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24.02.2011

16:03 Uhr

Devisen

Anleger flüchten in den Schweizer Franken

In unsicheren Zeiten greifen am Devisenmarkt die bekannten Reflexe: Investoren kaufen den Franken, der als Hort der Sicherheit gilt. Aber auch der Euro zeigt Stärke, weil sich Spekulationen auf höhere Euro-Zinsen halten.

Die Schweiz und ihre Währung sind beliebte Zufluchtsorte für Investoren. Quelle: dpa

Die Schweiz und ihre Währung sind beliebte Zufluchtsorte für Investoren.

FrankfurtWegen der Krise in Libyen und ihrer Folgen gehen die Investoren am Devisenmarkt auf Nummer Sicher: „Wir sehen eine Flucht in sichere Häfen, in den Schweizer Franken, in US-Staatsanleihen und Bundesanleihen“, sagte Währungsstratege Bastian Hepperle von der WestLB. Die gewaltsamen Kämpfe gegen Libyens Staatschef Muammar Gaddafi weiteten sich zuletzt aus. Zugleich wuchs die Furcht, dass die Unruhen auf andere Ölförderländer der Region übergreifen könnten.

Dies trieb den Preis für das Europa wichtige Nordseeöl der Sorte Brent auf knapp 120 Dollar je Fass (159 Liter). Sollte sich der wichtigste Rohstoff der Industrieländer weiter verteuern, könnte dies einen „Wendepunkt für die Weltwirtschaft“ bedeuten, warnen die Analysten der Deutschen Bank.

Der für den europäischen Rentenmarkt richtungsweisende Bund-Future stieg um sieben Ticks auf 124,35 Zähler. Die dem Terminkontrakt zugrundeliegende zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 3,138 Prozent, ihr US-Pendant mit 3,4459 Prozent. Die Flucht in den Franken trieb die Währung der Alpenrepublik auf ein Rekordhoch: Für einen Dollar wurden zeitweilig nur noch 0,9241 Franken gezahlt.

„Diese Krise ist negativ für den Dollar“, sagte Währungsstratege Peter Frank von der Societe Generale. „Sie erhöht die Kosten für Öl und die USA sind ein großer Ölimporteur. Die Krise trifft den Wohlstand der Privathaushalte, die Produktivität und das Wachstum.“ Die US-Währung profitierte somit nicht wie häufig in der Vergangenheit von der gestiegenen geopolitischen Unsicherheit.

Dazu trugen auch jüngste Aussagen von führenden Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Notwendigkeit einer strafferen Geldpolitik bei. „Der Markt preist ein, dass die EZB schneller als die US-Notenbank Fed die Zinsen anhebt“, sagte Hepperle. „Man erwartet, dass die EZB in der nächsten Woche stärker als zuletzt signalisiert, dass die Inflationsrisiken nach oben gerichtet sind.“ Der EZB-Rat kommt am Donnerstag zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Der Euro baute seine jüngsten Gewinne aus und kostete 1,3794 Dollar nach 1,3746 Dollar im späten US-Vortagesgeschäft.

Rückenwind bekam die Gemeinschaftswährung vom sich weiter bessernden Wirtschaftsklima in der Euro-Zone. Es kletterte der EU-Kommission zufolge im Februar auf 107,8 Punkte und damit stärker als von Reuters befragte Analysten erwartet hatten.

„Insgesamt spricht die verbesserte Stimmung für eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung“, kommentierte Postbank-Volkswirt Thilo Heidrich.

Dagegen wurden die aktuellen US-Konjunkturdaten in der Summe als neutral bewertet. Während die Auftragseingänge für langlebige Güter laut Börsianern etwas enttäuschten, gab es weitere Zeichen für eine Entspannung am Arbeitsmarkt: Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe war in der Vorwoche unter die psychologisch wichtige Marke von 400.000 gefallen.

Von

dpa

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