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22.01.2015

15:55 Uhr

Devisen

EZB-Geldflut belastet den Euro

Die EZB wird ab März im Stile der Federal Reserve monatlichen Staats- und Unternehmensanleihen aufkaufen. Was die Börsen erfreut, belastet den Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung rutscht unter 1,15 Dollar.

Unter Druck: Der Euro. dpa

Unter Druck: Der Euro.

Mario Draghi packt die Bazooka aus. Er will die Märkte mit monatlichen Bondkäufen in Höhe von 60 Milliarden Euro fluten, um die Deflation im Euro-Raum zu bekämpfen. Die beschlossenen Maßnahmen übertrafen die Erwartungen der Ökonomen und belasten den Euro. Die Währung gab 1,2 Prozent nach auf 1,1473 Dollar.

Das Anleihekaufprogramm soll bis September 2016 laufen. „Es wird in jedem Fall so lange ausgeführt, bis wir eine nachhaltige Anpassung in der Entwicklung der Inflation sehen, die im Einklang steht mit unserem Ziel, mittelfristig Inflationsraten von unter, aber nahe zwei Prozent zu erreichen“, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Insgesamt werden den Märkten dadurch über eine Billionen Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt.

„Die positivste Wirkung auf die Konjunktur dürfte die Abwertung des Euros haben. Diese kommt einem kleinen Konjunkturprogramm gleich. Darüber hinaus dürften sich die Auswirkungen in Grenzen halten“, erklärt Johannes Müller, Chief Investment Officer Wealth Management Germany der Deutschen Asset & Wealth Management. „Für den Euro rechnen wir mit einer Fortsetzung der Abwertung gegenüber dem US-Dollar. Dies stellt eine Unterstützung für die Unternehmensgewinne in der Eurozone und damit für den Aktienmarkt dar. Der Rückgang der Renditen am Rentenmarkt war neben der Spekulation auf EZB Maßnahmen hauptsächlich durch rückläufige Inflationsraten und Inflationserwartungen bedingt. Da sich dieser Trend kurzfristig nicht umkehren wird, erwarten wir auf Sicht auch noch weiter freundliche Rentenmärkte.“

Stefan Bieler, Chefvolkswirt der DZ Bank, kritisierte: „Die EZB hat das seit langem erwartete Staatsanleihekaufprogramm beschlossen. Die realwirtschaftlichen Effekte für Wachstum und Inflation dürften sehr überschaubar bleiben. Die Finanzmärkte gaben und geben sich mit Hingabe der Geldillusion hin – mehr Geld soll auch mehr helfen. Doch was kommt danach?“. DIHK-Hauptgeschäftsführer, Martin Wansleben, sieht das ähnlich: „Die EZB ist zum Gefangenen der eigenen Ankündigungen geworden. Sie hat ohne Not nun ihren letzten Trumpf ausgespielt. Dabei überwiegen eindeutig die Risiken. Die Gefahr von Spekulationsblasen an den Finanzmärkten wird weiter steigen.“

Wie Mario Draghi die Märkte mit Geld fluten kann

Die EZB übernimmt die Risiken

Die EZB könnte massenhaft Anleihen aufkaufen und selbst das Risiko in ihre Bücher nehmen. Sie würde sich dabei am Anteil der jeweiligen Notenbanken am Grundkapital der EZB orientieren, das je nach Bevölkerungszahl und Wirtschaftsleistung der Länder unterschiedlich hoch ist. Draghi vermied es bislang, eine konkrete Zahl für die Käufe ins Schaufenster zu stellen. Doch strebt der EZB-Rat eine Ausweitung der Bilanz auf das Volumen von Anfang 2012 an. Damit müsste die EZB rund eine Billion Euro in die Hand nehmen. Mit dem eingeleiteten Kauf von Hypothekenpapieren und Pfandbriefen dürfte diese Summe nicht annähernd zu erreichen sein. Allerdings könnte die EZB das Spektrum um private Anleihen erweitern.

Was die Kritiker dazu sagen

Kritiker befürchten, dass solide wirtschaftende Länder am Ende für Krisenstaaten haften müssen. Sollten Papiere – etwa von Griechenland – ausfallen, müsste auch der deutsche Steuerzahler bluten. Der niederländische Notenbank-Chef Klaas Knot sieht darin ein Problem: „Wir müssen vermeiden, dass über die Hintertür der EZB-Bilanz Entscheidungen getroffen werden, die den demokratisch legitimierten Politikern der Euroländer vorbehalten bleiben müssen.“ Ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma wäre eine Ankauf durch die jeweiligen Notenbanken der Euro-Staaten.

Notenbanken übernehmen den Kauf – und das Risiko

Bei diesem Modell verbliebe das Risiko bei den einzelnen Staaten. Die EZB würde den Beschluss fassen, dass die Zentralbanken von Portugal bis Finnland Papiere erwerben können und ihnen dafür ein Limit setzen. Der französische Notenbank-Chef Christian Noyer ist für „eine prozentuale Obergrenze“. Private Anleger müssten weiterhin die Mehrheit der Anleihen halten. Dies würde theoretisch bedeuten, dass die einzelnen Notenbanken insgesamt bis zu 49,9 Prozent der ausstehenden Verbindlichkeiten des jeweiligen Landes aufkaufen dürften. Da der Schuldenberg der Euro-Staaten insgesamt mehr als neun Billionen Euro groß ist, wäre ein solches Programm jedoch überdimensioniert. Die Obergrenze, falls sie überhaupt kommuniziert wird, dürfte weit niedriger liegen.

