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15.08.2016

16:19 Uhr

Devisen

Bald ist das Pfund nicht mehr wert als ein Euro

Devisen-Händlern in London steht eine turbulente Woche bevor. Neue Wirtschaftsdaten stehen an. Nach dem Brexit verheißt das nichts Gutes für das Pfund. Über den Abwärtstrend können sich höchstens die Touristen freuen.

Nach dem Brexit dürfte die Arbeitslosigkeit in Großbritannien steigen. Solche Daten drücken auf den Kurs der nationalen Währung. dpa

Verknitterte Fünf-Pfund-Note

Nach dem Brexit dürfte die Arbeitslosigkeit in Großbritannien steigen. Solche Daten drücken auf den Kurs der nationalen Währung.

LondonRund 13 Prozent hat das Britische Pfund seit dem 23. Juni bereits zum Dollar verloren. Das britischen Votum gegen den Verbleib in der EU, der Brexit, hat weltweit das Vertrauen in britische Wirtschaft erschüttert. Und die Talfahrt könnte weitergehen. Mit Sorge blicken Devisenhändler auf den anstehenden Datenreigen diese Woche. Auf Sicht von 18 Monaten schließen einige Analysten auch eine Parität zum Euro nicht aus.

Erwartet werden in dieser Woche Daten zur Inflation, zum Einzelhandelsumsatz und zur Arbeitslosigkeit. Bereits in der vergangenen Woche haben sich die Verluste der britischen Landeswährung ausgeweitet. Die Bank of England hatte beschlossen, ihre Zinsen zu senken und die Konjunkturimpulse zu verstärken.

„Die Risiken bei den Daten sind abwärtsgerichtet“, sagte Jeremy Stretch, Leiter Devisenstrategie der Canadian Imperial Bank of Commerce in London. „Es wird eine weitere Woche mit einem schwierigen Umfeld für das Pfund werden.“

Umfragen seit der Volksabstimmung am 23. Juni zeigten bereits einen Rückgang der Aktivität im Bausektor, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungsbereich auf. Die Daten in dieser Woche werden aber konkretere Hinweise auf den Zustand der Wirtschaft nach dem Votum liefern. Ökonomen rechnen damit, dass die Anträge auf Arbeitslosengeld im Juli zugenommen haben, während der Einzelhandelsumsatz kaum zulegte.

Der Chef der britischen Zentralbank Bank of England hat gerade eine Zinssenkung verkündet. Reuters

Mark Carney

Der Chef der britischen Zentralbank Bank of England hat gerade eine Zinssenkung verkündet.

Vergangene Woche notierte das britische Pfund erstmals seit Juli wieder unter 1,30 Dollar. Gegenüber dem Euro erreichte die britische Landeswährung am Freitag sogar den niedrigsten Wechselkurs seit August 2013. Analysten erwarten eine Fortsetzung des Trends, und einige halten auch einen Rückgang auf die Parität zum Euro innerhalb von 18 Monaten für möglich.

So rechnen Devisenstrategen von HSBC nach Überarbeitung ihrer Prognosen nun für einen längeren Zeitraum mit einem schwächeren Pfund und erwarten bis Ende 2017 eine Parität zum Euro. Die Wechselkurs-Annahmen gehen von der Erwartung aus, dass die britische Notenbank weitere Lockerungen vornehmen wird. Es wird mit einer Zinssenkung um 15 Basispunkte im November und einer Ausweitung der quantitativen Lockerung im Februar 2017 gerechnet.

Auch die Strategen der UBS prognostizieren bis 2017 eine Euro-Pfund-Parität, basierend auf einer unterdurchschnittlichen Entwicklung der britischen Wirtschaft. Um eine weitere Abwertung infolge des Leistungsbilanzdefizits und der Abschwächung der Wirtschaft zu vermeiden, wären beträchtliche Zuversicht und Kapitalzuflüsse nötig, hieß es.

Freuen können sich Touristen, die jetzt nach London reisen. Für 100 Euro bekommen sie jetzt schon 86 Euro 50 Pence.

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