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13.09.2012

11:07 Uhr

Der Bild-Zeitungs-Indikator

Vorsicht, wenn alle über Gold reden!

VonIngo Narat

Steigt der Goldpreis noch weiter oder stürzt er ab? Wer die Antwort wissen will, sollte sich die Medienberichte über Gold anschauen. Wann Sie vorsichtig werden sollten - eine exklusive Auswertung.

Wenn der Goldpreis steigt, berichten Medien vermehrt – für Anleger ein Warnsignal. dpa

Wenn der Goldpreis steigt, berichten Medien vermehrt – für Anleger ein Warnsignal.

FrankfurtSteigt der Goldpreis über 8.000 Dollar oder wird er kollabieren? Zwischen diesen Extremen schwanken die Prognosen derzeit. Wer wissen möchte, welche verlässlicher ist, der sollte die Medienberichte über Gold genauer anschauen. Wenn Zeitungen euphorische Berichte veröffentlichen, müssen Anleger vorsichtig werden. Dies belegt eine Handelsblatt-Auswertung. Und Investoren sollten eher mutig zugreifen, wenn die Perspektiven für Gold düster dargestellt werden.

„Das Medienverhalten spiegelt die Stimmung wider, daher ist es oft ein verlässlicher Kontraindikator“, warnt Ronald Stöferle, Goldanalyst bei der Ersten Bank in Wien, die Anleger. Nach dem Motto: Bei euphorischer Stimmung haben viele Anleger schon investiert, es können nur noch wenige kaufen, so dass es kaum Raum für weitere Preissteigerungen gibt – und umgekehrt.

Weltweite Nachfrage nach Gold in Tonnen

2002

Schmuck: 2.662

Barren und Münzen: 352

Technologie: 358

Öffentlicher Sektor: -547

Gesamt: 2.827

2003

Schmuck: 2484

Barren und Münzen: 302

ETFs: 39

Technologie: 386

Öffentlicher Sektor: -620

Gesamt: 2.592

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 347

ETFs: 133

Technologie: 419

Öffentlicher Sektor: -479

Gesamt: 3.036

2005

Schmuck: 2,719

Barren und Münzen: 394

ETFs: 208

Technologie: 438

Öffentlicher Sektor: -633

Gesamt: 3.095

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Technologie: 468

Öffentlicher Sektor: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 434

ETFs: 253

Technologie: 476

Öffentlicher Sektor: -484

Gesamt: 3.103

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 868

ETFs: 321

Technologie: 461

Öffentlicher Sektor: -235

Gesamt: 3.719

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 779

ETFs: 623

Technologie: 410

Öffentlicher Sektor: -34

Gesamt: 3.591

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.201

ETFs: 382

Technologie: 466

Öffentlicher Sektor: 77

Gesamt: 4.143

2011

Schmuck: 1.974

Barren und Münzen: 1.505

ETFs: 185

Technologie: 453

Öffentlicher Sektor: 458

Gesamt: 4.574

Diese Aussage wird durch eine Handelsblatt-Auswertung von 13 Tageszeitungen und Magazinen seit 2007 gestützt. Gezählt wurden für jeden Monat die Beiträge, in denen die Begriffe „Gold“ und „Anleger“ vorkamen. Hohe Notierungen waren stets begleitet von neuen Rekorden bei der Anzahl der Beiträge. Die Aufmerksamkeit sinkt dagegen bei fallenden Preisen, nimmt aber bei starken Kursverlusten zu. „Wenn der Preis steigt, erregt das Aufmerksamkeit, es wird berichtet – das ist ganz normal“, sagt Robert Rethfeld, Inhaber der Analysefirma Wellenreiter Invest.

Es gebe sogar einen sich selbst verstärkenden Kreislauf, sagt Philip Klapwijk von der Edelmetallberatungsfirma GFMS. „Steigende Preise erzeugen mehr Berichterstattung; deshalb kaufen mehr Anleger Gold, der Preis steigt, es gibt mehr Artikel und so weiter.“

Ein vorläufiger Höhepunkt war der 6. September vergangenen Jahres, als eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold 1 920 Dollar kostete. Im September 2011 gab es 107 Beiträge zum Thema. Das war dem starken Preisanstieg in den Monaten zuvor zu verdanken. Die Medien überschlugen sich denn auch mit Berichterstattung: Insgesamt 213 Mal ging es im August 2011 um Gold und Anleger – so viele Beiträge gab es noch nie.

Noch stärkere Aussagen als eine Zählung der Berichte liefert laut Rethfeld der sogenannte Titelindikator. Wenn Massenmedien Gold zum Aufmacherthema küren, ist oft eine Wendemarke erreicht. Am 11. August vergangenen Jahres breitete die „Bild“-Zeitung auf ihrer ersten Seite Goldbarren aus. Sie verloste über 100 Barren zu je 20 Gramm. „Das ist völlig normal. Ähnliches haben wir auch bei Aktien oder dem Dollar als Titelthema in wichtigen Medien erlebt“, sagt Analyst Rethfeld.

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„Herdenverhalten ist Teil des Mediensystems“, sagt Klapwijk. Das stimmte auch im vergangenen Herbst. Nach dem neuen Hoch beim Gold und der Anzahl der Medienberichte fielen die Notierungen über viele Monate. Schlusspunkt war der 16. Mai dieses Jahres mit einem Tief bei 1 527 Dollar.

Kommentare (28)

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Account gelöscht!

13.09.2012, 11:48 Uhr

Interessiert mich nicht die Bohne ob er gerade steigt oder fällt...die Unze wird weiter 1 Unze bleiben während das Papiertheater abfackelt. Was ich mir danach damit leisten kann ist interessant, nicht ob es jetzt 200 mehr oder weniger kostet.

EhrlicherRatgebersagt

13.09.2012, 11:53 Uhr

...Vorsicht wenn sie in der Presse solche Art von Artikel lesen. Kaufen sie einfach alle regelmäßig Gold, Silber, Aktien und andere Sachwerte und pfeifen auf solch unqulifizierte Artikel und Äußerungen. Besser können sie es nicht machen, denn das Schneeballsystem von Euro-Anleihen wird implodieren und in sich zusammenfallen. Zudem auch die Schuldenberge, welche historisch niemalshöher waren. Und kaufmännisch gilt für viele Länder: "Wer dauerhaft mehr ausgibt, als er einnimmt, ist früher oder später pleite"!

Account gelöscht!

13.09.2012, 12:03 Uhr

Leider verstehen die wenigsten, dass Papier keinen inneren Wert hat.

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