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14.12.2011

16:33 Uhr

Devisen

Euro fällt unter 1,30 US-Dollar

Die Politik überzeugt die Märkte bei der Lösung der Staatsschuldenkrise nicht. Der Euro fällt auf ein 11-Monats-Tief und durchbricht die Marke von 1,30 US Dollar. Vor allem Italien beunruhigt die Anleger.

Der Euro steht weiterhin unter Druck. ap

Der Euro steht weiterhin unter Druck.

FrankfurtNach den schweren Verlusten des Vortages kann sich der Euro nicht stabilisieren. Erstmals seit dem 12. Januar 2011 fiel die Gemeinschaftswährung wieder auf einen Stand unter der psychologisch wichtigen Marke von 1,30 US-Dollar. Aktuell notiert der Euro bei 1,2982 US-Dollar, 0,4 Prozent schwächer. Am Dienstag hat der Euro bereits zwei Cent verloren. „Die Glaubwürdigkeit der europäischen Reaktion steht sehr in Frage“, betonte Kit Juckes, Chef-Devisenanalyst der Societe Generale. Marktteilnehmer sind skeptisch. „Wenig kann im Moment darüber hinwegtäuschen, dass die Unterseite in Euro/Dollar die schwache ist“, fügte Hecht hinzu. „Und so dürfte das grundsätzliche Muster auch heute bestehen bleiben: Auf Erholungsausschläge nach oben kann schnell wieder die Fahrstuhlfahrt nach unten folgen.“

Für Unsicherheit sorgte heute die erste Auktion fünfjähriger Staatsanleihen aus Italien nach dem richtungsweisenden EU-Gipfel. Das Land nahm drei Milliarden Euro ein. Die Anleger lassen sich ihr Geld im Schnitt mit einem Zins von 6,47 Prozent vergüten. Im November waren es nur 6,29 Prozent gewesen. Der Marktzins liegt mit 6,7 Prozent aber noch höher. „Die Unsicherheit für den Fortgang der Schuldenkrise bleibt hoch“, sagte Analystin Annalisa Piazza von Newedge Strategy. Die EU-Gipfelbeschlüsse hätten die Märkte nicht davon überzeugen können, dass die Krise nun bald gelöst werde. Ihr Kollege Sergio Capaldi von Intesasanpaolo bezeichnete die Auktion dennoch als gelungen: „Dass der Zins unter dem Marktniveau liegt, deutet auf eine starke Nachfrage von Investoren hin“.   

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

1. Januar 1999

1. Januar 1999: Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt 1,95583 DM je Euro.
Am 4. Januar startet der Handel in Sydney - der ersten großen Börse, die nach dem Datumswechsel öffnet - mit 1,1747 Dollar.

Dezember 1999

Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

Frühherbst 2000

Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

Januar 2002

Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

März 2003

Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

September 2003

Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

September 2007

Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

Juli 2008

Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch. Nur wenige Tage zuvor - am 11. Juli - hatte übrigens auch der Ölpreis mit 147,50 Dollar je Fass sein Allzeithoch erreicht.

Oktober 2008

Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

Oktober 2009

Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

Dezember 2009, Januar 2010

Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

Frühjahr und Sommer 2011

EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

Ende Februar 2012

Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Juni 2012

Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

Juli 2012

Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde „alles nötige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

Februar bis März 2013

Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

September 2014

Die EZB überrascht die Märkte mit einem neuen Zinssenkungszyklus. Der Euro nimmt seine Talfahrt wieder auf. Signale von EZB-Chef Mario Draghi für weitere Geldspritzen drücken den Euro bis zum Jahresende auf rund 1,21 Dollar.

06. Januar 2015

Der Euro fällt auf 1,1853 Dollar und erreicht damit das Tief von Februar 2006. Zugleich nimmt die Talfahrt der Ölpreise weiter Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel (159 Liter).

Italien sitzt auf einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Diese Summe entspricht 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nur in Griechenland ist die Schuldenstandsquote höher. Italien muss sich im kommenden Jahr 440 Milliarden Euro von Investoren holen, um alte Kredite abzulösen, Zinsen zu zahlen und die Haushaltslücke zu schließen. Je höher die Refinanzierungskosten sind, desto mehr muss die Regierung von Ministerpräsident Mario Monti an anderer Stelle sparen, um den Haushalt zu sanieren. Experten bezweifeln deshalb, dass der Staat auf Dauer mit einem so hohen Zinsniveau zurecht kommt.   

