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06.01.2015

19:10 Uhr

Brent-Öl an 50-Dollar-Marke

Saudi-Arabien drosselt sein Öl-Angebot nicht

Nach dem Einbruch am Montag stabilisieren sich die Ölpreise zunächst. Doch an Erholung ist nicht lange zu denken: An den Märkten wird über steigende US-Lagerbestände spekuliert – die Preise gehen weiter auf Talfahrt.

Ölpumpen in Kalifornien: Mit den Preisen für Öl geht es weiter bergab. dpa

Ölpumpen in Kalifornien: Mit den Preisen für Öl geht es weiter bergab.

Singapur/RiadDie Talfahrt der Ölpreise nimmt kein Ende – doch das große Förderland Saudi-Arabien drosselt sein Angebot nicht. Das sagte Kronprinz Salman in der jährlichen Rede vor der Madschlis al-Schura, dem vom König ernannten Rat. Der Preisverfall sei „nicht neu“ auf dem Ölmarkt, Grund für die „Spannungen“ derzeit sei vor allem das schwache Wirtschaftswachstum weltweit. Das Königreich habe in der Vergangenheit in solchen Lagen stets „bestimmt und weise“ gehandelt. Es werde seine „Vorgehensweise“ nicht ändern, sagte Salman.

Der Kronprinz hielt die Rede anstelle des etwa 90-jährigen Königs Abdallah, der offiziellen Angaben zufolge an Lungenentzündung erkrankt ist. Der 77-jährige Salman ist sein Halbbruder. Der Ölpreis setzte seine Talfahrt am Dienstag ungebremst fort: In London kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI zur Lieferung im Februar 48,49 Dollar, das ist der niedrigste Stand seit Ende April 2009. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent sank auf 51,23 Dollar, niedrigster Preis seit Anfang Mai 2009.

Nach Handelsschluss an den europäischen Aktienmärkten haben die Ölpreise den Preisrutsch sogar noch beschleunigt. Brent kostete am Abend zeitweise 50,96 Dollar je Barrel vier Prozent weniger als am Montag. WTI notierte in der Spitze mit 47,74 Dollar nunmehr 4,6 Prozent im Minus. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann der für die Finanzmärkte richtungsweisende Brent-Preis unter 50 Dollar rutsche, sagten Händler. Am Vorabend war WTI erstmals wieder unter diese Marke gefallen.

Viele Investoren sähen den Ölpreisverfall als Krisenindikator für die angeschlagene Weltwirtschaft, sagte NordLB-Analyst Tobias Basse. An den Rohstoffmärkten wurde unterdessen über weiter steigende Lagerbestände in den USA spekuliert, welche auf ein sich weiter vergrößerndes Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt schließen ließe. Erwartet wird bei den am Mittwoch vom US-Energieministerium veröffentlichten Daten im Mittel ein Lagerbestand von 386,2 Millionen Barrel.

„Der Ölmarkt wird derzeit geradezu geritten von einer Überversorgung mit Rohöl“, sagte Ökonom Hans van Cleef von ABN Amro. „Die Preise sind zu schnell zu stark gefallen. Aber in einem derartig negativen Markt lässt sich derzeit nichts erkennen, was die Wende auslösen könnte“, sagte er. Sollten die Lagerbestände höher als erwartet ausfallen, werde wohl auch Brent die Marke von 50 Dollar schnell unterschreiten.

Seit dem vergangenen Sommer sind die Ölpreise um etwa die Hälfte eingebrochen. Trotz der aktuellen Stabilisierung wollen Experten ein weiteres Sinken der Ölpreise nicht ausschließen. Nach wie vor ist das Angebot auf dem Weltmarkt zu hoch und die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) zeigt weiter keine Bereitschaft, mit einer geringeren Fördermenge gegenzusteuern.

Wegen des anhaltenden Ölpreis-Verfalls ist ein für die EZB-Geldpolitik sehr wichtiges Inflationsbarometer am Dienstag auf ein Rekordtief gefallen. Der sogenannte Five-Year-Five-Year-Forward sank auf 1,5887 Prozent. Dies bedeutet, Investoren gehen davon aus, dass - beginnend in fünf Jahren - die Inflation über einen Zeitraum von fünf Jahren bei etwa 1,5887 Prozent und damit unter der EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent liegen wird.

Analysten zufolge sind die europäischen Verbraucherpreise im Dezember 2014 um 0,1 Prozent zurückgegangen. Die Zahlen sollen am Mittwoch veröffentlicht werden.

Damit rücke das bereits allgemein erwartete, breit angelegte Wertpapier-Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) noch einen Schritt näher, sagten Börsianer. Mit dem sogenannten Quantitative Easing (QE) wollen die Währungshüter die Konjunktur in Schwung bringen und damit die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, verhindern.

Kommentare (10)

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Herr Peter Noack

06.01.2015, 08:22 Uhr

Der Ölpreis stabilisiert sich leicht.
Für ein paar Stunden oder länger? Ist der Preisboden bereits gefunden? Mehr Fragen als Antworten. Kein Zweifel wird am Angebotsüberschuss zugelassen. Muss der Ölpreis erst unter 40 oder 30 Dollar je Fass fallen bis Ölsand und Frackingöl nicht mehr wettbewerbsfähig sind? Gilt das Überangebot auch bei 10 Dollar je Fass?

Frau Ich Kritisch

06.01.2015, 12:23 Uhr

ich habe mal ein wenig in den Berichten des HB gestöbert:

04.06.2014 - Ölreserven der USA sinken - http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/rohstoffe/rohstoffhandel-oelpreise-leicht-im-plus/9988518.html

10.06.2014 - schwungvollere globale Konjunktur lassen Ölpreise steigen
http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/rohstoffe/rohstoffe-oelpreise-legen-weiter-zu/10012710.html

17.06.2014 - Energie wird nach Angaben der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) wegen der sich verschärfenden Krisen in der Ukraine und im Irak weltweit teurer
http://www.handelsblatt.com/politik/international/irak-krise-energieagentur-sieht-probleme-bei-oel-produktion-seite-all/10057168-all.html

und heute - ein halbes Jahr später sind die Ölpreise bei der Hälfte.

Die Förderung durch fracking sind aber nicht auf das fünffache gestiegen, die Weltkonjunktur ist nicht zusammengebrochen, oder etwa doch?

Was ist also der tatsächliche Grund für derart gefallene Preise???

Herr x y

06.01.2015, 12:39 Uhr

Dieser Ölpreis ist ein politischer Preis. Ökonomische Erklärungsversuche müssen da zwangsläufig scheitern.
Cui bonum?

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