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13.09.2013

10:12 Uhr

Buchkritik „Das Ende des Scheins“

Droht unserem Geldsystem das Aus?

VonDirk Wohleb

Für Detlev S. Schlichter ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Menschen das Vertrauen in Euro, Dollar und Co. verlieren. Seine provokante These: Das Papiergeldsystem steht vor dem Zusammenbruch.

Immer schneller dreht sich das Rad der Geldpolitik: Mit ihrer Niedrigzinspolitik und einer stark steigenden Geldmenge wollen die Notenbanken die Finanzmärkte beruhigen. Das hält der Autor Detlev S. Schlichter für einen Fehler. dpa

Immer schneller dreht sich das Rad der Geldpolitik: Mit ihrer Niedrigzinspolitik und einer stark steigenden Geldmenge wollen die Notenbanken die Finanzmärkte beruhigen. Das hält der Autor Detlev S. Schlichter für einen Fehler.

DüsseldorfAufgeblähte Geldmenge, überbordender Finanzsektor, künstlich niedrig gehaltene Zinsen – die Geldpolitik der Zentralbanken spielt eine so wichtige Rolle wie nie zuvor. Wir haben uns längst daran gewöhnt. Die wirklich wichtigen Nachrichten für die Börsen kommen längst nicht mehr von Unternehmen, sondern von den Notenbanken.

Wenn Ben Bernanke oder Mario Draghi Aufkaufprogramme von Staatsanleihen durch die Fed und die Europäische Zentralbank ankündigen, ist ihnen der Beifall von Politik und Öffentlichkeit gewiss. Mit diesem konsequenten Eingriff verhindern sie einen Absturz der Finanzmärkte und ein Abgleiten in die Rezession, so die übliche Lesart. Schonungslos räumt der Autor Detlev S. Schlichter in seinem Buch „Das Ende des Scheins“ mit dem in Medien und Politik vorherrschenden Mainstream auf.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Dabei beschränkt sich der ehemalige Portfoliomanager nicht nur auf eine Analyse der gegenwärtigen Politik der Notenbanken, sondern kritisiert das Papiergeldsystem grundsätzlich, das für den Autor zu einem Handlanger der Politik geworden ist.

Das Fluten der Märkte mit billigem Geld und der Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken ist für den Autor ein Tabubruch, der noch vor Jahren zu einer kontroversen Debatte geführt hätte. Mit Ausnahme weniger Mahner wie Bundesbank-Chef Jens Weidman, findet diese Politik durchweg den Beifall der Öffentlichkeit.

Ganz anders dagegen die Sicht von Schlichter, der als Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie gilt. Er kritisiert das elastische Geldangebot, bei dem die Notenbanken schon bei dem geringsten Anschein einer Krise unendlich viel Geld zur Verfügung stellen, um eine Knappheit des Geldangebots zu verhindern.

Für Schlichter verlängert diese Politik die Krise und verhindert dringend notwendige Anpassungsprozesse. Das Groteske: Der Bankensektor, der als Ursache der Finanzkrise 2007 gilt, wird immer größer. Dank des billigen Geldes wachsen Finanzwetten und Schattenbanken so stark, als hätte es die Finanzkrise nicht gegeben.   

Kommentare (95)

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Account gelöscht!

13.09.2013, 10:19 Uhr

Scheinbar endlich mal wieder ein Mann, der nicht auf irgendeine Weise von Staat oder Parteien bezahlt wird....denn er wagt sich, das Euro-Heiligtum zu kritisieren. Sehr schön!

Account gelöscht!

13.09.2013, 10:23 Uhr

Wenn Sie wüssten, was der gute Mann mit "verhindert notwendige Anpassungsprozesse" meint, würden Sie hier nicht Beifall klatschen.
Das Lustige ist doch, dass alle Welt auf der Krisenpolitik der EZB rumhackt, würde diese jedoch "nach Schulbuch" ausfallen, würden all die arbeitslos gewordenen Meckerer hier eine Partei am linken oder rechten Rand wählen.
Ergo, egal wie, man kann es ihnen nicht ganz Recht machen. Folglich machen wir es doch so, wie es insgesamt den geringsten Schaden verursacht.

Papierspieler

13.09.2013, 10:39 Uhr

So lange es Idioten gibt die ihre Ersparnisse bei der Bank, in Lebensversicherungen und sonstige EntWertpapiere halten und sich an Konten- und Depotauszüge erfreuen funktioniert das Papierspiel.

Wenn die Masse aber erwacht wird es leider zu spät sein denn dann können sie mit ihrem Papier nicht mal mehr wie früher ihr Kamin betreiben denn alle "Werte" werden als Nullen und Einsen auf irgendwelche Festplatten gespeichert.

Aber es kann noch ein wenig dauern.

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