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03.04.2013

10:00 Uhr

„Der Euro hat viele Probleme“

Dänemark bleibt das Land der Euro-Ablehner

Die Euro-Befürworter in Dänemark liegen in Umfragen weit zurück. Rettungspakete vergraulen die Dänen. Die Euro-Krise macht Dänemark zu einem attraktiven Anlageziel – das war nicht immer so.

Anit-Euro-Schilder vor dem Referendum im Jahr 2000. Ein Euro-Beitritt Dänemarks bleibt unwahrscheinlich. ap

Anit-Euro-Schilder vor dem Referendum im Jahr 2000. Ein Euro-Beitritt Dänemarks bleibt unwahrscheinlich.

Kopenhagen/FrankfurtDänemarks Aversion gegen den Euro ist so ausgeprägt wie schon lange nicht mehr. Die Währungsgemeinschaft hangelt sich von einem Rettungspaket zum nächsten - ein Schauspiel, das die dänischen Wähler offenbar nicht anspricht.

Auf absehbare Zeit werde ein Beitritt zur Währungsunion in Dänemark kein Diskussionsgegenstand sein, erwartet Lars Rohde, der Gouverneur der Notenbank in Kopenhagen. Seit der Einführung des Euro im Jahre 1999 ist der Kurs der Landeswährung Krone an den Euro gekoppelt.

„Ein Euro-Referendum ist nach meiner Auffassung für eine beträchtliche Zeit keine Option“, sagte Rohde vergangene Woche im Interview mit Bloomberg News.

Dänemark, wo das Wahlvolk zuletzt 2000 den Euro-Beitritt in einem Referendum ablehnte, hat kein Datum für eine neue Volksbefragung bestimmt. In einer am Montag von der Danske Bank A/S veröffentlichten Erhebung betrug der Rückstand der Befürworter eines Euro-Beitritts auf die Ablehnenden 42 Prozent - nur knapp unterhalb des Rekordabstands von 44,6 Prozent, der im Dezember 2011 ermittelt wurde. Danske sieht die Schuldenkrise im Euroraum sowie die ungewöhnlich niedrigen Zinsen in Dänemark als Hauptgründe für das Ergebnis.

Die Chronologie des Euro

1. Juli 1987

Das Ziel Währungsunion wird im EG-Vertrag verankert.

7. Februar 1992

Unterzeichnung des EU-Vertrages von Maastricht, der die Währungsunion bis 1999 vorsieht und Beitrittskriterien festlegt.

1. November 1993

Ratifizierung des Maastricht-Vertrages. Aus den Europäischen Gemeinschaften (EG) wird die Europäische Union (EU). Dezember 1995: Als Einheiten der neuen Währung werden Euro und Cent festgelegt.

16. und 17. Juni 1997

Verabschiedung des Stabilitäts- und Wachstumspakts in Amsterdam. Einigung auf die „europäische Seite“ für die Münzen.

25. März 1998

Die EU-Kommission und das Europäische Währungsinstitut (EWI), Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB) empfehlen elf Länder für den Start der Währungsunion. Außen vor bleiben aus freien Stücken Großbritannien, Dänemark, Schweden sowie Griechenland, das die Kriterien noch nicht erfüllt.

1. bis 3. Mai 1998

Ein Sondergipfel der EU-Gremien gibt in Brüssel grünes Licht für den Euro. Die Staats- und Regierungschefs bestimmen den 1. Januar 1999 als Start der Währungsunion.

31. Dezember 1998

Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU legen den Umrechnungskurs des Euro zu den elf Teilnehmerwährungen endgültig fest. Danach ist ein Euro 1,95583 D-Mark wert.

1. Januar 1999

Der Euro wird gemeinsame Währung der elf Länder. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte nationale Geld bleibt noch das allein gültige Zahlungsmittel.

4. Januar 1999

Die Finanzmärkte nehmen den Handel mit Euro auf.

Juli 1999

Die Herstellung des neuen Bargelds läuft an.

1. Januar 2001

Griechenland wird nach Erfüllung der Beitrittskriterien zwölftes Euroland-Mitglied - allerdings mit frisierten Haushaltszahlen, wie sich später herausstellt.

1. September 2001

Beginn der Ausgabe von Noten und Münzen an Banken und Handel.

1. Januar 2002

Der Euro wird gesetzliches Zahlungsmittel.

1. März 2002

Die D-Mark verliert ihre Gültigkeit, kann aber weiterhin gegen Euro eingetauscht werden.

1. Mai 2004

Zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum werden neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen.

1. Januar 2007

Als erster der neuen EU-Staaten wird Slowenien 13. Mitgliedsland der Euro-Zone. Ein Beitrittsgesuch Litauens wird hingegen von der EU-Kommission wegen überhöhter Inflation abgelehnt.

1. Januar 2008

Malta und die Republik Zypern führen den Euro ein.

1. Januar 2009

Die Slowakei führt den Euro ein.

Frühjahr 2010

Griechenland kommt in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euroland Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, die sich trotz neuer Milliarden-Hilfspakete auch für Irland und Portugal bis Ende 2011 dramatisch verschärft.

