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11.07.2011

17:04 Uhr

Devisen

Euro fällt unter 1,40 US-Dollar

Anleger sorgen sich um die Staatsfinanzen des hoch verschuldeten Italiens. Der Eurokurs stürzt ab und kann dei Marke von 1,40 US Dollar nicht halten. Investoren flüchten in andere Währungen.

Scheine und Münzen: Der Euro steht vor einer neuen Zerreisprobe. Quelle: dpa

Scheine und Münzen: Der Euro steht vor einer neuen Zerreisprobe.

Spannung an den Devisenmärkten: Sorgen um das stark verschuldete Italien sorgen für Verkäufe beim Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel zeitweise unter die Marke von 1,40 US-Dollar und notierte bei Tagestief von 1,3984 Dollar. Aktuell liegt der Euro bei 1,4014 gut 1,4 Prozent schwächer als am Vortag. Im frühen Handel in Frankfurt hatte der Euro noch über der Marke von 1,42 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,4056 (Freitag: 1,4242) Dollar festgesetzt.

„Die Sorgen um Italien schüren die Angst vor einer Eskalation der Schuldenkrise in der Eurozone“, sagte Ulrich Wortberg, Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). So sind die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen in den vergangenen Tagen dramatisch gestiegen.

Verstärkt wurde die Unsicherheit durch Berichte, nach denen die EZB angeblich eine Verdopplung des Rettungsschirms EFSF fordert. Wortberg hält solche Forderungen für wenig hilfreich, da Italien aufgrund der Höhe des Schuldenstandes kaum geholfen werden könne. „Die einzige Lösung wären Eurobonds, falls Italien tatsächlich in Schwierigkeiten geraten würde.“ Am Nachmittag trafen sich die Finanzminister der Eurozone zu einem Gespräch über die Schuldenkrise.

Wortberg gibt aber auch der italienischen Politik eine Mitschuld. Die Streitereien um das geplante Sparpaket innerhalb der italienischen Regierung würden nicht für Vertrauen sorgen. Zudem würden im bis jetzt geplanten Sparpaket die größten Einsparungen erst in den Jahren 2013 bis 2014 erfolgen und damit nicht mehr in der laufenden Legislaturperiode. Wir groß die Ansteckungsgefahren sind, sehe man auch am Anstieg der Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen. Der Streit in den USA zwischen Republikanern und Demokraten um die Anhebung der Schuldengrenze spiele am Devisenmarkt derzeit keine große Rolle. „Es wird eine Einigung geben, alles andere wäre Selbstmord“, sagte Wortberg.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,88070 (0,89320) britische Pfund, 113,16 (115,98) japanische Yen und 1,1715 (1,2102) Schweizer Franken fest. Der Preis für eine Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1555,50 (1541,50) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 34.520,00 (33.830,00) Euro.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Kommentare (2)

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StillerBeobachter

11.07.2011, 18:08 Uhr

Was für ein Kasperlteater !!!! Die USA haben Schulden wie die Sautreiber, stehen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit, wenn man den Medien glauben schenken darf, aber alles regt sich über das "Nasenwasser" Italien und Griechenland auf.

Account gelöscht!

12.07.2011, 10:42 Uhr

Nur dem Handelsblatt duerfen Sie glauben, die haben immer ein Paar neue Zeitifikatsempfehlungen fuer Sie parat !

Irgenwie muessen die ja auch von Ihren Emitenten die Werbeeinnahmen sichern, ich hoffe Sie verstehen dies.

Und Gold ist je bekanntlich in einer Blase die morgen ganz sicher crashen muss !

Lessen Sie nur die Finger von dem Zeug, unsere Zentralbanker brauchen es jetzt mehr denn jeh.

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