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19.05.2013

11:09 Uhr

Bundesbank-Präsident

Weidmann gegen Abschaffung kleiner Cent-Münzen

Auch wenn die Rohstoffpreise für Kupfer hoch sind, will Bundesbank-Präsident Weidmann nicht die Abschaffung kleiner Cent-Münzen. Damit teilt er die Meinung der Bevölkerung: Sie will ebenso die Kleinmünzen behalten.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat sich gegen die Brüsseler Pläne ausgesprochen. dpa

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat sich gegen die Brüsseler Pläne ausgesprochen.

Berlin/ FrankfurtBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat sich gegen Brüsseler Pläne zur Abschaffung kleiner Cent-Münzen ausgesprochen. „In der deutschen Bevölkerung besteht der Wunsch, an den Kleinmünzen festzuhalten. Ich persönlich kann mich dem nur anschließen“, sagte Weidmann der „Bild am Sonntag“. Allerdings sei eine Abschaffung nur eines der von der EU-Kommission vorgestellten Szenarien. Grundsätzlich liege die Entscheidung auch nicht bei den Notenbanken, sondern bei den europäischen Finanzministern.

Hintergrund der Pläne, die die EU-Behörde jüngst vorgestellt hatte, sind die Kosten für die Herstellung der kupfernen Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Die Produktion ist nach Angaben der Kommission angesichts der hohen Rohstoffpreise für die Staaten ein Verlustgeschäft. Vor einer endgültigen Entscheidung fordern Verbraucherschützer eine genaue Untersuchung der wirtschaftlichen Auswirkungen und der Folgen für die Verbraucher

Was hinter den Brüsseler Plänen zum Abschied vom Kupfergeld steckt

Warum ist die Abschaffung im Gespräch?

Weil die Preise für die Rohstoffe Kupfer und Stahl drastisch gestiegen sind. Daher sind die Kosten der Produktion von Ein- und Zwei-Cent-Münzen höher als ihr Nennwert. Die EU-Kommission beziffert die Differenz seit Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002 auf rund 1,4 Milliarden Euro. Seit 2002 haben die Länder der Eurozone insgesamt fast 46 Milliarden Ein- und Zwei-Cent-Münzen ausgegeben.

Was schlägt die EU-Kommission vor?

Die EU-Experten nennen vier Optionen: Erstens weitermachen wie bisher. Zweitens könnte man die Kosten senken, indem die materielle Zusammensetzung der Cent-Stücke geändert wird. Drittens wird an einen langsamer Ausstieg gedacht, bei dem die Kleinmünzen nach und nach verschwinden. Als viertes Szenario gilt der schnelle Ausstieg: Die Ausgabe der Münzen würde eingestellt und die bereits im Umlauf befindlichen Münzen von Händlern und Banken eingezogen.

Worin liegt der Sinn der kleinen Münzen?

Sie haben vor allem psychologische Bedeutung für den Handel, weil sie sogenannte Schwellenpreise von 99 Cent oder 2,99 Euro möglich machen. Dies ist ein besserer Kaufanreiz als ein runder Preis von 1 oder 3 Euro. Allerdings sind die kleinen Münzen für Einzelhändler oft auch eine Last und erschweren wegen ihres Gewichts und Volumens Geldtransporte.

Was spricht für die Abschaffung kleiner Münzen?

An der Kasse im Supermarkt würde es schneller gehen, wenn der Kunde keine Cent-Stücke mehr zusammensuchen müsste. Verbraucher könnten die Summe ihres Einkaufs leichter berechnen - und ihr Portemonnaie würde dünner.

Wie stehen die Europäer zu den Münzen?

Ganz unterschiedlich. Deutschland gilt als Land der „Pfennigfuchser“. Laut einer Umfrage der Bundesbank stimmen 91 Prozent der Bevölkerung dem Spruch zu: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Viele Deutsche verwenden die Münzen ganz normal zum Bezahlen. Die Bundesbank lehnt die Abschaffung der kleinen Münzen ab und argumentiert, die Ein- und Zwei-Cent-Münzen würden sich an der Tradition der D-Mark und des Pfennigs orientieren. Finnland verzichtet dagegen schon seit 2002 auf die Kleinmünzen im Umlauf, weil sie als unpraktisch gelten. Beträge werden dort gerundet. In den Niederlanden runden Geschäfte die Preise seit 2004 auf fünf Cent.

