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02.08.2011

13:08 Uhr

Devisen

Anleger fliehen aus dem Euro

Die europäische Schuldenkrise verunsichert die Anleger, zumal sich die Anzeichen für eine Rezession mehren. Der Euro fällt unter die Marke von 1,42 US-Dollar.

Bei Anleger aktuell wenig begehrt: Der Euro. Quelle: dpa

Bei Anleger aktuell wenig begehrt: Der Euro.

Aus Furcht vor einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise und einer weltweiten Rezession haben sich Anleger am Dienstag verstärkt aus dem Euro zurückgezogen. Sie suchten unter anderem Schutz im „sicheren Anlagehafen“ Franken und in Bundesanleihen. Unter Verkaufsdruck gerieten dagegen italienische und spanische Anleihen.

 „Der Markt fürchtet, dass die Welt in die Rezession zurückfällt und die Staaten der europäischen Peripherie würden darunter am stärksten leiden“, sagte ING-Stratege Alessandro Giansanti. Geschürt werden die aktuellen Ängste von einer Reihe schwacher US-Wachstumsdaten.

Die Einigung auf die Anhebung der US-Schuldengrenze wurde zwar mit Erleichterung an den Finanzmärkten aufgenommen, gleichzeitig bestehe aber das Risiko, dass durch die geplanten Einsparungen im Haushalt die dortige Konjunktur weiter abgebremst wird. „Während sich die Wolken der politischen Unsicherheit verziehen, braut sich ein wirtschaftlicher Sturm zusammen“, schrieb Volkswirtin Jelena Schuljatjewa von der BNP Paribas in einem Kommentar.

Unter der wachsenden Risikoscheu der Anleger hatte auch der Euro zu leiden, der sich auf 1,4196 Dollar verbilligte und damit rund einen dreiviertel US-Cent unter dem New Yorker Vortagesschluss sei. Offenbar werde der Euro vom Markt zunehmend als riskante Währung wahrgenommen, da konjunkturell schwierige Phasen zusätzliche Gefahren für den Euro-Raum bedeuteten, konstatierten die Analysten der Commerzbank in ihrem Marktbericht.

Zur Schweizer Währung fiel der Euro auf ein neues Rekordtief von 1,0986 Franken und auch der Dollar hielt sich mit 0,7757 Franken nur knapp über seinen bisherigen Tiefstständen. Auch zum japanischen Yen standen Euro und Dollar unter Druck. Hier verhinderten Börsianern zufolge aber Spekulationen um eine Intervention der Bank von Japan weitere Kursverluste.

Fakten zu den Weltwährungen

Noch dominiert der Dollar

Der Dollar hat derzeit noch den größten Anteil an den internationalen Währungsreserven (61,4 Prozent). Darauf folgt der Euro mit 27,0 Prozent Anteilen. Das Pfund besitzt 4,1 Prozent Anteile an den internationalen Währungsreserven, der Yen 3,6 Prozent und 3,9 Prozent teilen sich sonstige Währungen.

Devisentransaktionen

85 Prozent aller Devisentransaktionen entfielen 2010 auf den Dollar. Damit hat die US-Währung an Bedeutung verloren - vor zehn Jahren war der Dollar an 90 Prozent aller Transaktionen beteiligt. Auf den Euro entfielen 2010 39 Prozent aller Transaktionen, der Yen kam auf 19 Prozent, das Britische Pfund auf 13 Prozent.

(Anmerkung.: die Zahlen summieren sich auf 200 Prozent, da bei jeder Transaktion zwei Währungen beteiligt sind, Quelle: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich)

Schuldenberge

Die Staatsschulden Chinas betragen seit fünf Jahren kontinuierlich um die 20 Prozent des BIP. Die Schulden Europas und der USA steigen hingegen an. 2010 lagen sie zwischen 80 und 90 Prozent des BIP.

Schuldenabbau durch Inflation

52.000 Milliarden Dollar beträgt die Gesamtverschuldung von Unternehmen, Staat und Bürgern der USA, das entspricht rund 355 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ökonomen vermuten, Amerika werde die Staatsschulden durch Inflation abschmelzen. Die Folge wäre ein Dollar-Crash.

Kommentare (12)

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Reitmaier

02.08.2011, 13:31 Uhr

Was für eine Logik in eine Währung zu flüchten (CHF), dessen Wirtschaft den Kopf auf grund des Wechselkurses nicht mehr über Wasser halten kann (also noch grössere Probleme hat als in der EU) und in den Dollar zu rennen und den Euro zu verlassen, mit der Begründung, dass die USA ihr Haushaltsdeffizit nicht in den Griff bekommt. Wau, dass muss man erst mal auf sich wirkten lassen

argelander

02.08.2011, 13:44 Uhr

Wie es scheint, haben die €-Skeptiker in den 90er Jahren mehr als recht gehabt: wenn´s so weitergeht mit Vertragsbrüchen und Schuldenmachen könnte der €uro für Länder wie D, NL, A und Fin zur grössten Vermögensvernichtung seit dem II. WK führen.

Account gelöscht!

02.08.2011, 13:52 Uhr

Europa kollabiert gerade in Zeitlupe. Dass der Euro Tage nach dem desaströsen Amerika-Schulden-Kompromiss noch schwächer als der Greenback notiert, muss erschrecken. Immer deutlicher wird aber, dass Brüssel die Schuldenmisere in den Peripherieländern der Eurozone in keinster Wiese in den Griff kriegt. Am Beispiel Italien, das gerade in den Fokus der Finanzinvestoren geraten war, wird dies überdeutlich. Anstatt gemeinsame Sparanstrengungen voranzutreiben, gefallen sich die Abgeordneten im Streit und gegenseitigen Korruptionsvorwürfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehr als 60 Abgeordntete wegen Bestechung, Vorteilsnahme im Amt, Begünstigung der Mafia und ähnlichen Delikten. Auch der wegen seiner Sparanstrengungen bekannt gewordene Finanzminister Giulio Tremonti gerät immer mehr in den Strudel einer ausgedehnten Korruptionsaffäre. Die Anleihezinsen steigen gleichzeitig unaufhörlich. Die Finanzierung des Staatshaushaltes ist bereits für 2011 massiv gefährdet, denn das Land muss in diesem Jahr noch an die 300 Mrd. Euro am Kapitalmarkt neu verbriefen. In der jetzigen Situation wäre eine reibungslose Plazierung ein Kunststück.

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