1. Januar 2011

Zum Auftakt des schlimmsten Krisenjahres führt Estland den Euro ein - als erste frühere Sowjetrepublik. Damit leben gut 330 Millionen Menschen im Euro-Raum mit 17 Mitgliedsländern.

April 2011

Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

Sommer 2011

Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

Herbst 2011

Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken.

Frühjahr 2012

Die Eurogruppe einigt sich auf eine Stärkung ihrer Rettungsschirme auf maximal 800 Milliarden Euro. Die spanische Regierung beschließt das größte Sparpaket seit Wiedereinführung der Demokratie im Jahr 1977 in Höhe von 27 Milliarden Euro.

Sommer 2012

Nach langem Zögern flüchten Spanien und auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

1. Januar 2017

Der Euro wird 15 Jahre alt. Doch es gibt wenig zu feiert. In der großen Koalition wächst die Sorge vor einer neuen Euro-Krise - und das ausgerechnet im Wahljahr 2017. Die Krisenherde: Italien, Griechenland, Portugal und Frankreich. Die gute Lage in Deutschland gilt dagegen unter Experten als Sonderfall.

„Unsere jüngste Umfrage deutet darauf hin, dass sich diese Skepsis nur mit großem Aufwand überwinden ließe“, schrieb Steen Bocian, Chefökonom bei Danske in Kopenhagen, in einer Notiz. „Man müsste im Fall einer Volksbefragung in naher Zukunft wohl mit einem klaren Nein rechnen.“

Es ist billiger, sich gegen einen Zahlungsausfall auf dänische Staatspapiere abzusichern als gegen Verluste auf deutsche Bundesanleihen. Am Dienstag wurden fünfjährige Kreditausfallswaps auf dänische Staatsanleihen bei 32 Basispunkten gehandelt, während vergleichbare Kontrakte auf deutsche Staatsschulden 35 Basispunkte kosteten, wie sich aus Bloomberg-Daten ergibt.

Dänemark genießt die Vorteile eines stabilen Wechselkurses zum Euro, ohne die Unannehmlichkeit einer Beteiligung an Rettungspaketen auf sich nehmen zu müssen. Die staatliche Schuldenlast ist nicht einmal halb so hoch wie der Durchschnittswert im Euroraum. Die Haushaltskrise Europas löste vergangenes Jahr einen Zufluss von Mitteln in dänische Vermögenswerte aus, so dass die Notenbank sich gezwungen sah, ihre Zinsen auf Rekordtiefstände zu senken.

Der dänische Einlagesatz, der im vergangenen Juli auf den nie dagewesenen Stand von minus 0,2 Prozent gesenkt wurde, wurde im Januar von der Notenbank auf minus 0,1 Prozent angehoben. Der Leitzinssatz für Ausleihungen liegt bei 0,3 Prozent, 0,45 Prozentpunkte unterhalb des Satzes der EZB.

Kommentare (25)

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scheibenkleister

03.04.2013, 10:19 Uhr

@GernotMeyer: Sie haben es korrekt geschrieben: die Maßstäbe der Medien, nicht der Menschen. Die Ablehungswerte wären in Deutschland trotz Dauerberieselung mit Pro-EUR Propaganda inzwischen vermutlich ähnlich wie in Dänemark oder schlechter, wer weiss?. Wieso gibt es eigentlich keine Volksbefragung? .....alles lupenreime EU-Demokraten, solange das gewünschte Ergebnis zu erahnen ist, wenn nicht, wird auch das (unkalkulierbare lümmelhafte) Volk nicht gefragt. Die Schweizer und Dänen machen es besser.... wäre D genauso demokratisch, dann wäre der EUR vermutlich nicht gekommen. Und dann hätten wir keine Plakate mit Merkel und Bärtchen in Zypern. Der EUR ist sicher, die EZB ist so sicherheitsorientiert wie die Bundesbank, die Renten sind sicher, die Steuern werden nicht erhöht, kein bail out, der Vertrag von Masstricht wird eingehalten und die Erde ist eine Scheibe.

Account gelöscht!

03.04.2013, 10:24 Uhr

Die Dänen wurden wenigstens gefragt. Uns hat keiner gefragt, ob wir korrupte Dolce-Vita-Staaten durchfüttern wollen.

Aber im Herbst können wir der uniformen Polit-Quadriga aus CDUFDPSPDGRÜNE eine Antwort geben: AfD!

Michael

03.04.2013, 10:37 Uhr

"Die Ablehungswerte wären in Deutschland trotz Dauerberieselung mit Pro-EUR Propaganda inzwischen vermutlich ähnlich wie in Dänemark oder schlechter, wer weiss?."

Immerhin war bei einer Online-Umfrage beim..Spiegel, wenn ich mich recht entsinne, vor einigen Tagen eine über-90%ige Mehrheit von rund 43000 Teilnehmern gegen den Euro.
Das ist schon gewaltig, aber ich persönlich denke, dass das Internet eine andere Kultur hält, wie der Normalbürger von der Straße reagieren würde. Besonders auf Foren/Diskussionen wie diese hier im HB, oder dort im Spiegel.

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