Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2012

14:41 Uhr

Dänen-Krone gefragt

Zentralbank will Euro-Anbindung verteidigen

Dänemarks Regierung hat fleißig gespart und damit der eigenen Währung auf die Sprünge geholfen. Bei Investoren hat die Krone an Beliebtheit gewonnen. Die Zentralbank verteidigt aber die Anbindung an den Euro.

huGO-BildID: 21929391 Das Schild "Dänemark" mit den Sternen der EU steht am Donnerstag (12.05.2011) am deutsch-dänischen Grenzübergang in Padborg bei Flensburg. Die dänischen Behörden wollen in zwei bis drei Wochen erstmals wieder regelmäßig an den Grenzen zu Deutschland und Schweden Reisende kontrollieren. Wie ein Sprecher des Finanzministeriums in Kopenhagen am Donnerstag mitteilte, sollen die entsprechenden Vorbereitungen sofort anlaufen. Foto: Carsten Rehder dpa/lno (zu dpa 0625 vom 12.05.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++ dpa

huGO-BildID: 21929391 Das Schild "Dänemark" mit den Sternen der EU steht am Donnerstag (12.05.2011) am deutsch-dänischen Grenzübergang in Padborg bei Flensburg. Die dänischen Behörden wollen in zwei bis drei Wochen erstmals wieder regelmäßig an den Grenzen zu Deutschland und Schweden Reisende kontrollieren. Wie ein Sprecher des Finanzministeriums in Kopenhagen am Donnerstag mitteilte, sollen die entsprechenden Vorbereitungen sofort anlaufen. Foto: Carsten Rehder dpa/lno (zu dpa 0625 vom 12.05.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++

KopenhagenDie dänische Krone ist zu einem Zufluchtsort inmitten der Staatsschuldenkrise in der Euro-Region geworden - die Investoren belohnen die fiskalische Disziplin der Regierung. Dänemark hat bei der Emission von zehnjährigen Staatsanleihen inzwischen noch niedrigere Finanzierungskosten als Deutschland. Die Zentralbank will die Anbindung der Krone an den Euro auch im Falle des Austritts eines Mitglieds aus der Europäische Währungsunion aufrecht erhalten - durch Interventionen oder durch Zinsveränderungen, wie Notenbankgouverneur Nils Bernstein in einem Interview mit Bloomberg News in darlegt.

„Wenn es auf die eine oder andere Weise zu Druck kommt, intervenieren wir im Markt. Und wenn das nicht genug ist, verändern wir die Zinsen“, sagte Bernstein in Kopenhagen. Die Zentralbank habe sich der Anbindung der Währung verpflichtet. Im Hinblick auf die Devisenreserven „haben wir kein bestimmtes Volumen im Sinn - sie müssen nur ausreichend sein”, ergänzte er. Die Zentralbank habe auch keine Pläne, neue Instrumente einzuführen.

Seit die Krone als sicherer Hafen gefragt ist, war die Zentralbank bereits gezwungen ihre Interventionen am Devisenmarkt zur Verteidigung der Kronen-Anbindung zu verstärken. Darüber hinaus hat Nationalbanken bereits signalisiert, dass die Leitzinsen auch unter null sinken könnten.

„Wir verfügen über die Instrumente für die Umstände, die nach unserer Einschätzung eintreten könnten”, sagte der 69- jährige Bernstein weiter. Die Anbindung der Krone an den Euro “fördert Vertrauen in unsere Währung und das ist ein großer Vorteil für unsere Unternehmen und für alle Geschäftspartner Dänemarks.“

Am 24. Mai hatte die Zentralbank den ohnehin rekordniedrigen Leitzins von 0,7 Prozent auf 0,6 Prozent herunter gesetzt. Der Zins für Einlagenzertifikate wurde um 0,1 Prozentpunkte auf ein Allzeittief bei 0,2 Prozent gesenkt.

Dänemark ist eines von zwölf Ländern, das von allen drei großen Ratingagenturen mit der erstklassigen „AAA“- Bonitätsnote benotet wird. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen fiel am Mittwoch auf ein Rekordtief bei 1,1 Prozent. Zum Vergleich: Zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentierten bei 1,26 Prozent.

Bei der allerersten Auktion von inflationsgeschützten dänischen Anleihen im Mai kam es zu einer negativen Rendite - Investoren bezahlten dafür, dänische Kronen-Schulden zu erwerben.

Die Krone gewann an Beliebtheit bei Investoren, seit Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt die Ziele für den Abbau des Haushaltsdefizits für dieses und nächste Jahr verschärfte. So soll das Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr auf 1,7 Prozent im Jahr 2013 sinken. Der Durchschnitt für die Europäische Union liegt bei 3,6 Prozent für 2012 und 3,3 Prozent für das kommende Jahr. „Wichtig ist, dass Vertrauen in die Haushaltspolitik eines einzelnen Staats besteht - und das genießen wir hier in Dänemark“, sagte Bernstein. „Im Vergleich zu anderen Ländern stehen wir gut da“.

Die dänische Zentralbank hat mit der Europäischen Zentralbank vereinbart, dass die Krone nicht mehr als 2,25 Prozent nach oben oder unten um den Kurs von 7,46038 Kronen je Euro schwankt. Nach Angaben auf der Internetseite der Zentralbank wurde die Koppelung zuletzt 1987 angepasst. Die Anbindung nun zu verändern, um die Einschätzung des Marktes wiederzugeben, ist für Bernstein jedoch keine Option. „Der festgelegte Wechselkurs funktioniert gut für Dänemark“, sagte er.

Als Nationalbanken zuletzt den Leitzins senkte, rutschte die dänische Währung mit 7,4306 Kronen je Euro auf ein Siebenjahrestief. Am Mittwoch lag der Kurs bei 7,4318 Kronen. Die Zentralbank kämpfe mit “Zähnen und Klauen” um die Krone zu schwächen, schrieb Jan Stoerup Nielsen, Leitender Analyst bei Nordea Bank AB in Kopenhagen, am 29. Mai in einer Mitteilung für Investoren. Nordea erwartet, ebenso wie Danske Bank A/S, die größte Geschäftsbank des Landes und Nykredit A/S, die größte Hypothekenbank, weitere Leitzinssenkungen.

„Wir rechnen damit, dass der derzeitige Finanzstress diese Woche anhält und auch der Zustrom in die Krone anhalten wird”, schrieb Arne Lohmann Rasmussen, Chef-Währungsanalyst bei Danske Bank in einer Einschätzung vom 29. Mai. „Es besteht kein Zweifel, dass die dänischen Zinsen rasch auf null oder darunter sinken werden”.

Im Februar hatten die dänischen Devisenreserven das Spitzenvolumen von 498,7 Mrd. Kronen erreicht, dann verringerten sie sich auf 482 Mrd. Kronen im April. Nationalbanken hatte vor vier Jahren angefangen, die Devisenreserven, die nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers auf ein Zehnjahrestief bei rund 160 Mrd. Kronen abgeschmolzen waren, wieder aufzubauen. “Wir als Zentralbank verfügen über die Instrumente, die wir benötigen, um unser Mandat zu erfüllen”, sagte Bernstein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×