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04.04.2013

09:55 Uhr

Devisen

Analysten streiten über mögliche Dollar-Rally

Euro, Pfund und Yen stehen unter Druck – viele Analysten setzen deshalb auf eine große Rally des US-Dollars. Doch die Strategen von BNP Paribas warnen vor verfrühten Investitionen. Was für und gegen den Dollar spricht.

Die BNP-Strategen glauben nicht an einer Dollar-Rally. dpa

Die BNP-Strategen glauben nicht an einer Dollar-Rally.

New YorkDie französische Bank BNP Paribas widerspricht der am Devisenmarkt verbreiteten Ansicht, dass der Beginn einer anhaltenden Dollar-Rally kurz bevor steht. Auch wenn die Eurozone derzeit mit der fünften Rettungsaktion beschäftigt ist, Japan seine Währung abwertet und Großbritannien dabei ist, in eine „Triple-Dip-Rezession” abzurutschen, sehen die Strategen der Pariser Bank Gegenwind für den Dollar. Sie verweisen darauf, dass die US-Wirtschaft noch nicht stark genug sei, um ohne die quantitative geldpolitische Lockerung der US- Notenbank Federal Reserve Bank auszukommen.

Eine Kaufposition beim Dollar „ist verfrüht”, erklärt Michael Sneyd, Devisenstratege bei BNP Paribas in London. „Das Wachstum ist stark genug, um den Risikoappetit zu wecken, aber nicht stark genug, um die Fed zu veranlassen, ihre quantitative Lockerung aufzugeben. Die Fed wird die quantitative Lockerung während des gesamten Jahres noch fortführen.”

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Mit ihrer Ansicht sind die Experten von BNP Paribas allerdings in der Minderheit. Seit dem 1. Februar hat der US- Dollar gegenüber allen anderen wichtigen Währungen der Welt zugelegt, mit Ausnahme des mexikanischen Peso und des australischen Dollar. Hedgefonds und andere große spekulative Investoren beurteilen den Dollar so optimistisch wie zuletzt im Juli, zeigen Daten der US-Terminmarktaufsicht.

In den ersten beiden Runden der quantitativen Lockerung hatte die Fed 2,3 Billionen Dollar in das Finanzsystem gepumpt, und zwar von Dezember 2008 bis März 2010 und von November 2010 bis Juni 2011. Der von der IntercontinentalExchange ermittelte US-Dollar Index, der die Bewegung des Dollars gegenüber Euro, Pfund, Yen, Schweizer Franken, kanadischem Dollar und schwedischer Krone misst, fiel während der ersten Runde um 4,6 Prozent und während der zweiten Runde um 3,9 Prozent.

Bei der dritten Runde, „QE3”, gab der Dollar nicht nach. Im Gegenteil – seit die Fed am 12. September ankündigte, sie werde jeden Monat 40 Mrd. Dollar an Hypothekenanleihen kaufen, hat der Dollar-Index 3,9 Prozent zugelegt. Inzwischen hat die Notenbank ihr Kaufprogramm auf 85 Mrd. Dollar monatlich an Treasuries und Hypothekenpapieren ausgeweitet. Und sie will weiter kaufen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gesunken ist und solange die Inflation unter 2,5 Prozent bleibt.

Kommentare (4)

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aktionaer

04.04.2013, 10:12 Uhr

Wenn nun bald auch die EZB den Geldhahn weiter aufdrehen wird, wird der € absacken. Hinzu kommt, dass die Zypen Sache das Vertrauen in Geldanlage in Euro nachhaltigst beschädigt hat.

Ich vermute mal, der € wird deutlich absacken.

Berliner_Regeln

04.04.2013, 10:46 Uhr

Und was, wenn die Ami´s im Mai in eine Haushaltssperre fallen ?
Wird der Konjunktur und dem $ nicht guttun oder?

Ich glaube der Dollar wird fallen.

mon_yburns@central.banktunnel.eu

04.04.2013, 11:29 Uhr

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