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04.07.2013

18:01 Uhr

Devisen

Euro rutscht nach Draghi-Äußerungen ab

Die erneute Krise in Portugal setzt dem Euro in Fernost zu. Viel wirkungsvoller war aber Mario Draghis Ankündigung, das Zinsniveau weiter niedrig zu halten. Auch die Bank von England bleibt ihrer Geldpolitik treu.

Euromünzen unter einer Lupe. Die Regierungskrise in Portugal verpasst der Gemeinschaftswährung einen Dämpfer. Reuters

Euromünzen unter einer Lupe. Die Regierungskrise in Portugal verpasst der Gemeinschaftswährung einen Dämpfer.

FrankfurtDer Kurs des Euro ist am Donnerstag mit der Aussicht auf weiterhin sehr niedrige Zinsen in der Eurozone kräftig abgerutscht. EZB-Chef Mario Draghi hatte angekündigt, dass die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Rekordtief bleiben werden oder sogar noch weiter sinken könnten. Zeitgleich mit den Draghi-Aussagen rutschte der Euro über einen US-Cent ab und fiel auf ein Tagestief bei 1,2882 Dollar. Gegen Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,2984 (Mittwoch: 1,2959) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7702 (0,7717) Euro.

Die EZB hatte den Leitzins am frühen Nachmittag weiter auf dem Rekordtief von 0,50 Prozent belassen. Anschließend stellte Notenbankchef Draghi die Anleger auf eine langfristige geldpolitische Lockerheit ein und sprach von einem „beispiellosen Schritt“ der Notenbank. EZB-Experte Michael Schubert hob die Vorgänge in der Frankfurter Zentrale der Notenbank ebenfalls hervor und sprach von einer „historischen Entscheidung“. Bislang hatte die EZB nur davon gesprochen, ihren expansiven Kurs so lange wie nötig fortzusetzen.

Dollar, Euro, Pfund - die Weltwährungen im Vergleich

1999

Anteil an weltweiten Währungsreserven:

Dollar: 66,4 Prozent
Euro: 22 Prozent
Yen: 7,1 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige*: 1,5 Prozent

*exklusive Schweizer Franken

Quelle: EZB, Juli 2013

2000

Dollar: 66,6 Prozent
Euro: 23,6 Prozent
Yen: 7,3 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,4 Prozent

2001

Dollar: 63,5 Prozent
Euro: 25,5 Prozent
Yen: 6,8 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,1 Prozent

2002

Dollar: 62,1 Prozent
Euro: 27,7 Prozent
Yen: 5,5 Prozent
Pfund: 2,6 Prozent
Sonstige: 1,4 Prozent

2003

Dollar: 64,7 Prozent
Euro: 25,8 Prozent
Yen: 4,8 Prozent
Pfund: 2,5 Prozent
Sonstige: 1,9 Prozent

2004

Dollar: 66,3 Prozent
Euro: 24,2 Prozent
Yen: 4,6 Prozent
Pfund: 2,8 Prozent
Sonstige: 1,9 Prozent

2005

Dollar: 64,3 Prozent
Euro: 25,9 Prozent
Yen: 3,2 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,7 Prozent

2006

Dollar: 65,1 Prozent
Euro: 25 Prozent
Yen: 4,2 Prozent
Pfund: 3,6 Prozent
Sonstige: 1,8 Prozent

2007

Dollar: 65,9 Prozent
Euro: 24,2 Prozent
Yen: 3,9 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,9 Prozent

2008

Dollar: 64,6 Prozent
Euro: 25,2 Prozent
Yen: 3,3 Prozent
Pfund: 4,5 Prozent
Sonstige: 2,2 Prozent

2009

Dollar: 63,4 Prozent
Euro: 25,9 Prozent
Yen: 3,2 Prozent
Pfund: 4,3 Prozent
Sonstige: 3,1 Prozent

2010

Dollar: 62,1 Prozent
Euro: 25,8 Prozent
Yen: 3,5 Prozent
Pfund: 4,1 Prozent
Sonstige: 4,5 Prozent

2011

Dollar: 62,2 Prozent
Euro: 25,1 Prozent
Yen: 3,2 Prozent
Pfund: 4 Prozent
Sonstige: 5,4 Prozent

2012

Dollar: 61,9 Prozent
Euro: 23,9 Prozent
Yen: 3,9 Prozent
Pfund: 4 Prozent
Sonstige: 6,1 Prozent

Draghi bezeichnete das neue Vorgehen der EZB als „Forward Guidance“. Mit diesem geldpolitischen Instrument aus dem Werkzeugkasten der Notenbanken sollen die Zinserwartungen gefestigt und die Konjunktur gestützt werden. Das Werkzeug wird seit längerem von der US-Notenbank Fed und seit Frühjahr auch von der japanischen Zentralbank verwendet. Die Bank of England dürfte bald einen ähnlichen Kurs einschlagen, wie die britische Notenbank unter Führung des neuen Chefs Mark Carney kurz vor der EZB-Zinsentscheidung signalisierte. Sie beließ den Leitzins bei 0,5 Prozent und bestätigte ihr Ziel für quantitative Lockerungen bei 375 Milliarden Pfund.

Die britische Notenbank erklärte, dass Anstiege der Marktzinsen nicht gerechtfertigt seien und das Wachstum belasten könnten, was Spekulationen befeuerte, dass die Zentralbank weitere stimulierende Maßnahmen vornehmen könnte.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85980 (Mittwoch: 0,84920) britische Pfund, 129,64 (128,85) japanische Yen und 1,2328 (1,2285) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1251,75 (1250,00) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 30.360,00 (30.410,00) Euro.

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