Der Bund profitierte in dem nervösen Marktumfeld einmal mehr von seinem Status als sicherer Hafen: Er sammelte bei der 68. und letzten Auktion in diesem Jahr knapp 4,2 Milliarden Euro bei Anlegern ein. Es hätten auch rund sechs Milliarden Euro sein können, so groß war die Nachfrage nach den Bundesschatzanweisungen mit zweijähriger Laufzeit. Die Versteigerung war damit 1,4-fach überzeichnet - im November nur 1,1-fach. Die Anleger begnügten sich mit einem Zins von 0,29 Prozent. Im November waren es noch 0,39 Prozent. Zum Vergleich: Der Marktzins für vergleichbare französische Papiere liegt mit knapp 0,9 Prozent deutlich höher.

 

Die Finanzagentur sprach von einem „sehr guten Ergebnis“. „Mit der letzten Auktion bestätigt sich der grundlegende Trend im laufenden Jahr: Der Emittent Bund kann als sicherer Hafen der Suche nach Qualität durch die Investoren gerecht werden“, sagte ein Sprecher. Insgesamt hat der Bund in diesem Jahr am Kapitalmarkt rund 283 Milliarden Euro eingesammelt. 2012 dürfte der Kreditbedarf etwas niedriger ausfallen.   Trotz des drohenden Verlustes der Top-Bonitätsnote „AAA“ dürfte der Bund ein beliebter Schuldner bleiben.

Ein Grund dafür sind die vergleichsweise soliden Staatsfinanzen, ein anderer die hohe Liquidität der Bundespapiere: Die Bundesrepublik zahlt auch deshalb so niedrige Zinsen, weil Deutschland nach den USA der weltweit zweitgrößten Markt für Staatsanleihen ist. Über alle Laufzeiten hinweg hat der Bund Papiere im Wert von 1,1 Billionen Euro im Umlauf. Allein im ersten Halbjahr wechselten an den Börsen aber Papiere im Wert von mehr als 3,2 Billionen Euro ihren Besitzer. Anleger können ihre Wertpapiere damit bei Bedarf wieder zu cash machen und sind deshalb bereit, Abschläge bei der Rendite hinzunehmen.

Von

rtr

Kommentare (14)

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zephyroz

14.12.2011, 13:32 Uhr

Ein Kurs von 1,30 ist nicht nur für unsere Export-orientierte Industrie sehr gut. Vielleicht ist das für die weitere gute Auslastung unserer Industrie überhaupt das Beste.
Aber auch für die Partner im Euro ist ein niedrigerer Wechselkurs gut. Deren Wirtschaft ist nicht so stark und profitiert von der Abwertung.
Vor einigen Jahren hat man noch gesagt, der ehrliche Wert des Euro vs dem $ läge auf 1,20 !

Broker1

14.12.2011, 13:44 Uhr

ohne die chinesischen käufe wäre der kurs längst unter dollarparität.

hinter dem dollar steht als garant wenigsten die führende globale streitmacht . wer steht als garant hinter dem euro?
vielleicht die deutsche miky-maus armee??

Leiminger

14.12.2011, 13:46 Uhr

Leider wieder ein Artikel mehr bei dem der Verfasser offensichtlich nicht in der Lage bzw. nicht gewillt ist den aktuellen Kurs des Euro ggü. dem US $ im längerfristigen Rückblick zu betrachten. Tut man solches stellt man fest, dass eine Bandbreite von 1,20 - 1,40 als normal zu bezeichnen ist. Was soll also das Gefasel von "Erholungsausschlägen nach oben und Fahrstuhlfahrten nach unten" ? Ich wünsche mir in der finanzbezogenen Presseberichterstattung mehr Besonnenheit und Verantwortungsbewußtsein insbesondere ggü. der fachlich unversierten Leserschaft; nicht kurzsichtige Panikmache ist gefragt sondern weitsichtige Objektivität. Wir Europäer und insbesondere wir Deutschen haben nichts davon, wenn wir durch unsere überkritische Besserwisserei auch noch mit dazu beitragen, das geschmolzene Vertrauen der internationalen Finanzmärkte noch weiter zu reduzieren.

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