Was, wenn sich die EZB raushalten würde?

Würde sich die EZB selbst heraushalten, könnte ihr dies als Führungsschwäche ausgelegt werden: „Das wäre keine einheitliche Geldpolitik mehr“, warnt der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher. Auch ein Modell, wonach sich die Ankäufe an der Summe der ausstehenden Staatsanleihen eines Landes orientieren würde, gilt als heikel: Dann wäre Italien, das Heimatland Draghis, der größte Nutznießer. Rund ein Viertel aller ausstehenden Staatsanleihen im Euro-Raum wurde von der Regierung in Rom ausgegeben.

Was hält Jens Weidmann vom EZB-Programm?

Gegner des Programms wie etwa Bundesbank-Chef Jens Weidmann befürchten, dass die EZB den Staaten „Fehlanreize“ bieten würde, ihre Reformanstrengungen zu vermindern. Denn durch den massenhaften Ankauf von Verbindlichkeiten der Staaten kommen diese Länder am Markt günstiger an frisches Geld.

Die Kompromisslösung

Draghi könnte den Bedenken gegen eine zu große Haftungsübernahme durch die EZB mit einer Kompromisslösung Rechnung tragen: Die EZB würde demnach nur einen Teil der Ankäufe übernehmen und es den Notenbanken der einzelnen Länder überlassen, bis zu einem gewissen Limit auf eigenes Risiko am Markt aktiv zu werden. Damit würde Draghi womöglich die Bundesbank und andere Gegner besänftigen. Ob eine solche Aufgabenteilung aber reibungslos funktioniert und ein ausreichend großes Volumen zustande kommt, ist offen. Genauso wie die Frage, ob die EZB am Donnerstag tatsächlich bereits den Knopf drücken wird.

Erst Grundsatzentscheidung, Details werden nachgereicht

Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe erwartet zum Beispiel, dass sich der EZB-Rat noch nicht auf Umfang, Dauer und Zusammensetzung der Käufe durchringen kann. Dann würde die EZB nur einen Grundsatzbeschluss fassen. Draghi müsste im März alle Details nachliefern. Bis dann dürfte sich auch der Rauch nach den Parlamentswahlen in Griechenland verzogen haben. Denn das von IWF und EU vor der Pleite gerettete Land könnte eine Kehrtwende einleiten. Die zentrale Frage lautet: Bleibt es auf Reformkurs oder kommt es zur Abkehr von den Rettungsprogrammen? Ein Ankauf griechischer Staatspapiere dürfte sich bei der letzten Variante für die EZB verbieten.

Mit dem sogenannten Quantitative Easing (QE) soll die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abgewendet werden. Experte Edler geht davon aus, dass die USA eine langfristige Schwäche des Euro zum Greenback in Kauf nehmen, „um die fragile europäische Wirtschaft nicht durch einen importierten Zinsschock weiter zu schwächen“.

Kommentare (5)

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Herr C. Falk

22.01.2015, 16:32 Uhr

Sagen wir mal so, wer jetzt US- Dollars kauft und seine Rechnungen in Euro zu begleichen hat, kann nicht viel verkehrt machen.

Herr Manfred Zimmer

22.01.2015, 17:01 Uhr

Fair bleiben!

Die erste Hälfte des Euro-Abschwungs könnten wir schon hinter uns haben. Ob der Euro bei 0,875 USD/Euro (Ich weiß, dass Händler EUR/USD vertauschen. Mathematisch ist aber USD/Euro korrekt) einen Boden findet, ist wohl davon abhängig, ob Draghi die EZB noch leitet.

Auf dem Niveau 1,10 USD/Euro erwarte ich allerdings eine Gegenreaktion, die uns bis auf das gestrige Niveau zurückbringen könnte. Händler würden dies als Widerstandszone bezeichnen.

Ganz gleich wie wir die Situation bewerten wollen, in einem sollten wir uns einig sein:
"Ohne Umkehr laufen wir weiter in die gleiche Richtung."

Zur Umkehr ist einiges notwendig und je später wir umkehren um so größer sind die Opfer, die verlangt werden. Vielleicht brauchen wir auch dieses Chaos damit Mutti genug Dampf abbekommt.

Bekanntlich reagieren Politiker auf Druck.

Ein früherer hochgestellter und anerkannter Frankfurter Bankvorstand sagte vor ca. 30 Jahren schon:
"Man muss nur ordentlich Druck auf den Kessel geben, pfeifen tut er allein. Und fliegt eine Niete weg, dann muss man sie ersetzen."

An dem Spruch ist viel wahres!

Account gelöscht!

22.01.2015, 17:14 Uhr

Was die Börsen erfreut, belastet den Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung rutscht unter 1,15 Dollar.

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EUROPA MACHT WEITERHIN " SINNLOSE SCHULDEN " !!!

Bezahlen wird alles die 500 Millionen Europäer !!!

Keinen einzigen Arbeitsplatz werden diese Gelder in Europa beschaffen !!!

Und alles gilt erst ab März 2015...

wenn in Italien im März 2015 der VESUV hoch geht...

dann wird es sowieso nichts umgesetzt werden...

dann hat Europa andere Sorgen.


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