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08.10.2014

11:21 Uhr

Deutsche Bank-Prognose

Euro bald weniger wert als ein Dollar?

Am Devisenmarkt muss der Euro in herbe Kursverluste hinnehmen. Die Deutsche Bank toppt sogar Goldman Sachs bei ihrem Pessimismus für den Euro. Gibt es für einen Euro bald nicht einmal mehr einen Dollar?

Zentrale der Deutschen Bank: Deutschlands größtes Institut sieht das Potenzial des Euro skeptisch. dpa

Zentrale der Deutschen Bank: Deutschlands größtes Institut sieht das Potenzial des Euro skeptisch.

FrankfurtDer europäischen Gemeinschaftswährung stehen harte Zeiten bevor. Ein Abrutschen des Euro unter einen Dollar hält die Deutsche Bank bis 2017 für möglich. Währungsstratege George Saravelos macht dafür in einer Studie unter anderem extrem niedrige Wachstumsraten und einen hohen Kapitalabfluss aus der Euro-Zone verantwortlich.

2017 werde ein Euro nur noch 95 US-Cent kosten, erklärte Saravelos. Das wäre so wenig wie zuletzt im Sommer 2002. Deutschlands größte Bank ist weltweit der zweitgrößte Devisenhändler. Die Deutsche Bank ist mit ihrer pessimistischen Einschätzung für den Euro nicht allein. Barclays sagt auf Sicht eines Jahres einen Euro von 1,10 Dollar voraus, Goldman Sachs sieht den Euro 2017 bei einem Dollar stehen.

Es gibt aber keine einheitliche Sicht aller Marktbeobachter. Jon Ingram, Managing Director und Portfoliomanager bei der Investmentgesellschaft JP Morgan, mahnt zur Gelassenheit. „Es werden viele Research-Studie angefertigt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen“, sagt Ingram. „Und Aufmerksamkeit bekommt man nur, wenn man große Sprünge vorhersagt“. Sein Institut sieht den Euro nicht so schwach wie die Konkurrenz. „Wir glauben nicht an seine solchen großen Euro-Kursverfall“, sagt Ingram.

Auch bei bodenständigeren Marktbeobachtern ist die Sicht auf die Devisenmärkte nüchterner. In einer Aktienmarktprognose der öffentlichen Institute von Ende September sahen die Landesbanken Helaba, NordLB, Bayern LB, LBBW und die Deka Bank den Euro bis Ende diesen Jahres zwischen der Marke von 1,25 Dollar und 1,30 Dollar.

Geschichte des Euro

Anfänge

Das Ziel einer Währungsunion war bereits im EG-Vertrag verankert. Am 1. Januar 1999 ist es so weit: Der Euro wird gemeinsame Währung von elf Ländern. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte Geld bleibt jedoch zunächst das allein gültige Zahlungsmittel. Wenige Tage später nehmen auch die Finanzmärkte den Handel mit Euro auf.

Euro-Zone

Zu den ersten Ländern, die den Euro einführten, gehörten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Griechenland trat erst 2001 der Gemeinschaft bei, da es vorher nicht die Auflagen erfüllte. Großbritannien, Dänemark und Schweden verzichteten auf den Euro.

Bargeld

Am 1. Januar 2002 wird der Euro in zwölf Ländern gesetzliches Zahlungsmittel. Die D-Mark behält für zwei Monate ihr Gültigkeit, kann danach aber immer noch gegen Euro eingetauscht werden. Der Wechselkurs ist festgesetzt auf 1 Euro = 1,95583 D-Mark.

Neue Mitglieder

2004 werden zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen. Bis heute sind allerdings nur fünf weitere Staaten der Euro-Zone beigetreten, nämlich Slowenien, Malta, Zypern, Estland und die Slowakei. Damit gibt es insgesamt 17 Länder in Europa, in denen offiziell mit Euro bezahlt werden kann.

Höchststand

Ende August 2008 steigt der Euro zum ersten Mal über die psychologisch wichtige Marke von 1,50 US-Dollar. Sein bisheriges Allzeithoch von 1,5990 Dollar erreicht die Gemeinschaftswährung am 15. Juli, wobei der höchste je am Markt gehandelte Kurs sogar über 1,60 Dollar liegt.

Schuldenkrise

Im Frühjahr 2010 kommt Griechenland in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euro-Land Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, in dessen Zuge weitere Länder, darunter Irland und Portugal, um Geldmittel bitten müssen. In der Öffentlichkeit wird heftig über einen möglichen Zusammenbruch der Euro-Zone spekuliert. Die Gemeinschaftswährung wertet kontinuierlich ab.


Die Gemeinschaftswährung notiert derzeit bei rund 1,267 Dollar. In diesem Jahr ist die Schwankungsbreite ungewöhnlich hoch: Noch im Mai hatte der Euro ein Zwei-Einhalb-Jahres-Hoch von knapp unter 1,40 Dollar erreicht, ehe er am 3. Oktober bis auf 1,2501 Dollar abstürzte - das war der niedrigste Stand seit Sommer 2012.

Als Auslöser für die Euro-Verkäufe gilt die wachsende Zinsdifferenz zum Dollar. Denn während in den USA die Notenbank Fed bereits über ein Anziehen der Zinsschraube im nächsten Jahr nachdenkt und die Geldschleusen bereits in diesem Jahr gedrosselt hat, wird in der Euro-Zone gerade über Anleihekäufe im großen Stil nach Fed-Vorbild diskutiert.


Von

rtr

Kommentare (16)

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Herr wulff baer

08.10.2014, 11:40 Uhr

Da werden 2 Todkranke im Wettbewerb gesehen.

Für die Goldcracks eine gute Nachricht, denn der Goldpreis könnte dann in Euro um bis zu einem Drittel steigen.

Und der ClubMed und die anderen Kreditbetrüger können dann ihre Hightech-Produkte wie Olivenöl, Spaghetti und Feta besser absetzen.

Und Falschgelddrucker Draghi wird jubeln, denn er hat ja immer gewußt, dass eine schwache Währung mit Inflation ganz gut zu dem Auslaufmodell EU passt.

Herr Thomas Albers

08.10.2014, 11:44 Uhr

"Gibt es für einen Euro bald nicht einmal mehr einen Dollar?"

Auch gerade... Wenn die Euro-Zone so abrutscht, dann ist auch in den USA Saure-Gurken-Zeit.

Herr Thomas Albers

08.10.2014, 11:47 Uhr

"Für die Goldcracks eine gute Nachricht, denn der Goldpreis könnte dann in Euro um bis zu einem Drittel steigen."

Warum sollte das eine gute Nachricht sein? Man bekommt doch laut Gold-ist-Geld-Lehre immer gleich viel Brot für eine Unze... *g*

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