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28.03.2013

16:04 Uhr

Devisen

Auf Zypern droht „Euro-Schwarzmarkt“

Solange die Beschränkungen für den Geldverkehr gelten, ist der Euro auf Zypern ein anderer als im übrigen Währungsraum. Experten warnen vor einer gefährlichen Grauzone – und einem ganz besonderen Schwarzmarkt.

Kunden einer geschlossenen Bank in Nikosia stehen vor einem Geldautomaten. dpa

Kunden einer geschlossenen Bank in Nikosia stehen vor einem Geldautomaten.

Frankfurt/NikosiaEigentlich sollte ein Euro überall in der Währungsunion den selben Wert haben – egal ob in Dublin, Hannover, Florenz oder Nikosia. Die seit Donnerstag auf Zypern geltenden Beschränkungen für den Geldverkehr hebeln dieses Prinzip jedoch aus. Der Euro auf Zypern ist nun viel weniger liquide und damit de facto auch weniger wert als anderswo. Nach Ansicht von Experten könnte deshalb erstmals eine Art „Schwarzmarkt“ innerhalb der Euro-Zone entstehen – jedenfalls, wenn die Einschränkungen länger dauern sollten als nur wenige Tage.

Denkbar ist etwa, dass zyprische Geschäftsleute sich im Ausland Strohmänner suchen, die für sie Rechnungen begleichen und dann im Gegenzug „Zypern-Euro“ bekommen – mit einen im Zweifelsfall nicht geringen Aufschlag. So ein Geschäft kann trotzdem noch lukrativ sein, wenn beispielsweise millionenschwere Zahlungen dringend geleistet werden müssen, weil ansonsten ein Lieferant abspringt. Der müsste eigentlich darauf vertrauen, dass die zyprische Notenbank die Transaktion durchwinkt. Aber wer weiß schon, ob sie das tut und wenn ja, wann?

Wieder geöffnet

Andrang vor Zyperns Banken

Wieder geöffnet: Andrang vor Zyperns Banken

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Was für den einzelnen Unternehmer in Nikosia oder Larnaca erst mal ein alltägliches Problem darstellt, kann für Zyperns Verbleib in der Euro-Zone sogar zu einer Zerreißprobe werden. Für den stellvertretenden Leiter des Brüsseler Forschungsinstituts Bruegel, Guntram Wolff, sind die erlassenen Einschränkungen für den Kapitalverkehr, ein schwerer Schlag für die Währungsunion: „Kontrollen für alle Banken des Landes bedeuten, dass der Euro nicht mehr frei fließt. In dem Moment ist die Euro-Zone kein richtiger Währungsraum mehr“, sagte der Finanzexperte „Spiegel Online“.

Auch Kai Schaffelhuber von der Anwaltskanzlei Allen& Overy in Frankfurt warnt: „Wenn man Restriktionen für Zahlungen und Kapitaltransfers erlässt, dann ist der Euro auf Zypern – ökonomisch betrachtet – eine andere Währung als der Euro in anderen Ländern.“

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Je länger die Kapitalverkehrskontrollen den freien Fluss der Währung behindern, desto weniger kann Zypern auch deren Folgen meistern, sind sich die Experten einig: „Man darf Zypern jetzt nicht in einer rechtlichen Grauzone belassen was die Kontrolle der Kapitalströme anbelangt“, warnt etwa Sassan Ghahramani, der mit seiner Firma SGH Macro Advisors unter anderem Hegdefons berät. „Ich denke, es kann nur um maximal ein paar Wochen gehen. Dauert es länger, wird das zu einem echten Problem.“ Zypern will die Kapitalverkehrskontrollen zunächst für sieben Tage aufrecht erhalten. Danach soll nach Angaben des Finanzministeriums jeden Tag überprüft werden, ob sie noch nötig sind.

Kommentare (12)

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Euro_Am_A

28.03.2013, 16:19 Uhr

Der Euro-Schwarzmarkt "droht" nicht. Vielmehr ist der Euro in Zypern "am Arsch". Was dann passiert ist der Anfang der Ersatzwährung.
Aber das darf man ja erst nach Ostern schreiben, gelle?

Account gelöscht!

28.03.2013, 17:36 Uhr

Schafft den EURO endlich wieder ab, dann gibt es auch keinen EURO-Schwarzmarkt.

Ich_kritisch

28.03.2013, 18:59 Uhr

Zitat: Der Euro auf Zypern ist nun viel weniger liquide und damit de facto auch weniger wert als anderswo.

So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gelesen ...

Der Euro als Barzahlungsmittel ist in Zypern nun knapper als anderswo.
Dadurch ist er, wie jedes knappe Gut, mehr wert.

Das heißt, wer dringend Bares braucht wird auf Zypern mehr dafür geben als anderswo. Also ein ganzer Cappucchino für einen Euro statt nur einen halben Cappu :-)

oder anders ausgedrückt, die Preise werden fallen. Danach die Löhne - und dadurch kann Zypern wettbewerbsfähiger werden. Man muss das Geld nur lange genug künstlich knapp halten - statt wie bisher im Rest der EU, immer mehr davon auf den Markt zu schmeißen.

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