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29.01.2010

15:04 Uhr

Devisen

Der Euro und die Explosionsgefahr

VonChristian Panster

Der Eurokurs fällt und fällt und ... Der riesige Schuldenberg der Südeuropäer, vor allem der griechische, belastet die Gemeinschaftswährung. Wird es der Regierung in Athen gelingen, die riesigen Löcher im Staatshaushalt zu stopfen - oder droht der Bankrott? Dr. Doom ist sich sicher.

Wie stark ist der Euro wirklich? ap

Wie stark ist der Euro wirklich?

FRANKFURT. Es wird eng für den Euro. Seit Wochen bröckelt der Wert der Gemeinschaftswährung; gestern wurden weniger als 1,40 Dollar je Euro bezahlt, so wenig wie seit einem halben Jahr nicht mehr. "Der Euro ist angeschlagen", schreibt die Helaba in einem aktuellen Marktkommentar. Dies zeige sich dadurch, dass positive Nachrichten ignoriert und negative Meldungen zum Anlass genommen würden, die Währung zu verkaufen.

Dabei lag der Wechselkurs im Dezember noch bei mehr als 1,50 Dollar. Damals ist es die US-Währung, die angezählt ist. Mit jedem billigen Dollar, den die Notenbank Federal Reserve zur Bekämpfung der Finanzkrise in die Märkte pumpt, verlieren die Scheine, die schon im Umlauf sind, an Wert. Der Absturz des Greenbacks scheint unaufhaltsam, der Dollar zur Billigwährung verkommen. Immer mehr Investoren schaffen ihr Geld in den Euro-Raum. Bis die Nachrichten aus Griechenland über den Ticker laufen.

Anfang Dezember stuft die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit der Südeuropäer von A auf BBB+ herunter. Der mittelfristige Ausblick für die Entwicklung der Staatsfinanzen mache Sorgen, teilt Fitch mit. Die Neuverschuldung der Hellenen ist im abgelaufenen Jahr auf 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geklettert, der Gesamtschuldenstand beträgt nunmehr 113 Prozent des BIP.

Erstmals seit zehn Jahren wird Griechenland nicht mehr als sogenanntes A-Land eingestuft. Auch die beiden anderen großen Agenturen, S&P und Moody?s, strafen die notorisch klammen Griechen ab und überarbeiten ihre Bonitätseinschätzung.

Jean-Claude Trichet, der oberste Währungshüter der EU, zeigt sich besorgt über das Schuldenproblem der Südeuropäer. "Die Situation in Griechenland ist sehr schwierig", sagt der EZB-Chef bei einer Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschusses des Europa-Parlaments in Brüssel. Die Investoren sind verunsichert. In Athen, aber auch an den anderen europäischen Börsen knicken die Aktienkurse ein. Gerüchte von einer bevorstehenden Staatspleite machen die Runde. Der Eurokurs bröckelt weiter.

Kommentare (10)

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k.-h.

29.01.2010, 17:48 Uhr

"Dr. Doom" war eigentlich für Marc Möbius reserviert. Aber was soll`s, Pessimismus fällt (z.Zt.) mehr auf als Optimismus, der sich in der grauen Masse im Verlauf des voraufgegangenen Jahres hervorragend verbreiten ließ. Die Tatsachen für eine realistische "schwarze" Sicht der Lage gab es schon immer, jeder konnte sie sehen - wenn er denn wollte. Nur Umsätze sind mit dieser Sicht der Dinge nicht zu machen. Also mußte die Devise sein: erst rein - dann (jetzt nämlich) wieder raus aus den Märkten. Damit lassen sich auf zweifache Weise gute Geschäfte machen: Umsätze generieren Gebühren und front running (Eigenhandel) das fette Geld. So (u.a.) steigen die boni.

k.-h.

29.01.2010, 17:52 Uhr

Schon bemerkt: Marc Faber war und ist "Mr. Doom". Der Vorname führte zum Kurzschluß.

Cangrande

29.01.2010, 18:56 Uhr

Es wäre schön, wenn die Medien - vor allem die Wirtschaftsmedien wie das Handelsblatt, wo man doch ökonomische Kompetenz vermutet - mit der Panikmache aufhören würden.

Der Euro fällt - na und? 1,40 Dollar für den € ist für unseren Export sowieso ein zu niedriger Dollarstand, wenn die Kaufkraftparität bei 1,20 liegt. Und wenn die "investoren" gern die weichen Greenbacks bunkern, sollen sie das ruhig tun - der nächste Dollarabsturz kommt bestimmt.

Die Eurozone "bricht auseinander"? Diffuse Panikmache; "auseiander" bricht der Euro-Raum im Kern ganz sicher nicht! Dass einige PiGS abbrechen - na und? Müssten sich diejenigen, die sich einen starken Euro wünschen, doch freuen!

ich würde mich auch freuen, weil dann endlich das Risiko gebannt ist, dass deutsche Steuergelder gen Süden gehen, wie es momentan ja leider extrem wahrscheinlich ist.
"Mit ihrer spekulativen Attacke testen die Märkte die bereitschaft der Euro-Länder, den Griechen zu helfen", sagte Michael Heise, Chefökonom der Allianz - lesen wir im heutigen Hb-Artikel "Märkte misstrauen Finanzsündern der Euro-Zone".

Und die Medien leisten der Panikmache der Finanzmärkte Hilfestellung und Deutschlands bürger schweigen - die maulen immer erst hinterher, wenn es zu spät ist. Fast kein blog, der protestiert.
Wer JETZT nicht aufschreit, der hat 100% Mehrwertsteuer verdient.

Eines wird den Euro ganz gewiss schwächen: deutsche Hilfe für die PiGS! Die wird unsere eigene (auch nur noch relative) Solidität beschädigen; und ein "Dankeschön" kennen die Kapitalmärkte nicht!
Lasst euch doch nicht ins bockshorn jagen von denjenigen, die lange Zeit eine "Risokoprämie" kassiert haben - und jetzt das Risiko gratis dem deutschen Staat aufbürden wollen!

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