Wie geht es jetzt weiter?

Die EU-Kommission holt die Meinungen der EU-Regierungen ein und wird einen entsprechenden Gesetzesvorschlag machen. Eine Frist dafür gibt es nicht. Unterstützung kommt aus dem Europäischen Parlament, das bereits 2012 die Überprüfung der Cent-Münzen gefordert hatte.

Steht auch die Abschaffung von Euro-Scheinen in Frage?

Ja, und zwar die des 500-Euro-Scheins - aber aus anderen Gründen. Der violette Geldschein steht im Ruf, von Steuerhinterziehern und Kriminellen benutzt zu werden, um keine Spuren mit elektronischen Überweisungen zu hinterlassen. Die Europäische Zentralbank (EZB) kann sich daher eine Abschaffung vorstellen. „Das ist sicherlich eine Diskussion wert“, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio im April im Europaparlament. Denn die größte Euro-Banknote tauche im täglichen Leben kaum auf: „Es ist etwas, wovon die Leute gewöhnlich keinen Gebrauch machen, so dass das Zahlungssystem so etwas wohl nicht so dringend braucht.“

Was ändert sich bei den Euro-Scheinen noch?

Derzeit bringen Europas Währungshüter gerade die neue 5-Euro-Note unters Volk. Die zweite Banknoten-Generation ist wegen neuer Sicherheitsmerkmale fälschungssicherer. Später sollen auch weitere neue Banknoten eingeführt werden.

Weidmann sieht auch keine Notwendigkeit, Ein- oder Zwei-Euro-Scheine einzuführen. Die neue Euro-Banknoten-Serie umfasse solche Scheine nicht, sagte er der „Bild am Sonntag“ weiter und fügte hinzu: „Ich glaube auch nicht, dass die Menschen solche Scheine haben möchten.“

Jüngst war ein Fünf-Euro-Schein mit neuen Sicherheitsmerkmalen im Euroraum eingeführt worden, der aber an manchen Automaten nicht angenommen wurde. Die Verantwortung dafür sieht Deutschlands oberster Notenbanker bei den Herstellern und Gerätebetreibern: „Wir haben ihnen rechtzeitig die Gelegenheit gegeben, ihre Geräte zu testen.“ Er ist nach eigenen Worten aber zuversichtlich, dass die Umstellung bald abgeschlossen sein wird.

Von

dpa

Kommentare (21)

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RumpelstilzchenA

19.05.2013, 11:32 Uhr

"....Brüsseler Pläne zur Abschaffung kleiner Cent-Münzen ..."

Ein Zeichen dafür, dass der EURO immer weniger wert ist.
Preiserhöhungen für die Arbeitgeberklasse. Es wir stets aufgerundet!
Bonzentum!!!!!

Scratchpatch

19.05.2013, 12:03 Uhr

Wenn ich zu jemandem Vertrauen habe, dann zu Weidmann. Was er sagt, hat Hand und Fuß und ist immer wohlüberlegt. Kein anderer hat bisher so viel Sicherheit vermittelt in der Krise wie Weidmann. Als Nachfolger Schäubles wäre auch kein anderer so geeignet, um den Bürgern wieder Vertrauen zu geben in die Währung Euro (dann eben ohne Schuldenunion, denn die würde Weidmann wohl nicht unterschreiben).

Account gelöscht!

19.05.2013, 12:14 Uhr

@"Deutschland gilt als Land der „Pfennigfuchser“

Jaah, wenn das so ist, wenn das Ausland uns für Pfennigfuchser hält---sofort Kleingeld abschaffen!!

Hierzu nur zwei Beispiele: In UK wird im Supermarkt und an der Tankstelle penny-genau gewechselt, ebenso in USA, obwohl 1 US-cent sogar weniger Wert hat als ein EU-cent. ----Pfennigfuchserisch?
Allerdings wurden im Italien der Lirezeit häufig Bonbons statt Lire herausgegeben, weil die staatliche Münze unter Engpässen litt.
Da der Euro neuerdings mehr Ähnlichkeit mit der Lira aufweist, ist es folgerichtig, Euro-Kleingeld abzuschaffen.

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