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24.09.2012

15:29 Uhr

Devisen

Ifo-Index enttäuscht Euro-Anleger

Zum fünften Mal in Folge ist der Geschäftsklimaindex im September gefallen – zur Überraschung der Analysten. Anleger ließen den Euro daraufhin hängen. Auch die Unsicherheit um Spanien spielt dabei mit.

Nahaufnahme einer Zwei-Euro-Münze. Reuters

Nahaufnahme einer Zwei-Euro-Münze.

FrankfurtDer überraschende Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex ist einigen Euro -Anlegern am Montag auf die Stimmung geschlagen. Die Gemeinschaftswährung fiel auf 1,2915 Dollar und lag damit mehr als einen halben US-Cent unter dem New Yorker Freitagsschluss.

Der Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Unternehmen widerspiegelt, ging im September auf 101,4 Punkte von 102,3 Zählern zurück. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 102,5 Stellen gerechnet.

"Man muss dies aber vor dem Hintergrund sehen, dass die Befragungen teilweise vor dem ESM-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes lagen", betonte UBS-Devisenstratege Chris Walker. Dem Ifo-Institut zufolge gingen 50 Prozent der Antworten vor dem 12. September ein. An diesem Tag hatte das Gericht dem Rettungsschirm ESM grünes Licht gegeben.

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Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im September zum fünften Mal in Folge gefallen.

"Was darüber hinaus mit dem Euro passiert, hängt sehr stark davon ab, wann Spanien Hilfen beantragt", fügte UBS-Experte Walker hinzu. "Bislang sträuben sie sich noch." Seit Wochen wird an den Finanzmärkten darüber diskutiert, ob und wann Spanien unter den Rettungsschirm schlüpft. Damit würde das Land die Vorbedingung für unterstützende Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) erfüllen. Bislang hat das Land lediglich Geldspritzen für seinen maroden Bankensektor beantragt.

Die Verunsicherung beim Thema Spanien treibe Anleger wieder in die als sicher geltenden Bundesanleihen, sagte Rabobank-Volkswirt Elwin de Groot. Der Bund-Future stieg um 21 Ticks auf 140,21 Punkte. Nach Einschätzung von Chris Scicluna, Chef-Volkswirt bei Daiwa Capital Markets, ist ein Ausverkauf spanischer Titel vorerst nicht zu befürchten. "Jede Reform-Ankündigung, die zu denjenigen Bedingungen passt, die bei einem Hilfsantrag erfüllt werden müssen, ist voraussichtlich ein weiterer Schritt in Richtung der Unterzeichnung eines solchen Hilfe-Ersuchens." Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Staatsanleihe lag kaum verändert bei 5,78 Prozent.

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

Unabhängig davon legte die japanische Währung am Montag zu. Dollar und Euro verloren 0,2 Prozent auf 78,01 Yen beziehungsweise 0,6 Prozent auf 100,78 Yen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, müsse mit einer Intervention der japanischen Notenbank gerechnet werden, sagten Börsianer. Die Lockerung der Geldpolitik in der vergangenen Woche sei ein Zeichen dafür, dass die Bank of Japan gegen eine weitere Aufwertung ankämpfen wolle, um der exportabhängigen heimischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen.

Von

rtr

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