Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.12.2015

08:26 Uhr

Devisen

Euro mit Schwächeanfall nach US-Zinserhöhung

Der Euro ist im Nachklapp der ersten Zinserhöhung seit fast zehn Jahren in den USA auf Achterbahnfahrt gegangen. Zunächst legte die europäische Währung zu – doch dann ging es abwärts.

Nach Zinserhöhung

Der starke Dollar: Vor- und Nachteile

Nach Zinserhöhung: Der starke Dollar: Vor- und Nachteile

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

New York/DüsseldorfDie Märkte haben am späten Mittwochabend ein wenig Zeit zur Interpretation der ersten US-Zinserhöhung seit dem Jahr 2006 benötigt. Erst nach einiger Zeit kristallisierte sich der Dollar als Gewinner der Entscheidung und der Euro als Verlierer.

Hatte die europäische Gemeinschaftswährung zunächst um etwa einen Cent auf 1,1006 Dollar zugelegt, wendete sich die Kursentwicklung dann in die umgekehrte Richtung. Am Donnerstagmorgen steht der Euro bei etwa 1,0870 Dollar – und damit etwa einen halbes Prozent leichter als vor der historischen Verkündung durch US-Notenbankchefin Janet Yellen. Im asiatischen Handel war der Euro sogar auf 1,0830 Dollar gesackt.

Hauptgrund für die Dollar-Stärke ist der Kurs, den die US-Notenbank Federal Reserve für weitere Zinserhöhungen im kommenden Jahr angedeutet hat. Während an den Finanzmärkten für kommendes Jahr nur zwei zusätzliche Zinsanhebungen erwartet werden, geht der geldpolitische Ausschuss der Fed weiter von vier Anhebungen aus. Damit haben sich Erwartungen im Vorfeld, die Notenbank könnte extrem vorsichtige Signale aussenden, nicht bewahrheitet.

Börse Frankfurt: Janet Yellen beschert Dax ein dickes Plus

Börse Frankfurt

Janet Yellen beschert Dax ein dickes Plus

Die Anleger haben bekommen, was sie erwartet haben: Die US-Notenbank erhöht die Zinsen erstmals seit Jahren. Das beruhigt die Märkte Der Dax geht rund 270 Punkte höher aus dem Handel.

Die Entscheidung des Offenmarktausschusses habe die Markterwartungen getroffen, kommentierte John Normand, Chef der Währungs-, Rohstoff- und Zinsanalyse bei der US-Großbank JP Morgan. Daher stehe die Bank zur Prognose, dass der Dollar bis ins zweite Quartal 2016 hinein sich stark entwickeln dürfte.

Auch die Investmentbank Goldman Sachs hält den Dollar für „einen Kauf“. Bis Ende 2017 prognostizieren die Experten des Instituts einen Anstieg der US-währung um etwa 14 Prozent gegenüber einem Korb aus den bedeutendsten Währungen.

Reaktionen auf die Fed-Zinsentscheidung

Deutsche Bank - Chefvolkswirt David Folkerts-Landau

"Die heutige Entscheidung der Fed, die Zinsen zum ersten Mal seit fast zehn Jahren zu erhöhen, ist ein historischer Moment. Die Zinsanhebung markiert das offizielle Ende der globalen Finanzkrise für die USA und bildet den Auftakt zu einer Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik.

Dieser Schritt wurde allgemein erwartet. Vor dem Hintergrund, dass auf dem US-Arbeitsmarkt nahezu Vollbeschäftigung herrscht und im kommenden Jahr ein Anstieg der Inflation erwartet wird, war eine Anhebung der Zinsen längst überfällig. Diejenigen, die die Zinsanpassung kritisch sehen, lassen außer Acht, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchaus Zinssätze zwischen zwei und drei Prozent und eine Fed-Bilanz ohne Überschussreserven rechtfertigen - eine Zinspolitik, die weit entfernt vom Krisenmodus ist, der selbst heute noch dominiert."

