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09.11.2011

13:27 Uhr

Devisen

Eurokurs stürzt ab

Die Zinsen für italienische Staatsanleihen steigen über sieben Prozent. Marktteilnehmer warnen vor Zahlungsausfällen. Der Euro fällt unter die Marke von 1,37 Dollar. Anleger befürchten das Schlimmste.

Der Euro ist am Mittwoch wieder gefallen. dpa

Der Euro ist am Mittwoch wieder gefallen.

FrankfurtTrotz der Rücktrittsankündigung von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi verliert der Euro im Vergleich zum US-Dollar kräftig an Wert. Die Gemeinschaftswährung ist unter die Marke von 1,37 US-Dollar gefallen. Aktuell notiert der Euro bei 1,3627 US-Dollar, knapp zwei Prozent schlechter als zum Tagesbeginn. Selbst wenn Berlusconi gehe, bleibe die Unsicherheit in Italien groß, sagte Yuuki Sakurai, Chef von Fukoku Asset Management. „Das Austauschen von Politikern garantiert noch nicht, dass sich die finanzielle Situation in Italien verbessert.“

Anleger meiden den Euro und wechseln die Währung. Aktuell notiert der Euro bei 0,85 britische Pfund, 105.92 Yen und 1,23 Schweizer Franken. Die Verunsicherung, zeigte sich auch am Rentenmarkt. Die Renditen zehnjähriger italienischer Anleihen stiegen auf zehnjährige Anleihen 7,33 Prozent (Vortag: 6,757 Prozent). Investoren flüchten in vermeintlich sicherer Häfen wie Deutsche oder Britische Bundesanleihen.

Die Zinsen sind zu hoch, befürchten viele Marktteilnehmer, als dass Italien seiner Schuldenkrise Herr werden könnte. Als Auslöser für die erneuten Turbulenzen auf den Finanzmärkten nannten Börsenhändler etwa die Ankündigung des Londoner Finanzhauses LCH Clearnet, bei der Abwicklung italienischer Anleihe-Transaktionen in Zukunft vorsichtiger zu sein. LCH Clearnet nimmt selbst nicht am Handel teil, sondern sorgt dafür, dass Verkäufer von Anleihen ihr Geld von Käufern bekommen. Täglich wickelt LCH so Transaktionen im Wert von 650 Milliarden Euro ab.

Bei Geschäften mit italienischen Anleihen werde LCH in Zukunft mehr Sicherheiten verlangen, sagte ein Sprecherin: „Wir müssen uns vor Ausfällen schützen und werden deshalb besonnener vorgehen“. Und: „Die Einlagen für Transaktionen italienischer Staatsanleihen, die Kunden bei uns vorhalten, werden deshalb zwischen 3,5 und fünf Prozentpunkten steigen.“

Die Krise ist noch nicht ausgestanden

Der Devisenmarkt folgt dem Rentenmarkt. Commerzbank-Analyst Rainer Guntermann erwartet, dass die Probleme Italiens, sich an den Märkten Geld zu leihen, bis zum Jahresende anhalten könnten. Das liege unter anderm daran, dass Investoren bis dahin tendenziell Risiko aus ihren Portfolios herausstreichen, um beim Jahresabschluss besser da zu stehen.

Berlusconi hatte am Dienstag die Konsequenz aus dem Verlust der Parlamentsmehrheit gezogen und seinen Rücktritt angekündigt. Er wird nach eigenen Worten sein Amt abgeben, sobald die von den europäischen Partnern verlangte Reformen vom Parlament verabschiedet sind.

 

Kommentare (5)

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Arminius

09.11.2011, 10:03 Uhr

Und was habt Ihr denn gedacht?
Es herrscht Krieg in Europa, eine Art Wirtschaftsbürgerkrieg, es geht um die Rangordnung, wenige haben es verstanden. Die Arbeitsteilung innerhalb der Eurozone steht da auf dem Spiel und wird jetzt entschieden. Vertikal (gerecht) oder horizontal mit Bananenrepubliken à la Südamerika! Das ist die Frage die jetzt entschieden wird. Der Wirtschaftsbürgerkrieg wird über Media und Allianzen (Merkozy) und Firmenübernahmen geführt. In einem Bürgerkrieg gibt es aber nur Verlierer. Die Kriegstreiber wollen es aber nicht glauben, sie denken als Sieger am Ende da zu stehen. Der Sieger ist immer der lachende Dritte.

Machiavelli

09.11.2011, 10:08 Uhr

Ob der Nachfolger besser für Italien ist, ist nicht gesagt. Das wird die Probleme der Eurozone und der schrumpfender italienischer Wirtschaft nicht lösen. Da liegt eigentlich das Problem. Bis jetzt konnte Italien durch periodische Abwertungen mithalten, durch den Euro hat Italien keine Chance seine Wirtschaft gegen die deutsche und französische Wirtschaftübermacht zu schützen. Ein Konzern nach dem anderen werden von deutschen oder französischen Konzerne aufgekauft, dadurch sind gut bezahlte jobs, ergo gute Steuerzahler, nach Frankreich oder Deutschland verlegt worden. <br/>Die einzige Lösung die mir als Laie einfällt wäre dass Euroländer die einen Leistungsbilanzüberschuss gegenüber anderen Euroländer haben, diesen bei der EZB hinterlegen müssen bis er abgebaut ist. Aber da ich nicht am Weihnachtsmann glaube, glaube ich auch nicht dass das beschlossen wird. Ich glaube auch nicht dass ein Deutscher das einsehen kann. Tatsache ist dass viele gut ausgebildete junge (Süd)Europäer Europa verlassen und ihr Glück auf andere Kontinenten suchen. Das ist bestimmt kein gute Entwicklung für Europa. Spanien 40% Jugendarbeitslosigkeit, Italien 30%, Portugal 40%, von Griechenland ganz zu schweigen, etc., etc., <br/>Deutschland hat seit 17 Jahren in Folge circa 14 Milliarden Überschuss im MONAT. (sogar 17 im letzten Oktober) Wer Überschuss sagt sagt auch zwangsläufig Defizit, irgendwo muss mathematisch dieses Geld fehlen.<br/>Das ist das Problem, nicht Berlusconi oder Papandreou. Und dass keiner mir jetzt damit kommt dass die Deutsche fleißig sind und die Südländer faul!

ProBerlusconi

09.11.2011, 10:19 Uhr

Der Berlusconi angekündikter und von Merkozy diktierter Abhang scheint nicht das zu halten was sich die deutsch-französische Achse versprochen hatte.
"Der Euro fiel am Mittwoch wieder unter die Marke von 1,38 Dollar."
"Die Renditen italienischer Anleihen lagen in der Spitze bei 6,907 Prozent (Vortag: 6,757 Prozent). "
Nun die berechtigte Frage: Wie kann man so blöd sein ohne rot zu werden, liebe Merkozy?

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