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25.01.2010

08:42 Uhr

Carry-Trader

Der Yen lockt wieder Zocker an

VonNorbert Häring

Seit die japanische Notenbank den Leitzins Mitte der 90er-Jahre auf praktisch null gesenkt hat, ist der Yen eine beliebte Währung für Carry-Trades. Das führt immer wieder zu extremen Schwankungen der Währung - je nachdem ob die Carry-Trades sich gerade aufbauschen oder ob sie aufgelöst werden.

Japanische Yen-Noten neben dem Dollar: "Zeit, sich in Yen statt in Dollar zu verschulden?" Quelle: Reuters

Japanische Yen-Noten neben dem Dollar: "Zeit, sich in Yen statt in Dollar zu verschulden?"

FRANKFURT. Allein von März bis November 2009 legte der Yen zum Dollar um 15 Prozent zu. Seither hat er um fünf Prozent abgewertet. Das könnte erst der Anfang sein. Die Analysten einer großen Bank haben das frühzeitig gesehen: „Zeit, sich in Yen statt in Dollar zu verschulden?“ fragten die Währungsexperten von Morgan Stanley Anfang Dezember, und beantworteten die Frage mit Ja. Die Frage ist sehr wichtig für den Dollar-Kurs. Denn dabei kommt es neben dem Zins, der bei Yen und Dollar praktisch null ist, auf die Wechselkurserwartungen an.

Bis 2008 war der japanische Yen bereits eine beliebte Verschuldungswährung, weil die kurzfristigen Zinsen in Japan seit vielen Jahren nahe null liegen. Zusätzlich war der Yen lange Zeit schwach, die Carry-Trades mit der Verschuldungswährung Yen also sehr rentabel, weil man einen Zinsvorteil einstreichen konnte und dann auch noch wegen der Yen-Abwertung weniger Geld zurückzahlen musste, als man aufgenommen hatte.

Dann aber kam es nach der Lehman-Pleite zu massiven Verlusten für die Yen-Carry-Trader, weil der Yen innerhalb kurzer Zeit um zehn Prozent aufwertete und danach immer stärker wurde. Das machte den Yen als Verschuldungswährung unattraktiv. Gleichzeitig öffnete die US-Notenbank Federal Reserve die Geldschleusen und senkte den Leitzins auf praktisch null. Damit empfahl sich der Dollar als neue Carry-Trade-Währung und wurde auch weidlich als solche genutzt.

Steigen die Zinsen in den USA belastet das tendenziell den Yen

Inzwischen rechnen Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung in den USA spätestens im Herbst. In Japan dürften die Zinsen dagegen niedrig bleiben, was den Yen als Verschuldungswährung für Anleger interessanter macht, zum Dollar aber auch schwächt. Deshalb hält Stephen Hull, Leiter der globalen Devisenstrategie von Morgan Stanley, an der Empfehlung von Dezember fest, sich in Yen statt in Dollar zu verschulden.

Er rechnet denn auch damit, dass der Dollar zulegt und der Euro bald nur noch 1,37 Dollar oder weniger kostet. Dagegen werde der Yen als neue alte Verschuldungswährung von etwa 91 Yen je Dollar bis auf 109 Yen je Dollar abwerten.

Kurzfristig wird jedoch auch der Yen von erhöhter Risikoscheu nach oben getrieben, weil diese Carry-Trades insgesamt unattraktiver macht. Die Pläne der US-Regierung zur Bankenaufsicht sorgen für Verunsicherung. „Der Plan von Obama hat Schockwellen ausgesandt“, sagt Daisaku Ueno, Präsident des Gaitame.Com Research Institute. „Dies wird dazu führen, dass Positionen in risikoreicheren Anlageklassen aufgelöst werden, von Rohstoffwährungen bis hin zu Aktien“ – und das Geld in die Verschuldungswährungen zurückfließt.

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