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11.09.2015

17:22 Uhr

Devisen der Alpenrepublik

Schwäche-Anfall beim Schweizer Franken

Die Währung der Eidgenossen ist im Sommer gefallen und gefallen. Plötzlich findet sie sich auf dem Niveau vom Jahresanfang wieder. Experten sind sich aber sicher: Die Euro-Rally wird nicht von langer Dauer sein.

Das Leben in der Schweiz ist ein teures. dpa

Euro und Franken Münzen

Das Leben in der Schweiz ist ein teures.

Der Schweizer Franken ist am Freitag auf den tiefsten Stand zum Euro seit der Aufhebung des Mindestkurses am 15. Januar gefallen. Am Nachmittag notierte der Franken bei 1,1023 zum Euro und hielt sich damit zum ersten Mal jenseits der Marke von 1,10 Franken zum Euro. Devisen-Spezialisten sind indes skeptisch, ob die Schwäche-Phase von Dauer ist.

„Im Moment helfen die Negativzinsen den Franken zu schwächen. Europa bietet kaum Gründe, warum die Anleger einen sicheren Hafen wie den Franken suchen sollten“, sagt Thomas Flury, Devisenstratege der Großbank UBS.

„Die Schwäche des Franken ist den freien Marktkräften zu zuschreiben“, schreiben die Experten der Schweizer VP Bank in einem Kommentar. „Die SNB hält sich derzeit mit Interventionen zurück.“ Sie erklären die aktuelle Schwäche des Schweizer Franken makroökonomisch damit, dass sich durch die Aufwertung vom Anfang des Jahres die Wachstumsaussichten der Schweiz deutlich getrübt hätten. So sei in diesem Jahr noch mit einem Wachstum von 0,5 bis 0,7 Prozent zu rechnen – im zweiten Quartal schrammte die Schweizer Wirtschaft haarscharf an einer Rezession vorbei.

Die Schweizer Wirtschaft, Deutschland und die EU

Reger Warenaustausch

Zwischen der Schweiz und der EU besteht ein reger Warenaustausch. Die Schweiz exportierte 2013 nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI) Waren im Wert von rund 90 Milliarden Euro (54,9 Prozent der Ausfuhren) in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Importe

Importiert wurden aus den Mitgliedstaaten der EU Waren im Wert von rund 108 Milliarden Euro (74,4 Prozent der gesamten Einfuhren).

Viertwichtigster Handelspartner

Die Schweiz ist viertwichtigster Handelspartner der EU nach USA, China und Russland. Exportiert werden Pharmazeutika, Industriemaschinen, Präzisionsinstrumente, Uhren.

Deutschland

Deutschland ist laut BMWI Zielland für rund ein Drittel der schweizerischen Exporte. Knapp ein Fünftel der schweizerischen Importe stammen aus Deutschland. Deutschland ist somit der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner der Schweiz.

Wichtige Handelsbeziehungen

Aber auch für Deutschland sind die Handelsbeziehungen zur Schweiz von „enormer“ Bedeutung, schreibt das BMWI auf seiner Webseite. Die Schweiz nimmt demnach in der Rangliste der wichtigsten deutschen Handelspartner den 8. Rang sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen ein.

Mehr deutsche Produkte

2012 hatte die vergleichsweise kleine Schweiz (acht Millionen Einwohner) wertmäßig mehr deutsche Produkte eingeführt als beispielsweise Russland (142 Millionen Einwohner), Japan (127 Millionen Einwohner) oder Polen (38 Millionen Einwohner).

Deutsche in der Schweiz

290.000 Deutsche leben und arbeiten laut BMWI in der Schweiz. Deutsche bilden damit nur noch knapp nach Italienern (15,9 Prozent) die zweitstärkste Ausländergruppe (15,2 Prozent).

„Ich gebe der aktuellen Rally aber wenig Chancen auf Bestand“, sagt UBS-Experte Thomas Flury. „Die europäischen Zinsen liegen viel zu tief. Die Differenz zwischen den zweijährigen Zinsen in Europa und der Schweiz ist viel zu gering für eine Nachhaltige Abwertung des Frankens“, begründet er seine Meinung.

Das sehen auch die Experten der VP Bank so. „Der Franken wir auch zukünftig als sicherer Hafen gefragt sein. In den gegenwärtigen turbulenten Zeiten ist eine deutliche Abwertung der eidgenössischen Valuta wohl kaum zu erwarten“, heißt es.

Kommenden Donnerstag wird die Schweizerische Nationalbank turnusgemäß über ihre Geldpolitik entscheiden. Analysten erwarten, dass sie den Negativ-Zins, den Finanzinstitutionen auf Einlagen bei der Notenbank zahlen müssen, bei 0,75 Prozent belassen wird. Zudem dürfte die SNB erneut betonen, dass sie auch weiterhin am Devisenmarkt intervenieren wird, um einer zu starken Aufwertung des Franken entgegen zu treten.

Von

ali

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