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05.01.2015

07:06 Uhr

Devisen

Euro fällt auf tiefsten Stand seit Anfang 2006

Der Euro bleibt wegen der Aussicht auf ein weiteres Öffnen der Geldschleusen durch die EZB und der unsicheren Lage im Krisenland Griechenland unter Druck. Er ist so billig wie zuletzt vor neun Jahren.

Spekulationen halten an

Grexit-Debatte schickt Euro auf Talfahrt

Spekulationen halten an: Grexit-Debatte schickt Euro auf Talfahrt

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SingapurIn den ersten Handelsstunden der neuen Woche ist der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung am Montag bis auf 1,1864 Dollar gefallen. Das war der tiefste Stand seit März 2006. Zuletzt konnte sich der Euro allerdings etwas erholen, lag aber mit 1,1938 Dollar immer noch deutlich unter der Marke von 1,20 Dollar, unter der er zuletzt im Sommer 2010 gestanden hatte.

Händler begründeten die erneuten Kursverluste mit der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der Lage in Griechenland. Drei Wochen vor der dortigen Neuwahl ist die Debatte über einen Austritt des Krisenlandes aus der Euro-Zone wieder voll entbrannt. Auslöser ist ein „Spiegel“-Bericht, nach dem die Bundesregierung ein Ausscheiden des hoch verschuldeten Landes aus der Währungsgemeinschaft inzwischen für verkraftbar hält. Am Montag griff auch Vizekanzler Sigmar Gabriel in die Debatte ein.

Mit dem Rückgang setzt der Euro die Talfahrt der vergangenen Monate fort. Im Mai des vergangenen Jahres hatte die europäische Gemeinschaftswährung noch fast 1,40 Dollar gekostet, verlor dann aber kontinuierlich an Wert. Die EZB hatte im Sommer als erste große Notenbank der Welt „Strafzinsen“ für Einlagen von Banken eingeführt. Das heißt, dass die europäischen Geldhäuser für bei der Zentralbank geparktes Geld Zinsen zahlen müssen, anstatt wie sonst üblich welche zu bekommen.

Der Euro im Vergleich zu anderen Währungen 2014

Dollar

-11,47 Prozent

Der Euro hat gegenüber dem Dollar deutlich an Boden verloren. Die Wirtschaft der USA brummt und hängt die Konjunktur der Euro-Zone deutlich ab.

Yen

+ 1,26 Prozent

Gegenüber dem Yen hat der Euro zugelegt. Die Bank of Japan flutet den Markt derzeit mit Geld, um die eigene Währung zu schwächen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Pfund

- 5,77 Prozent

Brasilianischer Real

- 0,09 Prozent

Australischer Dollar

- 3,44 Prozent

Kanadischer Dollar

- 3,33 Prozent

Norwegische Krone

+ 8,94 Prozent

Schwedische Krone

+ 7,18 Prozent

Schweizer Franken

- 1,95 Prozent

Türkische Lira

- 4,2 Prozent

Rubel

+ 49,47 Prozent

Quelle: Bloomberg

EZB-Präsident Mario Draghi will damit die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft vor allem in Südeuropa ankurbeln und eine zu niedrige Inflation verhindern. Bisher verpuffte dieser Schritt allerdings größtenteils. Draghi hatte daher zuletzt immer wieder angekündigt, zu weiteren Schritten bereit zu sein. Erst am Freitag hatte er in einem Interview mit dem Handelsblatt diese Bereitschaft noch einmal bekräftigt und damit den Euro-Kurs in Richtung 1,20 Dollar gedrückt.

„Das Risiko, dass wir unser Mandat der Preisstabilität nicht erfüllen, ist höher als vor sechs Monaten“, sagte er der Zeitung. Die Europäische Zentralbank sei deshalb in technischen Vorbereitungen, „um den Umfang, das Tempo und die Zusammensetzung unserer Maßnahmen Anfang 2015 zu verändern, sollte dies notwendig werden, um auf eine lange Periode zu niedriger Inflation zu reagieren“.

Die Aussagen zerstreuten laut Händlern die letzten Zweifel, dass die Notenbank im Kampf gegen die zu niedrige Inflation schon bald mit dem umstrittenen Kauf von Staatsanleihen beginnen wird. Während die Euro-Zone damit auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik zusteuert, bewegt sich die US-Notenbank auf eine Straffung ihrer Geldpolitik zu. Die Aussicht auf eine erste Zinserhöhung in den USA nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise beflügelt den Dollar und setzt den Euro im Gegenzug immer stärker unter Druck.

Von

dpa

Kommentare (22)

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Herr Teito Klein

05.01.2015, 07:43 Uhr

Der Kurs der Esperantowährung Euro kennt nur eine Richtung
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und die weist steil nach unten.
Der Euro ist am Montag im fernöstlichen Handel zum Dollar auf den tiefsten Stand seit Anfang 2006 gefallen: Die Gemeinschaftswährung kostete 1,1860 Dollar. Am Freitag war sie noch mit 1,2002 Dollar gehandelt worden.
Im Mai 2014 wurde er noch mit 1,40 Dollar gehandelt.
Schuld an dem Absturz ist die lockere Geldpolitik der EZB. Draghi kündigte an, unbegrenzt Schrottpapiere von den Pleitestaaten aufzukaufen. Erst am Freitag hatte er es nochmals bekräftigt. Sein Ziel ist es, den Euro zur Lira zu machen.

Und wenn man den Experten glauben darf, dann wird es für den Euro 2015 auch noch weiter nach unten gehen. Goldman Sachs und Morgan Stanley etwa sagten bereits vor Monaten voraus, dass die europäische Währung im Laufe des Jahres 2015 auf 1,15 Dollar fallen werde. Danach sei sogar ein Absturz auf einen Dollar wahrscheinlich. Eine solche Parität gab es zuletzt Ende 2002.

Sergio Puntila

05.01.2015, 07:51 Uhr

Wenn in den US über einen Kursverfall des Euro spekuliert wird weist das lediglich auf Erwartungshorizonte.
Und wenn Wahlkampf in Griechenland geführt wird zeigt das, wie man sowas einpreisen könnte.

Herr Vittorio Queri

05.01.2015, 10:16 Uhr

@ Herr Teito Klein

>> Danach sei sogar ein Absturz auf einen Dollar wahrscheinlich. >>

Das Ende der Talfahrt wird die Gleichziehung mit dem Rubel sein !

Die virtuelle Währung € wird dort landen, wo sie hingehöret.

Die Russen werden demnächst als Gegensanktion auf westlichen Sanktionen die Bedienung ihrer Schulden ( ca. 600 Mrd. € ) einstellen.

Die dadurch entstehenden Turbulenzen auf den Währungsmärkten werden den € schon mal mit der Ukrainischen Grivna gleichziehen lassen.

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