaten und Kanada an mit Rekordwerten von unter -40 C Grad.

k.h.a.

28.01.2011, 19:44 Uhr

Nette Erklärung für den grad schwankenden WTi-Preis. Näher bei der Realität dürfte die gegenwärtig gestiegene Vola an den Aktienmärkten liegen, wo offenbar nach WTi auch Aktien verstärkt veräußert werden. Der gepäppelte Höhenflug scheint zu brechen. War zu erwarten, denn er dauerte bereits historisch zu lange und das ohne jeden Grund außer dem Kunstgeld per Fed-account.

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