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25.01.2010

10:04 Uhr

Carry-Trades

Spekulanten spielen mit dem Dollar

VonJörg Hackhausen, Norbert Häring, Christian Panster

Das Geschäft mit Carry-Trades läuft prächtig. Investoren verschulden sich zu niedrigen Zinsen in der US-Währung und investieren dann in aller Welt. Jetzt könnte die Welle zurückschwappen. Experten sehen bereits neue Spekulationsblasen.

Ein Angestellter zählt Dollarnoten in einer Wechselstube: "Der Trend spricht derzeit klar für den Dollar." Quelle: Reuters

Ein Angestellter zählt Dollarnoten in einer Wechselstube: "Der Trend spricht derzeit klar für den Dollar."

FRANKFURT. Es ist eines der großen Geheimnisse der Finanzwelt. Niemand weiß so recht, um welche Summen es geht, nur, dass sie riesig sein müssen. Es geht um das Geschäft mit dem billigen Dollar, um die sogenannten Carry-Trades. Investoren verschulden sich in der US-Währung, weil es dort Kredite praktisch zum Nulltarif gibt - und schaffen das Geld dann in Regionen, wo die Zinsen höher sind. Nach Asien etwa oder Australien. Man sei "besorgt", dass dadurch weltweit neue Vermögensblasen entstehen, sagt Weltbank-Volkswirt Hans Timmer. Daraus wird dann ein Problem, wenn Investoren ihr Geld eines Tages abziehen und die Blasen platzen.

Experten sehen bereits erste Anzeichen dafür, dass Geld verstärkt in den Dollar-Raum zurückfließt. "Der Trend spricht derzeit klar für den Dollar", sagt Matthew Strauss, Währungsstratege bei RBC Capital Markets. Am deutlichsten zeigt sich das am Dollar-Preis selbst: In den letzten Tagen ist der Greenback kräftig gestiegen. Der Euro kostete zuletzt rund 1,41 US-Dollar, während er Anfang des Monats noch bei rund 1,45 Dollar notierte und noch einen Monat zuvor sogar bei über 1,50 Dollar. Die aktuelle Schwäche des Euros hat auch mit der Sorge um den griechischen Staatshaushalt zu tun. Aber das erklärt die Stärke des Dollars nicht allein.

Die Verwerfungen auf den Finanzmärkten seit Lehman Brothers sind enorm

Die entscheidende Größe, auf die Investoren und Analysten blicken, ist der Leitzins der US-Notenbank. Der liegt momentan historisch niedrig zwischen null und 0,25 Prozent. Indem die Fed die Schleusen geöffnet hat, verhinderte sie, dass nach Lehman Brothers eine weitere Bank zusammenbrach.

Aber die Verwerfungen auf den Finanzmärkten infolge dieser Politik sind enorm. Die Banken können sich fast zum Nulltarif mit frischem Geld versorgen. Sie nehmen die Geschenke dankbar an, bessern ihre maroden Bilanzen auf und spekulieren mit dem Geld. Erhebliche Summen sind in die beschriebenen Carry-Trades geflossen.

Dabei sollten solche Geschäfte nach der reinen volkswirtschaftlichen Lehre eigentlich gar nicht rentabel sein, weil ein höherer Zins in einer Währung immer durch die vorherrschende Erwartung einer entsprechenden Abwertung der Währung ausgeglichen werden sollte. Tatsächlich führt der Carry-Trade aber dazu, dass die Verschuldungswährung zunächst einmal längere Zeit schwächer wird und die Strategie damit sogar noch rentabler macht.

Denn wer sich in Dollar verschuldet, um das Geld andernorts anzulegen, der tauscht die geliehenen Dollar am Devisenmarkt in Fremdwährung. Carry-Trades sind umso rentabler, je mehr Investoren in die gleiche Richtung marschieren. Die Bundesbank hat errechnet, dass sich das Risiko für die Trader prinzipiell auszahlt. Im Durchschnitt und langfristig machen sie mit dieser Strategie gute Gewinne.

Das Geschäft geht so lange gut, bis die Carry-Währung so unterbewertet ist, dass nicht mehr genug Investoren an eine weitere Abwertung glauben - oder die Notenbank ihre Niedrigzinspolitik aufgibt. Dann kehrt sich das Spiel um, nur viel schneller, als es sich aufgebaut hat. Die Analysten der französischen Investmentbank Natixis raten zurzeit davon ab, sich weiter in Dollar zu verschulden. Zu groß sei das Risiko, das von der Unsicherheit über die amerikanische Geldpolitik ausgehe.

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