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31.03.2014

11:46 Uhr

Devisen

Erdogans Wahlsieg schiebt Lira an

Nach dem Wahlsiegt der islamisch-konservativen Partei AKP von Ministerpräsident Tayyip Erdogan machen sowohl die türkische Währung Lira als auch der Aktienmarkt des Landes einen Sprung nach oben.

Recep Tayyip Erdogan warf seinen Kritikern noch in der Wahlnacht Verschwörung und Geheimnisverrat vor und drohte Vergeltung an. ap

Recep Tayyip Erdogan warf seinen Kritikern noch in der Wahlnacht Verschwörung und Geheimnisverrat vor und drohte Vergeltung an.

Frankfurt/Istanbul Die Anleger an der türkischen Börse haben den Wahlsieg der islamisch-konservativen Partei AKP von Ministerpräsident Tayyip Erdogan bei den Kommunalwahlen positiv aufgenommen. Die Lira erholte sich deutlich, so dass sich ein Dollar auf 2,1650 Lira von 2,1892 Lira im Schlussgeschäft vom Freitag verbilligte. Auch an der Istanbuler Börse ging es mit den Kursen zunächst nach oben. Der Standardwerte-Index stieg um bis zu knapp zwei Prozent, grenzte im Vormittagsgeschäft aber seine Gewinne deutlich ein und lag zuletzt nur noch 0,4 Prozent höher. Während einige Börsianer das Wahlergebnis als Signal für politische Stabilität werteten, blieben andere skeptisch.

Erdogan hatte das Ergebnis zum großen Sieg seiner AKP erklärt. Nach Auszählung von rund der Hälfte der Stimmen kommt die AKP auf 44 bis 46 Prozent. Das wäre deutlich mehr als die 38,8 Prozent, die die Partei bei der Kommunalwahl 2009 geholt hatte. Die größte Oppositionspartei CHP erreicht 23 bis 28 Prozent. Die Anleger seien nicht an erhöhter politischer Unsicherheit und Instabilität interessiert, kommentierte Benoit Anne von der Societe Generale die Reaktion der Devisenanleger. Das Ergebnis zeige, dass die AKP von der wirtschaftlichen Entwicklung der Türkei in den vergangenen Jahren profitiere, stimmte Tim Ash, Analyst bei der Standard Bank, zu. Schließlich hätten sich die Lebensverhältnisse, die Lage am Arbeits- und auch am Wohnungsmarkt unter Erdogan deutlich verbessert.

Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann zeigte sich dagegen skeptisch. Offenbar werde politische Stabilität am Devisenmarkt als wertvolles Gut angesehen. Das Wahlergebnis könnte aber trügerisch sein - und damit auch die Stärke der Lira. „Ein neu erstarkter und in der Folge umso gnadenloserer Ministerpräsident könnte mittelfristig eher die Gefahr neuer innenpolitischer Konflikte heraufbeschwören, als ein geschwächter, auf Kompromisse angewiesener Regierungschef“, warnte Leuchtmann.

Erdogan warf seinen Kritikern noch in der Wahlnacht Verschwörung und Geheimnisverrat vor und drohte Vergeltung an. Seine Regierung war zuletzt wegen massiver Korruptionsvorwürfe unter Druck geraten. Die Kommunalwahl galt als Test dafür, wie viel Rückhalt er in der Bevölkerung noch hat.

Die türkische Lira gewann im Vormittagshandel zum amerikanischen Dollar 1,2 Prozent. Ein Dollar kostete 2,16 Lira. Staatsanleihen des Landes legten ebenfalls zu, im Gegenzug ermäßigten sich die Renditen. Zehnjährige Papiere rentierten mit 10,1 Prozent, das waren 0,15 Prozentpunkte weniger als am Freitag. An der Börse in Istanbul lagen die Indizes rund eineinhalb Prozent im Plus.

Von

rtr

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