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14.01.2013

10:30 Uhr

Der Schwächste gewinnt

Währung als Waffe

VonJörg Hackhausen

Weltweit setzen Regierungen und Notenbanken alles daran, die eigene Währung zu schwächen. Der Abwertungswettlauf ist längst im Gange, er könnte dieses Jahr einen neuen Höhepunkt erreichen. Am Ende gibt es nur Verlierer.

Yen, Yuan und Dollar: Der Abwertungswettlauf hat längst begonnen. Reuters

Yen, Yuan und Dollar: Der Abwertungswettlauf hat längst begonnen.

DüsseldorfEine Währung muss stabil sein, und sie muss stark sein. Das denken immer noch viele Deutsche. Sie haben offenbar nicht mitbekommen, dass diejenigen, die die Geldpolitik bestimmen, ganz anderes im Sinn haben.

Weltweit setzen Regierungen und Notenbanken alles daran, die eigene Währung zu schwächen; auch wenn kaum einer das offen zugibt. Der Abwertungswettlauf ist längst im Gange, er könnte in diesem Jahr einen neuen Höhepunkt erreichen. Die Ursachen liegen in der Schuldenkrise. Es ist der Versuch, sich durch eine billigere Währung einen Vorteil auf dem Weltmarkt zu erkaufen. Dies geht auf Kosten der Länder, die solide gewirtschaftet haben – und auf Kosten der eigenen Bürger, die an Kaufkraft einbüßen. Im Englischen ist diese Politik auch unter dem Stichwort „Beggar thy neighbour“ (zu Deutsch: „Mach deinen Nachbarn arm“) bekannt.

„Wir leben schon in einer Zeit, in der die meisten Zentralbanken versuchen, ihre Währungen zu schwächen, um sich Vorteile im Welthandel zu verschaffen und strukturelle Defizite in ihren Ländern zu übertünchen“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Früher seien die Wechselkurse maßgeblich durch Zinserwartungen beeinflusst worden, die wiederum von den Konjunkturaussichten getrieben wurden. „Heute sind die Zinsen in vielen Industrieländern praktisch bei null“, sagte Krämer. „Jetzt treiben die Notenbanken das Spiel weiter, indem sie durch ihre sehr expansive Geldpolitik Liquidität auf den Markt werfen.“

So funktionieren Eingriffe in den Devisenmarkt

Wie verläuft so ein Eingriff?

Die Intervention einer Notenbank bezieht sich immer auf die eigene Landeswährung. Die Zentralbanker kaufen oder verkaufen am Devisenmarkt die eigene Währung in großen Mengen, um deren Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen. Durch einen Kauf soll die Devise auf- und durch einen Verkauf abgewertet werden.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Generell werden durch eine Abwertung die Exporteure im eigenen Land meist gestärkt, weil sie ihre Waren im Ausland günstiger verkaufen können. Allerdings schmeckt dies oft anderen Ländern nicht, da ihre Firmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Zentralbanken und Staaten sehen nur selten tatenlos zu, wenn sich die Bedingungen für ihre Exporteure massiv verschlechtern. Im schlimmsten Fall droht ein Abwertungswettlauf der Währungen.

Wie kann der Erfolg eines Eingriffs wahrscheinlicher werden?

Ein Eingriff in den Devisenmarkt ist also meist nur dann erfolgreich, wenn er mit anderen Notenbanken abgesprochen ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Federal Reserve (Fed) in den USA haben im vergangenen Jahr nur wenig Bereitschaft erkennen lassen, sich an einer Interventionen ihrer Kollegen zu beteiligen.

Wie verliefen solche Eingriffe?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat während der europäischen Schuldenkrise versucht, die Aufwertung des Franken zum Euro zu stoppen. Dafür deckte sich die Nationalbank im großen Umfang mit Euro ein. Kritiker warfen der SNB vor, der Alleingang am Devisenmarkt habe nichts gebracht - der Franken legte sogar weiter zu. Immerhin gelang es der Nationalbank eine Untergrenze von 1,20 Franken zu verteidigen.

War die EZB bereits an einer solchen Maßnahme beteiligt?

Die EZB intervenierte zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den internationalen Währungsmärkten. Damals hatten EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro gekauft, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Natürlich können nicht alle Währungen auf einmal abwerten. Wenn eine Devise an Wert verliert, muss ihr Gegenpart entsprechend gewinnen. Deshalb kommt es darauf an, im Abwertungswettlauf schneller als andere zu sein. Wer nicht mitmacht, riskiert die Aufwertung seiner Währung – ein entscheidender Nachteil in einer Zeit, in der die Weltwirtschaft nach wie vor angeknackst ist.

Ganz besonders akribisch arbeiten die Industriestaaten an der Abwertung: die USA, Japan, Großbritannien, aber auch die Euro-Zone. Einerseits haben die Zentralbanken ihre Leitzinsen auf Rekordtief gedrückt. Niedrige Zinsen machen Investitionen in Dollar, Pfund und Euro unattraktiver, was den Wechselkurs drückt.

Kommentare (17)

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n1ck

14.01.2013, 10:40 Uhr

Wer keine Lust mehr hat sich von Notenbanken weltweit verarschen zu lassen sollte sich mal Bitcoin anschauen.
Dürfte wohl eine unter wenigen Währungen sein die aufwerten wird. Und zudem können keine Idioten Geld drucken wie sie wollen und abwerten.

Account gelöscht!

14.01.2013, 10:50 Uhr

...und was macht die älteste aller Währungen, Gold, in diesem Abwertungswettlauf? Welche Zentralbank druckt Gold?

Account gelöscht!

14.01.2013, 11:48 Uhr

Wenn wir ehrlich sind, war Deutschland mit der Auslöser. Deutschland steht als wirtschaftlich starkes Land da, erreicht nicht durch Innovationen, sondern durch die Euro-Billigwährung. Durch den Euro wird die deutsche Wirtschaft subventioniert, was natürlich auch anderen Ländern auffällt. Das das auf Kosten der Nachbarn geht, ist egal.
Die eigenen volkswirtschaftlichen Nachteile, die langfristig wirken, werden natürlich ignoriert.

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