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25.02.2013

10:26 Uhr

Devisen

Euro profitiert von schwächelnden Währungen

Der Euro steigt, und das vor allem wegen der schwachen Kurse von Pfund und Yen. Vor allem die britische Währung steht nach der Herabstufung der Bonität unter Druck und ist so billig wie seit mehr als einem Jahr nicht.

Nummer eins: Kaum eine Währung hat sich in den vergangenen Monaten so gut entwickelt wie der Euro. dapd

Nummer eins: Kaum eine Währung hat sich in den vergangenen Monaten so gut entwickelt wie der Euro.

FrankfurtDer Euro hat am zweiten Tag der italienischen Parlamentswahl etwas zugelegt. Die Gemeinschaftswährung notierte um 1,3230 Dollar nach 1,3175 Dollar im späten Vorwochengeschäft. Händlern zufolge profitierte der Euro von den Abgaben bei Yen und Pfund Sterling. Die japanische Währung verlor wegen der Aussicht auf eine weiterhin extrem lockere Geldpolitik und die britische in Reaktion auf die heruntergestufte Kreditwürdigkeit des Königreichs durch Moody's.

Vor allem das Pfund steht nach dem Entzug des Spitzenratings unter Druck. Die Währung des Vereinigten Königreichs fiel am Montag auf ein 31-Monats-Tief von 1,5073 Dollar. Zum Euro verbilligte es sich auf 0,8775 Pence und notierte damit so niedrig wie seit 16 Monaten nicht mehr.

Moody's hatte Großbritannien am Freitagabend das wertvolle Spitzenrating „AAA“ entzogen. Die Ratingagentur machte den Sparkurs von Regierung und Firmen, aber auch die Euro-Krise für die Schwäche der Konjunktur verantwortlich.

Kurzfristig dürfte das Pfund weiter schwächeln, prophezeite Commerzbank-Analyst Peter Kinsella. Die eindeutige Ausrichtung der Bank of England hin zu einer höherer Inflation werde das Pfund zweifellos unter Druck setzen. „Die zyklischen und strukturellen Treiber der Sterling-Rallye letztes Jahr haben jedenfalls ihren Schwung verloren.“

Großes Thema unter den Euro-Händlern war die künftige Ausrichtung der italienischen Politik. Noch bis 15 Uhr (MEZ) können die Italiener abstimmen; am Sonntag haben recht wenige ihre Stimmen abgegeben. Von Investoren wird die Wahl mit Spannung verfolgt, da die in den vergangenen Monaten eingeleiteten Reformen bei einem Sieg von Silvio Berlusconi auf der Kippe stehen könnten. „Grundsätzlich gilt: je eindeutiger und schneller eine überzeugende, reformfreundliche Regierungskoalition gefunden werden kann, desto besser für den Euro“, sagte Commerzbank-Analystin Carolin Hecht.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Italienische Staatsanleihen waren am Morgen gefragt, die zehnjährigen Papiere zogen um 49 Ticks auf 109,04 Zähler an und rentierten mit 4,39 Prozent.

Die in der Regel gern als sicherer Hafen angefahrenen Bundesanleihen wurden dagegen verkauft. Zehnjährige Titel gaben 15 Ticks auf 99,23 Zähler nach und rentierten mit 1,98 Prozent.

Von

rtr

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