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06.08.2014

12:11 Uhr

Devisen

Euro unter Druck

Ernüchternde Konjunkturdaten aus Deutschland haben Ängste vor einer EZB-Zinssenkung geschürt. Als Folge daraus sank der Euro-Kurs auf einen Wert von 1,3358 Euro. Aktuell steht der Euro auf der Kippe. Alles ist möglich.

Euro-Münzen: Die Gemeinschaftswährung schwächelt legt. dpa

Euro-Münzen: Die Gemeinschaftswährung schwächelt legt.

FrankfurtEnttäuschende deutsche Konjunkturdaten haben am Mittwoch Spekulationen auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik geschürt. Der Euro fiel am Mittwoch den dritten Tag in Folge zurück und war bei 1,3358 Dollar 0,1 Prozent niedriger. Zeitweise war er bei 1,3349 Dollar auf den niedrigsten Stand zum Dollar seit dem 11. November abgesackt. Belastet wurde er nicht zuletzt durch schwache Konjunkturzahlen aus Deutschland, wo der Auftragseingang in der Industrie im Juni um 3,2 Prozent zurückfiel und damit so deutlich wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Auslöser der erneuten Abwertung war der überraschende Rückgang der Auftragseingänge für die deutsche Industrie. „Eine Stagnation der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal dürfte kaum noch zu vermeiden sein“, sagte Volkswirt Carsten Brzeski von der ING Bank. „Die heutigen Daten zeigen, dass die Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft nicht nur von geopolitischen Spannungen stammen, sondern auch von einer Nachfrageschwäche aus der Euro-Zone, die länger anhält als erwartet.“ Darüber werfe die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) ihre Schatten voraus, betonte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Wer wolle denn Wetten auf steigende Euro-Kurse eingehen, wenn das Risiko einer weiteren Lockerung der Geldpolitik bestehe, fragte sie. Die Notenbanker wollen ihre Entscheidung am Donnerstag bekanntgeben.

Der Dollar erhielt zudem Rückenwind von Anzeichen, dass die US-Wirtschaft an Fahrt gewinnt. Der Greenback näherte sich gegenüber einem Korb aus 10 wichtigen Währungen dem höchsten Stand seit fast neun Monaten. Der Präsident der Federal Reserve Bank of Dallas, Richard Fisher, sagte, dass seine Kollegen bei der US-Notenbank allmählich eine straffere geldpolitische Haltung einnehmen.

Außerdem steigerten die zunehmenden Spannungen bezüglich der Ukraine die Attraktivität von US-Vermögenswerten. Polen warnte angesichts der Verstärkung russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine vor einer möglichen Invasion. „Eine Reihe von starken US-Daten haben dem Dollar geholfen”, sagt Imre Speizer, Marktstratege bei Westpac in Auckland. „Es gab gestern Abend auch eine gute Dosis von Risikoaversion, die dem Dollar ebenfalls geholfen hat.”

Geschichte des Euro

Anfänge

Das Ziel einer Währungsunion war bereits im EG-Vertrag verankert. Am 1. Januar 1999 ist es so weit: Der Euro wird gemeinsame Währung von elf Ländern. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte Geld bleibt jedoch zunächst das allein gültige Zahlungsmittel. Wenige Tage später nehmen auch die Finanzmärkte den Handel mit Euro auf.

Euro-Zone

Zu den ersten Ländern, die den Euro einführten, gehörten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Griechenland trat erst 2001 der Gemeinschaft bei, da es vorher nicht die Auflagen erfüllte. Großbritannien, Dänemark und Schweden verzichteten auf den Euro.

Bargeld

Am 1. Januar 2002 wird der Euro in zwölf Ländern gesetzliches Zahlungsmittel. Die D-Mark behält für zwei Monate ihr Gültigkeit, kann danach aber immer noch gegen Euro eingetauscht werden. Der Wechselkurs ist festgesetzt auf 1 Euro = 1,95583 D-Mark.

Neue Mitglieder

2004 werden zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen. Bis heute sind allerdings nur fünf weitere Staaten der Euro-Zone beigetreten, nämlich Slowenien, Malta, Zypern, Estland und die Slowakei. Damit gibt es insgesamt 17 Länder in Europa, in denen offiziell mit Euro bezahlt werden kann.

Höchststand

Ende August 2008 steigt der Euro zum ersten Mal über die psychologisch wichtige Marke von 1,50 US-Dollar. Sein bisheriges Allzeithoch von 1,5990 Dollar erreicht die Gemeinschaftswährung am 15. Juli, wobei der höchste je am Markt gehandelte Kurs sogar über 1,60 Dollar liegt.

Schuldenkrise

Im Frühjahr 2010 kommt Griechenland in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euro-Land Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, in dessen Zuge weitere Länder, darunter Irland und Portugal, um Geldmittel bitten müssen. In der Öffentlichkeit wird heftig über einen möglichen Zusammenbruch der Euro-Zone spekuliert. Die Gemeinschaftswährung wertet kontinuierlich ab.

Der Schweizer Franken war zum Euro bei 1,2156 Franken wenig verändert. Gegenüber dem Dollar gab die eidgenössische Währung um 0,1 Prozent auf 90,97 Rappen nach. Der Yen stieg gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung um 0,3 Prozent auf 136,83 Yen und war zum Dollar 0,2 Prozent fester bei 102,40 Yen.

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