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17.03.2014

13:59 Uhr

Bundesbank warnt

„Bitcoins sind kein Zahlungsmittel“

Die digitale Währung Bitcoin sollte die Finanzwelt revolutionieren. Doch ein Skandal reihte sich an den nächsten und Anleger verloren viel Geld. Die Deutsche Bundesbank warnt deshalb erneut vor der „Hacker-Währung“.

Symbolische Bitcoin-Münzen. Die Bundesbank sieht sich in ihren Zweifeln gegenüber der Digitalwährung bestätigt. Reuters

Symbolische Bitcoin-Münzen. Die Bundesbank sieht sich in ihren Zweifeln gegenüber der Digitalwährung bestätigt.

Frankfurt/MainDie Deutsche Bundesbank hat abermals vor der Digitalwährung Bitcoin gewarnt. „Bitcoins sind kein Zahlungsmittel, sondern ein hoch spekulatives Finanzinstrument“, sagte Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Notenbank fühle sich durch die Entwicklung der vergangenen Wochen bestätigt. Mehrere Internetbörsen für Bitcoins waren in den vergangenen Wochen Opfer von Hackern geworden, zum Teil hatten Anleger dabei viel Geld verloren.

Die auch als „Hacker-Währung“ bezeichneten Bitcoins gibt es seit 2009. Sie werden in komplizierten Rechenprozessen auf den Computern der Nutzer erzeugt, können aber auch im Internet mit etablierten Währungen wie Dollar oder Euro gekauft werden. Bitcoins sollen einen Zahlungsverkehr ermöglichen, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert.

Dramatischer Wertverlust

Aktuell kostet der Bitcoin rund 640 Dollar. Im vergangenen Jahr hatte die virtuelle Währung hohe Popularität erreicht. Ende 2013 war der Kurs auf über 1150 Dollar gestiegen. Zum Vergleich: Im Dezember 2012 hatte ein Bitcoin lediglich 13 Dollar gekostet.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird es, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird. Handelsplattformen beziffern die aktuelle Zahl an Bitcoins Mitte November 2017 bei 16,7 Millionen Münzen.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox rutschte der Kurs Anfang 2014 in die Hunderter, es wurde still um die Kryptowährung. Doch 2017 explodierte der Kurs: Von 1000 Dollar im Januar ging es bis Mitte November rauf auf mehr als 8000 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

„Bitcoin-Nutzer setzen häufig darauf, dass das Bezahlen im Internet mit Bitcoin billiger ist als eine internationale Überweisung oder das Zahlen mit Kreditkarte“, sagte Thiele weiter. „Sie übersehen dabei aber unter anderem, dass der Kurs der Bitcoins stark schwankt. Letztlich können die Kursverluste schnell erheblich höher sein als alle Überweisungs- oder Kreditkartengebühren.“

Bitcoins seien ein relativ junges Phänomen, so der Bundesbankvorstand, deshalb werde international noch nach dem angemessenen Umgang damit gesucht. „Die Regelungen in den verschiedenen Staaten sind daher zum Teil unterschiedlich.“ In der EU stehe die Diskussion darüber noch am Anfang, so Thiele weiter. Eine Arbeitsgruppe der europäischen Bankenaufsicht EBA kümmere sich um das Thema.

Die New Yorker Finanzaufsicht NYDFS hat sich bereits für kontrollierte Bitcoin-Handelsplätze eingesetzt. Bis Ende des zweiten Quartals 2014 soll der Entwurf für ein Regelwerk vorgelegt werden. „Die jüngsten Probleme bei Mt. Gox und anderen Firmen zeigen den dringenden Bedarf einer stärkeren Aufsicht über virtuelle Währungen“, hatte New Yorks oberster Finanzaufseher Benjamin Lawsky betont. New York ist damit der erste US-Staat auf dem Weg zur Regulierung von digitalen Währungen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

17.03.2014, 16:35 Uhr

Bitcoin ist kein Zahlungsmittel? Also ich bezahle mit Bitcoins regelmäßig mein Webhosting, VPN-Zugang, One-Click-Hoster, Pizza-Lieferdienst, Bier in der Kneipe und vieles mehr. Immer mehr Menschen verwenden Bitcoin als Zahlungsmittel. Die Bundesbank hat da wohl irgendwas falsch verstanden.

Account gelöscht!

17.03.2014, 18:56 Uhr

„Hacker-Währung“

Warum eigentlich hacker-Währung? Bitcoins haben nur etwas mit Kryptographie aber nichts mit Hackern zu tun.

Eine Warnung der Bundesbank ist wie Werbung für Bitcoins. Die Bundesbank hat auch nie vor Griechenland Anleihen gewarnt. Eigentlich hat sie noch nie vor etwas gewarnt, was hinter zusammengebrochen ist.

ein klassischer Kontraindikator.

Account gelöscht!

18.03.2014, 13:05 Uhr

Wenn die Bundesbank wäre, würde ich auch vor anderen Währungen warnen, denn wenn niemand mehr Euro oder Dollar benutzen würde, wäre die Macht von Fed & EZB ja gebrochen...

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