Dekabank - Chefvolkswirt Ulrich Kater

"Ein kleiner Schritt für die Fed, aber ein großer für das Finanzsystem. Zwei Botschaften verbinden sich mit der Zinswende. Zum ersten begräbt damit die Fed symbolisch die Finanz- und Bankenkrise von 2008. Und zum zweiten schürt diese Zinswende die Hoffnung, dass auch in Euro-Land eine Umkehr bei den Zinsen irgendwann möglich ist, selbst wenn dies noch zwei oder drei Jahre hin sein sollte."

KfW - Chefvolkswirt Jörg Zeuner

"Wir sind auf dem Weg in die Normalität. Die US-Konjunktur läuft solide, der Arbeitsmarkt hat Vollbeschäftigung erreicht und die Kerninflation ist jetzt schon hoch genug, um mit dem Zinserhöhungszyklus zu starten. Mit dem Zinsschritt beginnt die Fed, Handlungsspielraum für neue Herausforderungen zurückzugewinnen. Denn ein langfristig starker Dollar und ein dauerhaft niedriger Ölpreis bringen durchaus Schwierigkeiten für die US-Wirtschaft."

Münchener Rück - Chefvolkswirt Michael Menhart

"Mit der Zinsentscheidung der Fed ist der lange erwartete Einstieg in eine restriktivere Geldpolitik da. Für nächstes Jahr ist mit weiteren Zinsschritten zu rechnen. Gleichwohl wird die US-Zentralbank unter den Notenbanken der großen Volkswirtschaften wohl erst mal alleine bleiben - die EZB hat ja jüngst sogar ihre expansive Politik noch zeitlich ausgeweitet. Angesichts der Risiken für die Finanzstabilität wäre eine Abkehr von der Politik des billigen Geldes wünschenswert."

Institut für Weltwirtschaft - Stefan Kooths

"Klar ist, dass sich im Zuge der Normalisierung des Zinsniveaus die Preisblasen an Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkten zurückbilden werden. Bei diesem Prozess lauern erhebliche Gefahren eines sprunghaften Verlaufs, nicht zuletzt auch für die Devisenmärkte und die in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer. Es nützt aber nichts, aus Furcht davor den Ausstieg aus der ultra-expansiven Zentralbankgeldversorgung immer weiter hinauszuzögern. Je länger die künstlich niedrigen Zinsen bestehen bleiben, umso mehr Verzerrungen entstehen und desto schmerzhafter würde eine noch spätere Korrektur. Von einer Normalisierung ist die US-Geldpolitik immer noch meilenweit entfernt. Entscheidend wird jetzt sein, wann die Marktteilnehmer den nächsten Schritt erwarten."

GDV (Versicherungsverband) - Chefvolkswirt Klaus Wiener

"Die erste Straffung der US-Leitzinsen seit dem Jahr 2006 markiert sicher einen historischen Wendepunkt, das allgemeine Zinsniveau wird sich dadurch aber kaum ändern. Für die EZB hat der Zinsentscheid der Fed keine Signalwirkung – dazu sind auch die konjunkturellen Rahmenbedingungen zu unterschiedlich. Die Kapitalmarktzinsen im Euroraum werden wohl noch für sehr lange Zeit auf ihrem extrem niedrigen Niveau verharren."

US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen habe „die bestvorbereitete Zinserhöhung der Geschichte vollzogen“, schrieb Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. „Mit der Aussicht auf eine positive US-Wirtschaft und mögliche, aber längst nicht sichere Zinsschritte 2016 können die Investoren gut leben.“

Zinserhöhung der Fed: Die große Wende in der Geldpolitik

Zinserhöhung der Fed

Die große Wende in der Geldpolitik

Die US-Notenbank hat nach Jahren Abschied von der Null-Zins-Politik genommen.

Die Börsen profitieren seit Jahren stark vom billigen Geld der Notenbanken. Die US-Notenbank Fed hatte am Mittwochabend erstmals seit der Finanzkrise den Leitzins von der Nulllinie wegbewegt. Er steigt um 0,25 Prozentpunkte und liegt künftig innerhalb einer Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent. Volkswirte und die Finanzmärkte hatten die Anhebung erwartet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×