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20.06.2016

13:36 Uhr

Devisen

Brexit als Lackmustest für Wächter über den Franken

Der Schweizer Franken gilt als Fluchtburg für Geldanleger in unsicheren Zeiten. Bei einem Brexit droht die Aufwertung. Das könnte die Schweizer Nationalbank überfordern.

Der Schweizer Franken steht im Fokus der weltweiten Devisen-Spekulanten. dpa

blick auf den Brienzer See

Der Schweizer Franken steht im Fokus der weltweiten Devisen-Spekulanten.

ZürichDevisenhändlern stehen unruhige Tage bevor: Sollten sich die Briten am Donnerstag für einen EU-Austritt entscheiden, werden Anleger Experten zufolge Milliarden von der Insel abziehen und in den „sicheren Hafen“ Schweiz fliehen. Dies würde zu einem neuerlichen Höhenflug des Franken führen, Schweizer Waren im Ausland noch teurer machen und damit der exportorientierten Wirtschaft des Landes schaden.

Die Schweizerische Notenbank (SNB) will daher alle Hebel in Bewegung setzen, um eine weitere Aufwertung zu verhindern. Sie steht mit Stützungskäufen am Devisenmarkt und notfalls auch mit einer Zinssenkung bereit. „Wir erwarten, dass es im Fall eines Brexits zu Turbulenzen kommen könnte“, hatte SNB-Präsident Thomas Jordan vergangene Woche gesagt. Die Notenbank bereite sich daher auf ein solches Szenario vor und habe ein ganzes Team im Einsatz. „Wir verfolgen die Situation am Markt ganz genau“, sagte Jordan.

Fünf Fragen zur Abschaffung des 500-Euro-Scheins

Wie funktioniert die Abschaffung?

Der 500-Euro-Schein behält zunächst seinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Für die Verbraucher ändert sich daher zunächst nichts. Geschäfte müssen ihn also weiter akzeptieren. Die Banknoten können außerdem auf unbegrenzte Zeit bei der Notenbank umgetauscht werden. Es werden jedoch keine weiteren Scheine mehr gedruckt und die Planungen für eine neue Serie von 500-Euro-Banknoten eingestellt. Bis Ende 2018 geben die Notenbanken des Euro-Systems noch neue 500-Euro-Scheine aus. Dies ist möglich, weil sie noch Lagerbestände der Banknote haben. Möglicherweise verliert der Schein im Euro-Raum irgendwann seinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Dazu hat die EZB aber kein Datum gesetzt.

Warum soll der 500er verschwinden?

Als Grund für das Aus führt die EZB an, dass die Banknote mit dem höchsten Nennwert mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung gebracht wird. Sie gilt als Lieblingsschein von Kriminellen, weil sich damit viel Geld ohne größere Spuren transportieren lässt. „Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten“, hatte Notenbankchef Mario Draghi vor dem Europäischen Parlament gesagt. Kritiker bezweifeln jedoch, dass sich damit die Kriminalität verringern lässt. Verbrecher seien ja nicht zwingend auf große Scheine angewiesen, sagt etwa Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Zumindest haben auch Länder mit kleineren Banknoten wie die USA Probleme mit organisierter Kriminalität.

Wie wird der Schein ersetzt werden?

Insgesamt befinden sich etwa 600 Millionen Exemplare der höchsten Banknote im Umlauf. Das sind zwar nur drei Prozent aller Euro-Banknoten — wertmäßig machen sie aber rund 30 Prozent aus. Die Banknoten müssen nun schrittweise durch andere Noten im Nennwert von 50, 100 und 200 Euro ersetzt werden. Hierfür sind etwa sieben Milliarden neue Banknoten nötig. Zurzeit bringt die EZB eine neue Serie von Banknoten auf den Markt. Sie hat bereits für die Nennwerte 5, 10 und 20 Euro neue Scheine mit höheren Sicherheitsstandards aufgelegt. Bis Ende 2018 sollen neue 50-, 100- und 200-Euro-Scheine folgen. Bis diese neuen Scheine eingeführt sind, gibt die EZB noch die alten 500-Euro-Scheine aus. Auch wenn die Notenbanken keine weiteren 500er drucken, ist dies dennoch möglich, weil sie noch Lagerbestände von der höchsten Banknote haben.

Ist dies der Anfang vom Ende des Bargelds?

Kritiker sehen dies zumindest als ersten Schritt und verweisen auf entsprechende Forderungen. So hatten sich zum Beispiel der frühere US-Finanzminister Larry Summers und der US-amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff für die Abschaffung des Bargelds ausgesprochen. Ein Grund für das Misstrauen ist die Geldpolitik der EZB. Sie hat den Leitzins bereits auf null Prozent gesenkt. Weitere Zinssenkungen wären kaum wirksam, weil die Sparer irgendwann auf Bargeld ausweichen würden. Gäbe es kein Bargeld, würden etwaige Negativzinsen voll durchschlagen. Allerdings: Die Ökonomen Summers oder Rogoff gehören zu den ganz wenigen prominenten Stimmen, die offen für das Ende des Bargelds plädieren.

Wie viel kostet die Abschaffung?

Die in Umlauf befindlichen 600 Millionen 500-Euro-Scheine müssen ab Ende 2018 durch kleinere Scheine wie 200-, 100- und 50-Euro-Noten ersetzt werden. Von diesen Scheinen wird ohnehin eine neue Serie mit höheren Sicherheitsstandards gedruckt. Nun sind aber sehr viel mehr Scheine nötig, um den 500er zu ersetzen. Der Druck der zusätzlichen Scheine kostet nach Schätzungen der EZB etwa 500 Millionen Euro. Ein neuer Geldschein kostet im Druck im Schnitt etwa zehn Cent. Es gibt aber Unterschiede: Die Fünf- und Zehn-Euro-Scheine sind etwas teurer, weil sie durch eine Plastikschicht geschützt sind. Auch der 500-Euro-Schein ist wegen seiner Größe in der Herstellung etwas teurer als etwa der 50-Euro-Schein.

Seine Sorge ist nicht unbegründet. Sollten sich die Briten für einen EU-Austritt aussprechen, würden das britische Pfund und auch der Euro unter Druck geraten, sagt HSBC-Chefdevisenstratege David Bloom. „Das würde den Franken ins Spiel bringen.“ Denn die vergleichsweise stabile und neutrale Schweiz gilt bei Investoren, die ihr Geld gerne in Europa halten, als beliebtes Anlageland. Mit der näher rückenden Abstimmungen hatte der Franken bereits in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt. Am Montag kostete ein Euro 1,0870 Franken.

Die Experten des Analysehauses Roubini erwarten, dass der Euro bei einem Brexit sogar unter die Parität zum Franken sinkt - sofern die SNB nicht unmittelbar gegensteuert. Das gab es zuletzt, als die Notenbank vor gut einem Jahr völlig überraschend ihren Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben und damit Marktturbulenzen ausgelöst hatte.

Für die Schweizer Wirtschaft wäre das ein Horrorszenario. Bereits im vergangenen Jahr bauten zahlreiche Firmen Arbeitsplätze ab oder verlagerten ihre Produktion ins Ausland, um mit den günstigeren Herstellungskosten der Konkurrenz mithalten zu können.

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