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24.02.2016

11:21 Uhr

Brexit drückt Währung

Fußball-EM wird für England teurer – das Pfund fällt

Am 23. Juni stimmen die Briten über einen möglichen Ausstieg aus der Europäischen Union ab. Die Sorge vor einem „Brexit“ drückt bereits deutlich auf die Währung. Das macht Geschäfte in Euro teurer für Engländer.

Luxushotel in Chantilly: Das Quartier der englischen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. PR

Auberge du Jeu de Paume

Luxushotel in Chantilly: Das Quartier der englischen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich.

London/DüsseldorfMitten während der Fußball-Europameisterschaft der Herren wird England über einen Ausstieg aus der Europäischen Union abstimmen. Das politische Großereignis wirft vor allem an den Währungsmärkten seinen Schatten voraus. Das Pfund rutscht seit Bekanntgabe des Abstimmungsdatums deutlich, im Umkehrschluss zieht der Euro an – auf 0,789 Pfund, so viel wie seit Ende 2014 nicht. Allein seit Jahresbeginn hat der Euro 6,6 Prozent gegenüber der britischen Währung gewonnen.

Für die englische Nationalmannschaft bedeutet das zunächst: Der Ausflug in das Europameisterschafts-Quartier in Chantilly in der Nähe von Paris wird teurer als gedacht. Mehrere hundert Euro kostet Medienberichten zufolge eine Übernachtung im „Auberge du Jeu de Paume“, das fallende Pfund macht die Reise teurer. Gelingt mindestens der Einzug ins Achtelfinale (ab 25. Juni), könnte die Nationalmannschaft später in ein Land zurückkehren, dass der EU den Rücken gekehrt hat – und dem Pfund womöglich einen Stoß in den Rücken.

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Rückenwind für David Cameron: Von A wie Air Asia bis W wie WPP – britische Firmen unterstützen den Kampf des britischen Premiers gegen den EU-Austritt des Landes. Doch nicht alle schlagen sich auf seine Seite.

Denn sollte sich Großbritannien für einen Austritt entscheiden, hätte dies verheerende Folgen für die Währung, erwarten Volkswirte in einer Bloomberg-Umfrage. Innerhalb einer Woche nach der Abstimmung werde die britische Währung auf oder unter 1,35 Dollar absacken, sagen 29 der befragten 34 Experten. Das wäre das niedrigste Niveau seit 1985. Derzeit liegt die Währung etwa bei 1,39 Dollar.

Dreiundzwanzig der befragten Ökonomen rechnen nicht damit, dass sich das Pfund innerhalb von drei Monaten nach der Abstimmung am 23. Juni von diesem Niveau wieder erholen werde. Sieben erwarten sogar einen Einbruch der britischen Währung unter die Marke von 1,20 Dollar gleich nach der Abstimmung. Lediglich einer sieht das Pfund über 1,40 Dollar – also auf einem leicht höheren Niveau als aktuell.

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VERHÄLTNIS EUROZONE ZU NICHT-EURO-STAATEN

Für Nicht-Euro-Staaten wie Großbritannien wird ein neues Verfahren überlegt, um mehr Einfluss auf neue EU-Gesetzgebung zu nehmen. Frankreich hat Bedenken und fürchtet beispielsweise Alleingänge Londons bei der Finanzmarktregulierung zum Nachteil des Finanzplatzes Paris.

SOZIALLEISTUNGEN FÜR EU-BÜRGER

Tusk schlägt eine „Notbremse“ vor, die bei außergewöhnlich starker Zuwanderung von EU-Bürgern gezogen werden kann. Dann könnten bestimmte Sozialleistungen für neu Ankommende beschränkt werden. Das Verfahren ist de facto auf Großbritannien zugeschnitten. Die EU-Kommission will die Möglichkeit für alle Staaten eröffnen, Kindergeld an die Lebenshaltungskosten anzupassen, wenn die Nachkommen nicht im Land des Arbeitnehmers leben.

BÜROKRATIEABBAU

Die Wettbewerbsfähigkeit der Union soll gesteigert werden. Das kommt Cameron entgegen, der insbesondere auf Bürokratieabbau pocht.

ABSTAND ZUR EU

Großbritannien bekommt die Zusicherung, sich politisch nicht weiter in die EU integrieren zu müssen. Das soll möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt in den EU-Verträgen verankert werden. Paris lehnt allerdings Vertragsänderungen offen ab.

Das Pfund hat in diesem Jahr bereits mehr als zwei Prozent gegenüber jeder anderen Währung der größten zehn Währungsräume nachgegeben. Neben der Angst vor einem EU-Austritt drücken auch die holprige Erholung und die Aussicht auf Zinserhöhungen auf die Stimmung. Die Talfahrt hat sich noch beschleunigt, nachdem Premierminister David Cameron am Samstag den Abstimmungstermin ankündigte. Von Politikern bis hin zu Unternehmen geben jetzt alle ihre Ansichten zu dem Thema zum Besten.

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